Internationales
Schottland erhält 2019 eigenen BBC-Fernsehkanal
Medienaufsicht Ofcom genehmigt die Pläne - Budget: 32 Millionen Pfund
London/Edinburgh (epd). Schottland erhält einen eigenen BBC-Fernsehkanal. Die britische Kommunikations- und Medienaufsichtsbehörde Ofcom gab am 26. Juni endgültig grünes Licht für das Projekt. Schottland mit fünf Millionen Einwohnern ist damit die erste der vier UK-Nationen England, Schottland, Wales und Nordirland, die einen eigenen BBC-Kanal bekommt. Der neue Sender BBC Scotland soll 2019 starten und einen Marktanteil von etwa 2,4 Prozent erreichen.

2017 hatte die BBC in Schottland einen Marktanteil von 32 Prozent. Davon entfielen auf BBC One 22 Prozent, auf BBC Two sechs Prozent und auf weitere BBC-Digitalkanäle vier Prozent. Größter Konkurrent war der kommerzielle Sender Scottish Television (STV) mit einem Marktanteil von 15 Prozent. Bisher betreibt die BBC in Glasgow die regionalen schottischen Varianten von BBC One und BBC Two, BBC Radio Scotland und die beiden Dienste Radio nan Gaidheal und BBC Alba, die ihre Hörfunk- und Fernsehprogramme in Schottisch-Gälisch, einer keltischen Sprache, ausstrahlen.

Nach der Freigabe durch die Ofcom, die größere neue BBC-Aktivitäten unter Wettbewerbsgesichtspunkten prüfen muss, kann die BBC nun den eigenen Kanal für Schottland starten. BBC-Generaldirektor Tony Hall bezeichnete die Ofcom-Genehmigung als "großartige Nachricht". Er kündigte zudem die Investition von vier Millionen Pfund (4,5 Millionen Euro) in ein neues digitales Zentrum in Glasgow an. Glasgow, die größte Stadt Schottlands, wird damit nach London und Salford (Manchester) das dritte Fernsehproduktionszentrum der BBC in Großbritannien. Dort entstehen in den kommenden drei Jahren 60 neue Arbeitsplätze.

Zu dem neuen Programm ab Februar 2019 gehören ein tägliches einstündiges Nachrichtenangebot um 21 Uhr an Wochentagen sowie neue Sendungen, die das Leben in Schottland widerspiegeln, darunter auch neue Fernsehspiele und eigene Comedy. Etwa 50 Prozent der Programme des neuen Kanals werden Wiederholungen und Archivmaterial sein. Die Kernsendezeit wird täglich von 19 bis 24 Uhr sein. Insgesamt sollen ab 2019 jährlich über 900 Programmstunden zusätzlich für Zuschauer in Schottland produziert werden.

BBC Scotland wird ein Jahresbudget von 32 Millionen Pfund haben, davon acht Millionen für Programminhalte. Für den neuen BBC-Kanal werden 140 neue Jobs geschaffen, davon 80 für journalistische Stellen für die neue Nachrichtensendung "Nine News". Donalda MacKinnon, seit Dezember 2016 Direktorin von BBC Scotland, zeigte sich über die Ofcom-Genehmigung "erfreut". Das sei ein "Sprungbrett" für kontinuierliche Planung.

Nicola Sturgeon, die Ministerpräsidentin von Schottland und Parteiführerin der nationalistischen Schottischen Nationalpartei (SNP), begrüßte die Schaffung eines eigenen BBC-Fernsehkanals. Die schottische Regierung habe sich schon lange für einen eigenen BBC-Fernsehkanal eingesetzt. Dieser müsse jedoch gut finanziert werden. Auch Vertreter der in Schottland oppositionellen Parteien, der Konservativen und der sozialdemokratischen Labour-Partei, begrüßten den geplanten Sender.

Seit 1603 war das Königreich Schottland mit England in Personalunion verbunden. 1707 wurde das Königreich Großbritannien aus den Königreichen England (mit Wales) und Schottland gebildet. Seit 1999 ist Schottland im Rahmen des Vereinigten Königreichs wieder selbstständig mit eigener Regierung und einem Parlament, das über begrenzte Kompetenzen verfügt.
Aus epd medien Nr. 28 vom 13. Juli 2018

ebe