ARD berechnet Bezüge der Intendanten anders

Kürzlich veröffentlichte Zahlen weisen Grundvergütungen aus
Frankfurt a.M. (epd)

Die ARD hat klargestellt, dass sich aus den jüngst veröffentlichten Zahlen zu den Bezügen der Intendanten keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Entwicklung der Gehälter im Senderverbund ziehen lassen. Wie eine Sprecherin der ARD am 18. August auf epd-Anfrage mitteilte, hat sich die Grundlage der Berechnungen seit den 2017 veröffentlichten Zahlen verändert. Im Gegensatz zu vorher weise der Senderverbund nun nur noch die Grundvergütungen der Intendanten aus. Detailliertere Informationen zu einzelnen Vergütungen lägen nicht zentral vor (epd 33/20).

Die Bezüge der Intendanten und Intendantinnen setzen sich zusammen aus Grundvergütung, Sachbezügen und zusätzlichen Leistungen für Tätigkeiten bei Tochterfirmen der Sender oder der ARD.

Die Grundvergütung von WDR-Intendant Tom Buhrow, der nach der von der ARD kürzlich veröffentlichten Tabelle der bestbezahlte Intendant ist, lag 2019 um rund 23.000 Euro über der von 2016. Erhielt Buhrow 2016 laut WDR-Geschäftsbericht 371.700 Euro, so waren es im vergangenen Jahr 395.000 Euro. Hinzu kam 2019 nach WDR-Angaben ein privat zu versteuernder Anteil für den Dienstwagen von 11.700 Euro. Für Tätigkeiten bei Tochter- und Beteiligungsgesellschaften des WDR oder der ARD erhält Tom Buhrow seit seinem Amtsantritt jährlich 6.000 Euro. Im WDR sind Vergütungen für derartige Tätigkeiten grundsätzlich bei dieser Summe gedeckelt, teilte eine Sprecherin mit.

Die Klarstellung der ARD korrigiert die Berichterstattung in epd 33/20, wo es fälschlicherweise hieß, Buhrows Bezüge seien 2019 im Vergleich zu 2016 gesunken.

Die Grundvergütung des an zweiter Stelle liegenden Senderchefs, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, lag laut ARD 2019 bei 388.000 Euro, rund 21.000 Euro über der von 2016. Laut BR-Geschäftsbericht lag diese 2016 bei 366.656 Euro. Zusätzlich zur Grundvergütung erhielt Wilhelm 2019 eine pauschale Aufwandsentschädigung von 9.240 Euro sowie eine rückwirkende Gehaltsanpassung von 679 Euro. Daneben wurde dem Intendanten ein Dienstwagen, der auch für private Zwecke genutzt werden kann, zur Verfügung gestellt. Dieser privat zu versteuernde geldwerte Vorteil betrug 7.082 Euro. Wilhelm verzichtet seit seinem Amtsantritt auf Bezüge und Aufwandsentschädigungen für die Mandate bei Tochterfirmen des BR.

Der damalige NDR-Intendant Lutz Marmor erhielt im vergangenen Jahr 365.000 Euro, hinzu kamen eine vertraglich fixierte Dienstaufwandsentschädigung und der geldwerte Vorteil des Dienstwagens. Diese betrugen nach Angaben des NDR insgesamt 10.431 Euro. In seiner Funktion als Intendant war Marmor auch Aufsichtsratsvorsitzender der NDR Media und von Studio Hamburg, für diese Tätigkeiten erhielt er 1.500 Euro brutto im Monat. Für sein Aufsichtsratsmandat bei der Degeto und seine Tätigkeiten in anderen Aufsichtsgremien erhielt er keine Aufwandsentschädigung. Für 2016 hatte die ARD für Marmor Bezüge in Höhe von insgesamt 348.000 Euro angegeben. Darin waren nach Angaben des NDR auch die Dienstaufwandsentschädigung und der geldwerte Vorteil des Dienstwagens eingerechnet.

SWR-Intendant Kai Gniffke, der erst seit Anfang September 2019 im Amt ist, erhielt auf das Jahr hochgerechnet 343.000 Euro Grundvergütung. Hinzu kam nach Angaben des SWR eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 350 Euro. Für die Monate September bis Dezember habe der Intendant für die Nutzung des Dienstwagens insgesamt knapp 652 Euro als geldwerten Vorteil versteuert. Für seine Tätigkeiten im Aufsichtsrat der Sportrechteagentur SportA sowie im Aufsichtsrat der Degeto Film erhalte er keine Aufwandsentschädigungen.

