21.12.2018 - Karsten Frerichs

Einen "Abgrund von Landesverrat" nannte Bundeskanzler Konrad Adenauer 1962 die Enthüllungen des "Spiegels" über die Schwächen der deutschen Verteidigungsbereitschaft. "Ein Abgrund von Medienverrat", möchte man ausrufen ob der schmerzenden Erkenntnis, dass der mehrfach preisgekrönte "Spiegel"-Autor Claas Relotius im großen Umfang über Jahre hinweg Recherchen vorgetäuscht und Fakten frei erfunden hat. Das Magazin, das mit dem Titel "Bedingt abwehrbereit" in der frühen Bundesrepublik das Ansehen einer unabhängigen, nur der Wahrheit verpflichteten Presse begründete, scheint in Trümmern.

17.12.2018 - Renate Kortheuer-Schüring

Selten genug, dass in einer TV-Serie das Neue Testament die Steilvorlage liefert; bei Arte ist es jetzt zu sehen, um nicht zu sagen zu bestaunen. "Die Wege des Herrn" heißt die dänische Reihe, die so gar nichts mit allen sattsam bekannten, heiteren Pfarrerserien des deutschen Fernsehens zu tun hat. Die Produktion von Adam Price (Buch) und Kaspar Munk (Regie) entfaltet private Tragödien im protestantischen Pfarrhaus und die mit ihnen verflochtenen Glaubens-Geschichten mit existenzieller Wucht.

10.12.2018 - Diemut Roether

Wer in den 80er oder 90er Jahren jung war, kannte sie: Aus ihren Auftritten bei der Musiksendung "Formel 1", vor allem aber aus ihren Radiomoderationen bei SWF3 und später SWR3. Zwei bis drei Generationen von Radiohörern sind mit Stefanie Tücking erwachsen geworden, kannten ihre raue, tiefe, fast rotzige Stimme, die immer schon nach zu viel Zigaretten und Whiskey klang. Sie war die junge Kesse mit den viel zu breiten Schulterpolstern und der typischen 80er-Jahre-Frisur aus "Formel 1".

03.12.2018 - Thomas Gehringer

Den Fernsehsender Viva gibt es noch? Das muss wohl so sein, wenn sein Sendebetrieb zum Jahresende, nach exakt 25 Jahren und einem Monat, eingestellt werden soll. Aber was heißt schon "Sendebetrieb"? Der Viva-Rest, der übriggeblieben ist vom coolen Kind der 1990er Jahre, ist so dürftig und unbedeutend, so offenkundig nur noch Füllmaterial, eine einzige Dauerschleife aus Charts und MTV-Wiederholungen, dass von Existenz zu sprechen an Schönfärberei grenzt. Aus dem einstigen Trend- und Kultsender der Jugend ist längst ein seelenloses Gefäß geworden.

26.11.2018 - Michael Ridder

"Das ist kein Ende. Das ist erst der Anfang." Die Worte des sterbenden Hans Beimer am 2. September klangen hoffnungsvoll, nun klingen sie bitter. Denn seit der WDR-Pressemitteilung vom 16. November wissen wir: Hans Beimers Tod war der Anfang vom Ende der "Lindenstraße". Im März 2020 soll nach knapp 35 Jahren die letzte Folge der Kultserie über die Bildschirme flimmern.

19.11.2018 - Konrad Ege

Seit mehr als zwei Jahren arbeitet sich US-Präsident Donald Trump an den Medien ab. Er schimpft über "Feinde des Volkes". Gleichzeitig prägt er, der durch konstante Medienpräsenz Karriere gemacht hat, mit Lügen und Behauptungen die Berichterstattung. Fernsehen, Internet und Presse können anscheinend nicht nicht berichten. In einer kommerziellen Medienlandschaft, in der Quoten und Klicks zählen, ist Trump Lieferant eben derselben. Und er ist nun mal Präsident. Im Grunde haben Trump und die Medien eine symbiotische Beziehung.

12.11.2018 - Malte Werner

Man hätte auf einer Veranstaltung zum Thema Exil mit einer solchen Frage rechnen können. Und doch bin ich einigermaßen überrumpelt. "Was bedeutet für Dich Exil?", fragt Anas Khabir. Der aus Syrien geflohene Journalist arbeitet als Reporter für "Amal, Berlin!", eine mehrsprachige Nachrichtenplattform aus der Hauptstadt, und geht auf der Tagung auf Stimmenfang.

05.11.2018 - Diemut Roether

Journalisten und Medienmacher sind seit einigen Jahren zutiefst verunsichert. Da ist der zunehmende Druck durch den Medienwandel, die Krise des Geschäftsmodells, die Veränderung des Berufsbilds durch neue Formate und Distributionskanäle, der Autoritätsverlust durch neue Akteure auf dem Medienmarkt und das veränderte Informationsverhalten der Mediennutzer.

29.10.2018 - Mey Dudin

Die einzigen Zeitschriften, die der Medienkrise trotzen, sind Fachmagazine, heißt es oft. Schaut man sich die Regale in den Bahnhofskiosken an, dann fällt auf, dass ein Genre besonders gut läuft: "Treffer... versenkt!", steht auf dem Titelblatt eines Heftchens namens "Weltkrieg", das nach eigenen Angaben "Erlebnisberichte" bietet. Ein anderes Blatt wirbt mit dem Titel "Schleichfahrt ins Verderben".

22.10.2018 - Tilmann Gangloff

Hätte Dante Alighieri seine "Göttliche Komödie" 700 Jahre später geschrieben, würden die neun Höllenkreise vermutlich ganz anders aussehen. Kai Tilgen hat jedenfalls eine Ahnung, was in seiner ganz persönlichen Hölle auf ihn warten wird. Deshalb hat er seine Autobiografie "Wie ich mir meinen Platz in der Fernsehhölle verdient habe" genannt.