Internationales
Schweiz: SRG SSR baut 250 Vollzeitstellen ab
Einsparvolumen von 100 Mio. Franken - Ausstieg aus Vermarktungsfirma
Bern (epd). Die Schweizer Rundfunkgesellschaft SRG SSR hat ihre Sparpläne konkretisiert. In den kommenden vier Jahren würden 100 Millionen Franken (86 Millionen Euro) eingespart und 20 Millionen davon reinvestiert, teilte die SRG am 28. Juni in Bern mit. Damit reagiere man auf die vom Bundesrat beschlossene Deckelung der Gebühreneinnahmen und auf die rückläufigen Werbeeinahmen. Um das Sparziel zu erreichen, werde auch ein Stellenabbau unvermeidbar sein. Unternehmensweit müsse in dem Vierjahres-Zeitraum mit einem Abbau von rund 250 der aktuell 5.700 Vollzeitstellen gerechnet werden.

Die Einsparungen sollen durch Kürzungen in allen Unternehmenseinheiten der SRG erzielt werden. 20 Millionen Franken entfallen demnach auf SRF (Deutschschweiz), 15 Millionen auf RTS (französischsprachige Schweiz), 15 Millionen auf die Generaldirektion, zehn Millionen auf RSI (italienischsprachige Schweiz), eine Million auf RTR (rätoromanischsprachige Schweiz) und eine Million auf die Onlineplattform "swissinfo.ch". Die übergeordneten Einsparungen, vor allem in den Bereichen Infrastruktur und Distribution, belaufen sich auf 40 Millionen Franken, wie die SRG mitteilte.

Ein wesentlicher Teil der abzubauenden Stellen solle durch "natürliche Abgänge" erfolgen. Dennoch seien Entlassungen nicht auszuschließen. Bis Ende September arbeite man an der Detailplanung, danach würden die Sozialpartner und die Mitarbeiter angehört, teilte die SRG mit. Die Umsetzung erfolge ab 2019.
Die SRG hatte bereits im März einschneidende Spar- und Strukturmaßnahmen angekündigt. Zuvor hatten sich die Schweizer am 4. März mit großer Mehrheit für die Beibehaltung der Rundfunkgebühren ausgesprochen: 71,6 Prozent votierten bei einer Volksabstimmung gegen die Abschaffung, dabei stimmten alle Kantone des Landes mehrheitlich gegen die "NoBillag"-Initiative (epd 10/18).

Die Deckelung des SRG-Gebührenanteils tritt am 1. Januar 2019 mit der Umstellung des Systems auf eine Haushaltsabgabe in Kraft. Der SRG-Anteil wird dann bei 1,2 Milliarden Franken pro Jahr liegen, lediglich Teuerungsindexierungen sind vorgesehen. Der Anteil für die privaten Radio- und Fernsehstationen wird von derzeit 67,5 Millionen auf 81 Millionen Franken steigen. Außerdem sind zwei Millionen Franken pro Jahr zur Unterstützung der Schweizerischen Depeschenagentur (sda) vorgesehen. Übersteigt der Ertrag der Abgabe den Bedarf, wird der Überschuss auf einem Konto deponiert. Diesen Überschuss kann der Bundesrat einsetzen, um einen künftigen Rückgang des Abgabeertrags zu kompensieren oder die Höhe der Abgabe zu senken.

Ab 2019 müssen alle Schweizer Haushalte eine Radio- und Fernsehabgabe in Höhe von 365 Franken pro Jahr bezahlen. Gegenwärtig beträgt die Empfangsgebühr noch 451 Franken und muss entrichtet werden, wenn ein betriebsbereites Radio- und TV-Gerät vorhanden ist. Die Gebühreneinnahmen der SRG summierten sich laut Geschäftsbericht im Jahr 2017 auf 1,219 Milliarden Franken. Der gesamte Betriebsertrag lag bei 1,595 Milliarden Franken, nach Abzug der Aufwendungen stand unterm Strich ein Unternehmensergebnis von 29,5 Millionen Franken.

Mit den 20 Millionen Franken, die aus dem Sparvolumen zur Reinvestierung entnommen werden, will die SRG laut Mitteilung in den nächsten vier Jahren "ihre Unterscheidbarkeit stärken und in ihren Mehrwert investieren". Im kulturellen Bereich sollen die Schweizer Eigenproduktionen, insbesondere TV-Serien, in Zusammenarbeit mit externen Partnern gestärkt werden. Ab dem 1. Januar 2019 wird nach Auslauf geltender Verträge zudem der bereits angekündigte Verzicht auf Unterbrecherwerbung bei Primetime-Filmen auf SRF, RTS und RSI umgesetzt.

Im Digitalbereich soll eine non-lineare Plattform aufgebaut werden, mit der SRG-Inhalte über die Sprachgrenzen hinweg durch Untertitelung und Synchronisation einfacher und personalisiert genutzt werden können. Zudem verzichtet die SRG ab 2019 darauf, Texte ohne Verbindung zu Audio- oder Video-Beiträgen auf den Info-Webseiten von SRF, RTS und RSI zu publizieren. Damit wolle die SRG ihre Unterscheidbarkeit vom bezahlten Online-Angebot der privaten Anbieter unterstreichen, erklärte das Unternehmen.

2019 will die SRG auch die angekündigte Öffnung des Archivzugangs umsetzen. Man wolle auch weiterhin die Schweizer Medienlandschaft "mit nützlichen Partnerschaften stärken", hieß es. Deshalb teile man bereits seit Monaten die SRG-Informationsvideos mit mehr als 40 privaten Medienanbietern. Zusammen mit drei privaten Radioverbänden soll ein "Swiss Radioplayer" gestartet werden.

Die SRG-Aktienanteil von 33,3 Prozent an der Vermarktungsfirma Admeira soll an die beiden Mitaktionäre Swisscom und Ringier verkauft werden. Die Unterzeichnung des Kaufvertrags fand am 26. Juni statt, der Vollzug sei "demnächst geplant", hieß es. Die SRG sei aber weiterhin der Ansicht, "dass es heute wichtiger denn je ist, den Medienplatz Schweiz gemeinsam zu gestalten und gegenüber der internationalen Konkurrenz zu stärken".

Der Verwaltungsrat der SRG genehmigte die Spar- und Strukturmaßnahmen. Diese seien ein "weiterer wichtiger Schritt, um den gemeinsam definierten Veränderungsprozess des Unternehmens voranzutreiben".
Aus epd medien Nr. 27 vom 6. Juli 2018

rid