HR-Intendant Manfred Krupp erhielt 2019 als Grundvergütung 286.446 Euro, hinzu kamen 3.000 Euro Aufwandsentschädigung und 2.766 Euro für die Nutzung eines Dienstwagens und das Ticket für den Verkehrsverbund RMV. Auch Krupp erhält keine weiteren Leistungen für Tätigkeiten bei Tochter- und Beteiligungsunternehmens des HR.

Bahncard 50 1. Klasse

MDR-Intendantin Karola Wille erhielt nach Angaben der ARD im vergangenen Jahr 275.000 Euro Grundvergütung. Für das Jahr 2016 hatte die ARD vor drei Jahren ebenfalls 275.000 angegeben. Wie sich diese zusammensetzen, ist schwer nachzuvollziehen, da die Bezüge der Intendantin im Geschäftsbericht nicht veröffentlicht wurden. Nach Angaben des MDR erhält sie "auch Vergütungen für Nebentätigkeiten in Gremien von Beteiligungsgesellschaften". Diese würden "von der Intendantin jährlich gegenüber dem Verwaltungsdirektor des MDR offengelegt". Wille habe sich verpflichtet, die aus den Nebentätigkeiten erlangten Vergütungen an den MDR abzuführen, wenn sie einen Betrag in Höhe von insgesamt 5.000 Euro pro Kalenderjahr übersteigen. Zu den Sachbezügen machte der MDR keine Angaben.

RBB-Intendantin Patricia Schlesinger erhielt nach Angaben des RBB 2019 über ihre Grundvergütung von 261.000 Euro hinaus keine weiteren Leistungen für Tätigkeiten bei Tochter- oder Beteiligungsgesellschaften des RBB oder der ARD. Der versteuerte Sachbezug für die mit dem Dienstwagen getätigten Privatfahrten lag nach Angaben des RBB bei 4.287 Euro.

Die Intendantin von Radio Bremen, Yvette Gerner, die ihr Amt am 1. August antrat, erhielt hochgerechnet 270.000 Euro Grundvergütung. Darüber hinaus erhielt sie nach Angaben von Radio Bremen eine Bahncard 50 (1. Klasse), da sie weder einen Dienstwagen noch einen Fahrer habe. Die Bahncard 50 für die 1. Klasse kostet zurzeit 515 Euro.

Der Intendant des Saarländischen Rundfunks (SR), Thomas Kleist erhielt 245.000 Euro im Jahr 2019. Nach Angaben des SR kamen dazu rund 1.330 Euro monatlich aus Beteiligungsgesellschaften des SR sowie der geldwerte Vorteil aus Dienstwagen und Fahrer, der sich auf rund 500 Euro monatlich belaufe.

4,4 Millionen für Max Conze

ZDF-Intendant Thomas Bellut erhielt nach den vom ZDF zuletzt veröffentlichten Zahlen 2018 eine Grundvergütung von 366.000 Euro. Hinzu kamen Sachbezüge in Höhe von 2.975 Euro sowie 41.135 Euro Einkünfte für Tätigkeiten bei Tochter- und Beteiligungsgesellschaften des ZDF.

Die Einkünfte der Intendanten und Intendantinnen liegen deutlich unter den Summen, die in den privaten Medienkonzernen gezahlt werden. Der damalige Vorstandsvorsitzende von ProSiebenSat.1, Max Conze, erhielt laut Geschäftsbericht im vergangenen Jahr 1,51 Millionen Euro Grundvergütung, hinzu kamen 2,89 Millionen Euro variable Vergütung. Der Konzernumsatz lag 2019 bei 4,1 Milliarden Euro (epd 11/20).

Einige öffentlich-rechtliche Sender sind gesetzlich verpflichtet, die Bezüge ihrer Intendanten und Direktoren offenzulegen. Die ARD-Anstalten stellen seit 2017 gebündelte Übersichten über die Jahresgehälter aller Intendanten und Intendantinnen sowie die monatlichen Durchschnittsverdienste der Direktoren und ausgewählter Berufsgruppen ins Netz (epd 24/20).

Aus epd-medien 34/20 vom 21. August 2020

Update 20.8., 14.20 Uhr: Der SR hat seine Angaben zu den Bezügen von Intendant Kleist aus den SR-Beteiligungsgesellschaften korrigiert. Wir haben die Zahl in dieser Online-Version angepasst, für die Druckausgabe kam die Korrektur leider zu spät.

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