Inland
WDR plant crossmedialen Newsroom ab Spätsommer 2019
Rundfunkrat: Publizistische und investigative Kraft darf nicht geschwächt werden
Köln (epd). Der WDR will seine tagesaktuelle Produktion in einem zentralen crossmedialen Newsroom zusammenziehen. Dieser Newsroom solle im Spätsommer 2019 in den WDR-Arkaden in Köln seine Arbeit aufnehmen, sagte eine Sprecherin am 22. Februar dem epd. Im Jahr 2023 solle der Newsroom, in dem die aktuelle Arbeit für Fernsehen, Hörfunk und Online koordiniert wird, in das Filmhaus umziehen. Die Lösung in den WDR-Arkaden sei nur eine zwischenzeitliche Lösung. Der Verwaltungsrat müsse dem Plan noch zustimmen. Der crossmediale Newsroom sei Teil des unternehmensweiten Projekts digitaler Wandel, das von Ingmar Cario und Jürgen Kraus geleitet wird.

Der Rundfunkrat hatte der Übergangslösung in seiner Sitzung am 20. Februar zugestimmt. Das Gremium gab zu bedenken, "dass die publizistische und investigative Kraft des WDR durch die neue Arbeitsorganisation nicht geschwächt werden darf". Die eingesparten Ressourcen sollten zusätzlichen Inhalten zugutekommen "und nicht zu einer Reduzierung von Recherche-Kapazitäten führen". Der Rundfunkrat erwarte, dass "trotz der zentralisierten und medienübergreifenden Arbeitsweise die Vielfalt und Qualität des Programmangebots erhalten bleibt". Er appellierte an den Sender, die Mitarbeiter in die Entwicklung der neuen Arbeitsstrukturen einzubeziehen.

Das Gremium setze darauf, "dass der WDR messbare Erfolgskriterien für die Einrichtung des Interims-Newsrooms aufstellt und evaluiert", heißt es in einem Beschluss, den der Rundfunkrat verabschiedete. Er bitte "um erste Ergebnisse ein Jahr nach dem Start". Die Ergebnisse der Bewertung sollten bei der Planung des Newsrooms im Filmhaus berücksichtigt werden.

Nach Angaben der Sprecherin werden alle aktuellen Einheiten von Fernsehen, Hörfunk und Internet in dem crossmedialen Newsroom zusammenarbeiten. Dazu gehörten die aktuellen Fernsehprogrammgruppen in Köln und Düsseldorf, die Hörfunknachrichten, der aktuelle Hörfunkdesk sowie Teile des Programmbereichs Internet. "Auch Vertreter der Hörfunkwellen WDR2 und WDR5 werden im Newsroom vertreten sein", sagte die Sprecherin. Aus dem Newsroom heraus sollten unter anderem die Nachrichtensendungen unter der Marke "WDR aktuell" für alle Ausspielwege produziert werden sowie aktuelle Beiträge für alle Wellen und Sendungen zugeliefert werden.

Für den Interims-Newsroom seien rund 150 Arbeitsplätze verteilt auf drei Etagen vorgesehen, sagte die Sprecherin. Ziel sei unter anderem, "mehr Menschen auf mehr Wegen zu erreichen". Die Erhöhung der Reichweite sei eines der Ziele, an denen der Erfolg des Newsroom gemessen werden könne. Der zentrale Raum solle "ein Herzstück des crossmedialen Kreislaufs im WDR und die aktuelle Drehscheibe für Themen aus den crossmedialen Fachredaktionen und den crossmedialen Landesstudios werden". Wie die crossmedialen Fachredaktionen solle er "perspektivisch auch strukturell im WDR verankert werden". Die inhaltlichen, strukturellen und personellen Grundlagen für den Interims-Newsroom sollten in den kommenden Monaten unter Einbeziehung der Mitarbeiter erarbeitet werden.

Pläne für einen crossmedialen Newsroom gibt es im WDR seit 2016. Ursprünglich sollte dieser erst nach dem Umbau des Filmhauses eingerichtet werden. Nach den derzeitigen Planungen wird das umgebaute Filmhaus aber nicht wie ursprünglich vorgesehen 2021, sondern erst 2023 bezogen werden können (epd 17/16).

Aus epd medien Nr. 09 vom 02. März 2018

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