Flutkatastrophe: Schwierigkeiten bei Information der Medien

Warnmeldungen der Leitstelle Trier liefen "quasi ins Leere"
Trier, Mainz (epd).

Hochwasser-Warnmeldungen der Leitstelle Trier haben im Juli nicht die regionalen Medien in Rheinland-Pfalz wie SWR und RPR1 erreicht. „Der Fehler, dass daher die Warnmeldung quasi ins Leere gelaufen ist, ist nun erst durch die interne Nachbereitung des Einsatzes zum Unwetter am 14./15. Juli aufgefallen“, teilte die Kreisverwaltung Trier-Saarburg dem epd mit. Es sei nun notwendig, die Dinge zeitnah aufzuarbeiten. Der SWR bestätigte dem epd am 1. September, dass der Sender keine amtlichen Warnmeldungen für Rheinland-Pfalz erhalten habe.

Die Berichterstattung bei SWR und WDR über die Unwetterkatastrophe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli hatte massive Kritik ausgelöst. Der WDR räumte ein, dass er in der Nacht der verheerenden Überschwemmungen noch umfangreicher hätte berichten müssen. Als Konsequenz daraus will er künftig mit einem neuen Onlineangebot besser vor Wetterkatastrophen und anderen Gefahrenlagen warnen (epd 31, 35/21). Auch der SWR hat angekündigt, das eigene Vorgehen kritisch zu prüfen .

Laut Kreisverwaltung hat das Land Rheinland-Pfalz die Integrierte Leitstelle ermächtigt, Warnungen im Auftrag der Kreise und der kreisfreien Städte auszusprechen. Dafür werde das landeseinheitliche Meldeformular „MoWaS“ genutzt. Der Einsatzleiter könne die auszulösenden Endgeräte auswählen. Im konkreten Fall habe er die Kategorie „Medien/Presse usw. regional“ genommen. Diese Anforderung gab die Leitstelle dann den Angaben zufolge in die Meldesoftware des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in der Rubrik „regionale Medien“ ein. Anders als das vom Einsatzleiter ausgefüllte und von der Leitstelle übermittelte Formular suggeriere, seien hierüber aber nur der Radiosender Energy und die Madsack-Gruppe erreicht worden, und nicht die lokal und regional arbeitenden Medien wie der SWR.

„Durch die Leitstelle gibt es keine Möglichkeit, das Meldesystem direkt anzupassen“, teilte die Kreisverwaltung mit. Dementsprechend liefen nun Gespräche mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und dem Softwarehersteller. Ziel sei ein verbessertes und vereinfachtes Meldeformular sowie eine optimierte Benutzeroberfläche, um zukünftig die Medien vor Ort zu erreichen. „Bis zur Klärung und Umsetzung ist die Anweisung an die Disponenten der Leitstelle ergangen, grundsätzlich alle Warnungen auch landesweit zu versenden, denn in diesem Verteiler befinden sich auch die lokalen Medien vor Ort“, hieß es.

Laut SWR hatte die Leitstelle Trier in der Hochwassernacht zwischen 19.01 und 9.16 Uhr insgesamt zehn Warnmeldungen herausgegeben, unter anderem mit konkreten Handlungs- und Verhaltensanweisungen. Im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz seien in Nordrhein-Westfalen die Meldungen der dortigen Verantwortlichen beim WDR angekommen, da diese dort die Kategorie „landesweit“ ausgewählt hätten. „Auch der SWR erhielt in der Nacht auf 15. Juli einige der Warnmeldungen aus NRW, nicht aber eine einzige aus Rheinland-Pfalz“, berichtete der Sender.

Eine SWR-Sprecherin sagte dem epd: „Mit mehr Informationen hätten wir früher handeln können.“ Der Sender überprüfe zurzeit die amtliche Warnmeldekette, aber auch die redaktionellen Abläufe, „um auch unabhängig von den amtlichen Warnmeldungen berichten zu können“. Die Auswertung der redaktionellen Abläufe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli sei aber noch nicht final abgeschlossen. Was die amtlichen Warnmeldungen angehe, sei der Sender im Kontakt mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Die Sprecherin sagte, der SWR habe bereits Plattformen für die Krisenberichterstattung: „Unser bestehendes Onlineangebot deckte das ab.“ In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli habe das Liveblog funktioniert. Für Online und das Liveblog seien bis 2.30 Uhr vier Personen tätig gewesen, danach bis 5 Uhr eine Person: „Jede auflaufende Information wurde - zum Teil im Viertelstunden-Rhythmus - in unserem Liveblog veröffentlicht.“

Aus epd medien 36/21 vom 10. September 2021

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