RTL Group verzeichnet im ersten Halbjahr Einbrüche wegen Corona

Gewinneinbruch auf 156 Mio. Euro - Streaming-Investitionen fortgesetzt
Luxemburg (epd)

Nach einem Umsatzrekord im vergangenen Jahr verzeichnet der Medienkonzern RTL Group für das erste Halbjahr 2020 bei Umsatz und Gewinn deutliche Rückgänge. Der Gruppenumsatz fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 16,4 Prozent auf 2,65 Milliarden Euro, wie der Konzern am 13. August in Luxemburg mitteilte. Grund dafür sei vor allem der im zweiten Quartal 2020 coronabedingte Einbruch beim TV-Werbemarkt. Allein von April bis Juni sank der Umsatz der RTL Group um 28,3 Prozent auf 1,19 Milliarden Euro im Vergleich zum zweiten Quartal 2019.

Der Gewinn brach von 443 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2019 auf jetzt 156 Millionen Euro ein. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) hat sich mehr als halbiert: Er fiel von 538 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2019 auf 258 Millionen Euro. Den Nettogewinn aus dem operativen Geschäft bezifferte das Unternehmen für das erste Halbjahr 2020 mit 336 Millionen Euro gegenüber 354 Millionen Euro im Vergleichszeitraum 2019. Die Nettoverschuldung reduzierte die RTL Group weiter auf 181 Millionen Euro. Ende Dezember 2019 hatte diese noch bei 384 Millionen Euro gelegen.

Die Mediengruppe RTL Deutschland verzeichnete beim Umsatz ähnliche Einbußen wie der Gesamtkonzern: Die Erlöse sanken um 16,9 Prozent auf 904 Millionen Euro, das Ebita fiel von 328 Millionen Euro in der ersten Jahreshälfte 2019 auf jetzt 174 Millionen Euro.

Stabil zeigte sich der Marktanteil der Mediengruppe RTL Deutschland bei der Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen: Er sank geringfügig von 28,2 Prozent im ersten Halbjahr 2019 auf nunmehr 28 Prozent. RTL allein erzielte den Angaben zufolge einen Marktanteil von 10,7 Prozent, im ersten Halbjahr 2019 hatte er bei elf Prozent gelegen.

Ein Plus verzeichnete der Medienkonzern beim seinen Streaming-Angeboten TVNow in Deutschland und Videoland in den Niederlanden. Deren Umsatz stieg zusammen um 23,1 Prozent auf 80 Millionen Euro. TVNow erreichte der RTL Group zufolge im März sechs Millionen Nutzer, die Abonnentenzahlen wuchsen seit 30. Juni 2019 um 49,5 Prozent. Dafür seien vor allem Eigenproduktionen wie "Prince Charming" verantwortlich, hieß es. Den Break Even will das Unternehmen bei den beiden Pay-Angeboten 2025 erreichen.

Der Vorstandschef der RTL Group, Thomas Rabe, erklärte, nach dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie habe sich der Konzern auf vier Bereiche konzentriert: die Sicherheit der Mitarbeiter, die Kontinuität der Geschäfte, die Liquidität sowie das Kosten- und Cash-Flow-Management. Zwar sei die Fernsehwerbung wie erwartet stark zurückgegangen, aber es sei gelungen, 50 Prozent des Umsatzrückgangs auszugleichen. "Wir taten dies, ohne die Substanz unserer Geschäfte zu beschneiden oder die Investitionen in unsere Streamingdienste zu reduzieren", so Rabe. Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheit bleibe die Drei-Prioritäten-Strategie der RTL Group - Kern, Wachstum, Allianzen & Partnerschaften - unverändert.

Die zum Bertelsmann-Konzern zählende RTL Group betreibt insgesamt 60 Fernsehsender und 30 Radiostationen. Zur Mediengruppe RTL Deutschland gehören neben dem Stammsender RTL unter anderem RTLzwei, Vox und der Nachrichtensender N-TV.

Aus epd medien 32/20 vom 21. August 2020

cd/rid