Inland
Telekom erneuert Kritik an Fusion von Vodafone und Unitymedia
Vorstandsmitglied Wössner fordert faire Bedingungen im Wettbewerb
Köln (epd). Die Deutsche Telekom sieht die geplante Fusion der Kabelnetzbetreiber Vodafone und Unitymedia weiter skeptisch. "Wir freuen uns über Wettbewerb. Der Wettbewerb muss aber fair sein", sagte Vorstandsmitglied Dirk Wössner am 13. Juni beim Breitband- und Medienkongress Anga Com in Köln. Er verwies auf die Dominanz der Kabelbetreiber in der Wohnungswirtschaft. Bei 16 bis 20 Millionen Haushalten in Deutschland sei die Versorgung mit Fernsehen bereits in der Miete enthalten. Sollten die Wettbewerbshüter den Deal genehmigen, werde die Telekom "mit einer auf dem Rücken festgebundenen Hand weiterkämpfen", erklärte Wössner.

Vodafone und der Unitymedia-Mutterkonzern Liberty Global hatten die Pläne im Mai offiziell bekanntgegeben (epd 19, 20/18). Vodafone will Unitymedia sowie die Liberty-Geschäfte in Ungarn, Rumänien und Tschechien für insgesamt 18,4 Milliarden Euro übernehmen. Der Fusionskonzern würde Kabelnetze in allen deutschen Bundesländern betreiben. Konkurrenten und Medienrechtler befürchten deshalb ein neues Quasi-Monopol. Die kartellrechtliche Prüfung auf deutscher und europäischer Ebene wird nach Schätzungen mehr als ein Jahr dauern.

Lutz Schüler, Vorstandschef von Unitymedia Deutschland, und Vodafone-Manager Manuel Cubero verteidigten die geplante Fusion. "Was wir zusammen auf die Straße bringen können, wird noch einmal eine andere Dimension des Wettbewerbs schaffen", sagte Schüler. Nach einem Zusammenschluss würde das Unternehmen einen Marktanteil von 20 Prozent in der Festnetz-Telefonie haben und 37 Prozent aller Fernseh-Haushalte versorgen. "Wir glauben, dass dies die Konkurrenz stärken wird", sagte Cubero. "Die Konkurrenten werden investieren."

Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von ProSiebenSat.1, Conrad Albert, und Sky-Chef Carsten Schmidt beurteilten das Zusammengehen von Vodafone und Unitymedia kritisch. "Monopole sind nie gut", erklärte Albert. Grundsätzlich fordere er aber mehr Partnerschaften. Wenn die Angebotsvielfalt nicht eingeschränkt oder kleinere Anbieter über die Preisgestaltung verdrängt würden, könne die Übernahme positiv sein. "Wir werden euch an euren Taten messen", kündigte Albert an.

Einig war sich die Runde, dass der Ausbau der Breitband-Infrastruktur in Deutschland nicht schnell genug gehe. Beim Ausbau des Glasfaser-Netzes "haben wir die Zeit in den letzten 18 Jahren nicht genutzt, da sind wir im europäischen Vergleich Letzter", sagte Schüler. Die Politik solle "mal das tun, was sie besonders gut kann, nämlich nichts". Sie solle darauf vertrauen, dass der Wettbewerb es richtet, "damit es eine Chance gibt, dass auf den Daten-Autobahnen auch mal ein deutsches Daten-Auto fährt". Der Unitymedia-Manager wies darauf hin, dass angesichts neuer Anwendungen etwa im Bereich Virtual Reality hohe Bandbreiten schneller nötig sein werden als derzeit geplant. Es sei notwendig, die durchschnittlichen Nutzungsgeschwindigkeiten "für jeden in Deutschland so schnell wie möglich" zu erhöhen.

Wössner verwies darauf, dass die Telekom das Unternehmen sei, das in Kilometern gemessen das Glasfasernetz am stärksten ausbaue. Bis Ende 2019 sollen 95 Prozent der Haushalte über einen Zugang mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde verfügen. Die fehlenden fünf Prozent seien jedoch ein großes Problem, weil es sich dabei nicht um Dörfer, sondern um vereinzelt stehende Häuser handle. "Wir müssen den besonderen Fokus auf diejenigen legen, die heute abgeschnitten sind", sagte Wössner. Der Telekom-Vorstand sprach sich für einen Technologiemix und einen "nicht ganz so dogmatischen" Ausbau des Netzes aus. Während die Kabel in Deutschland im Boden vergraben werden müssten, könnten die Leitungen in anderen Ländern auch entlang von Stromtrassen und Lichtmasten verlegt werden. Auf der letzten Meile könnten die Haushalte in Zukunft auch zum großen Teil über Funk versorgt werden.

ProSiebenSat.1-Vizechef Conrad Albert bekräftigte bei der Diskussionsrunde seine Forderung nach einer neuen Medienordnung in Deutschland, die weniger Regulierung enthält und mehr Kooperationen ermöglicht. "Wir befinden uns in einem globalen Verdrängungswettbewerb. Zusammen könnten wir deutlich mehr", sagte er. Es sei notwendig, "ganz viele alte Zöpfe abzuschneiden". Denkverbote dürfe es in einem gemeinsamen Vorgehen gegen internationale Konzerne wie Google, Amazon und Facebook nicht geben. Es müsse möglich sein, "dass wir mal mit der RTL-Gruppe zusammengehen, dass die uns kaufen, dass wir die kaufen", sagte Albert. "Wir bewegen uns zu sehr im kleinen Karo."

Aus epd medien Nr. 24 vom 15. Juni 2018

tgr