WDR prüft eigene Unwetter-Berichterstattung

Sender räumt ein: Radio-Spezial auf WDR2 wäre "angemessen" gewesen
Köln (epd).

Nach massiver Kritik wegen seiner Reaktion auf die Unwetterkatastrophe prüft der Westdeutsche Rundfunk (WDR) seine eigene Berichterstattung. „Wir teilen die Einschätzung, dass der WDR in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag noch umfangreicher hätte berichten müssen“, erklärte der Sender in einer Stellungnahme vom 20. Juli zu den Ereignissen der Vorwoche. Zur Aufarbeitung der Berichterstattung würden mehr als 80 Stunden Live-Material gesichtet und sorgfältig jeder Schritt in der Meldekette geprüft.

Selbstkritisch räumt der Sender ein, dass in der Nacht zum 15. Juli eine Sondersendung des Radiosenders WDR2 „angemessen“ gewesen wäre. Zugleich verweist er darauf, dass die Reporterinnen und Reporter in ihrer Arbeit stark beeinträchtigt gewesen seien. So sei etwa das Wuppertaler WDR-Studio selbst so stark vom Unwetter betroffen gewesen, dass es ab 3 Uhr nicht mehr sendefähig war. „In dieser Nacht hat es eine Vielzahl sehr lokaler, aber keine landesweiten Meldungen gegeben, so dass die Lage äußerst unübersichtlich wurde“, heißt es in der Stellungnahme.

Auch erklärte der WDR, dass er bereits ab dem 12. Juli auf den angekündigten Starkregen hingewiesen und ab dem 13. Juli die amtlichen Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes mit den jeweils betroffenen Gebieten in seinen Nachrichten vermeldet habe. Neben der kontinuierlichen Radioberichterstattung habe das WDR Fernsehen am 14. Juli ab 20.15 Uhr ein viertelstündiges „WDR extra“ und von 22.04 bis 22.34 Uhr ein „WDR aktuell“ gesendet.

Ab Mitternacht, als sich die Situation verschärfte, habe man die ganze Nacht durchgängig auf WDR5 im Radio alle 15 Minuten informiert. 1Live habe die ganze Nacht live gesendet und über das Unwetter berichtet. Auch auf den anderen Wellen habe es Sonderausgaben der Nachrichten gegeben, ebenso sei auf „wdr.de“ und anderen digitalen Kanälen berichtet worden.

Der zurzeit beim WDR angesiedelte ARD-Vorsitz verwies darauf, dass in den Nachrichtensendungen des Ersten sowie in den digitalen Kanälen der „Tagesschau“ ausführlich über das Hochwasser berichtet worden sei. Beim ARD-Nachrichtenkanal Tagesschau24 sei zudem linear am 14. Juli um 21.30 Uhr eine 15-minütige Sondersendung mit Live-Schalte, Berichten und einem Wetterexperten im Studio gelaufen. Am Morgen des 15. Juli habe Tagesschau24 ab 9 Uhr monothematisch zum Hochwasser berichtet, am selben Tage habe es den ersten „Brennpunkt“ im Ersten gegeben.

Die schweren Unwetter in Teilen Westdeutschlands hatten am 15. Juli auch zu Programmausfällen bei Fernsehsendern geführt. Als das WDR-Studio Wuppertal zeitweise nicht sendefähig war, übernahmen die Studios in Düsseldorf und Köln, um die Bevölkerung im Bergischen Land mit Regionalnachrichten zu informieren.

Auch der öffentlich-rechtliche Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix war nach eigenen Angaben sei indirekt von der Unwetterkatastrophe betroffen. Da einige senderelevante Kolleginnen und Kollegen am Morgen nicht in den Sender gelangt und einige Übertragungsleitungen ausgefallen seien, habe die Frühsendung entfallen müssen. Zudem sei eine für 11.45 Uhr angekündigte „Phoenix vor Ort“-Sendung nicht gesendet worden.

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli war es zu massiven Überschwemmungen in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gekommen, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben kamen.

Aus epd medien 29-30/21 vom 23. Juli 2021

kfr/ema/rid