Inland
Schleichwerbeverdacht: "Pastewka" beschäftigt Medienaufsicht
Luxemburgische Behörde eingeschaltet - Zahlreiche Marken in neuer Staffel
Bremen/Köln (epd). Die Comedy-Serie "Pastewka" bei Amazon Prime Video beschäftigt die Medienaufsicht: Wegen des Verdachts der ungekennzeichneten Produktplatzierung haben die Landesmedienanstalten die zuständige Aufsichtsbehörde in Luxemburg eingeschaltet. Die Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Cornelia Holsten, sagte dem epd in Bremen, sie habe den Präsidenten der "Autorité Luxembourgeoise Indépendante de l'Audiovisuel" (ALIA) offiziell auf den Fall "Pastewka" hingewiesen.

Die achte Staffel der Serie, die von der Kölner Firma Brainpool TV produziert wird, ist seit Ende Januar bei Amazon Prime Video abrufbar. Staffel 1 bis 7 von "Pastewka" liefen beim deutschen Privatsender Sat.1, der die Serie jedoch 2014 absetzte. Hinter den Aktivitäten des US-Internetriesen Amazon in Deutschland stehen verschiedene Gesellschaften, Sitz ist jeweils Luxemburg. Formal zuständig für die Medienaufsicht ist in Europa immer derjenige Mitgliedsstaat, in dem das betroffene Unternehmen seinen Sitz hat, in diesem Fall also Luxemburg.

Als "Pastewka" noch bei Sat.1 lief, waren die Landesmedienanstalten hierzulande für die Aufsicht zuständig. Während in den ersten sieben Staffeln nach Angaben der Medienaufsicht Markenprodukte unkenntlich gemacht wurden, fallen in der neuesten Staffel zahlreiche Marken prominent auf, beispielsweise die Drogeriemarktkette DM, Media Markt, Nivea, Coca-Cola, Haribo, Sony und Dany Sahne.

Die Produktionsfirma Brainpool TV weist die Vorwürfe zurück. "In der Serie gab es keine Produktplatzierung. Vereinzelt werden Produktionshilfen verwendet, bezüglich derer aufgrund ihres unbedeutenden Wertes allerdings keine Kennzeichnungspflichten bestehen", erklärte Sprecherin Katja Plüm auf epd-Anfrage. Die Serie "Pastewka", in der Comedian Bastian Pastewka (45) sich selbst spielt, lebe seit der ersten Staffel davon, die Realität so originalgetreu wie möglich abzubilden. Nach dieser Grundidee würden auch reale Unternehmen und Produkte in die Handlung eingebunden. "Es handelt sich hier nie um werblich extra in Szene gesetzte Marken", sagte Plüm.

DLM-Direktorin Holsten sagte, "besonderen Charme" gewinne der Fall dadurch, dass es sich um eine in Deutschland produzierte Sendung in deutscher Sprache handle, die an den deutschen Markt gerichtet sei. Der Grundsatz der Trennung von Werbung und Programm basiere letztlich auf Vorgaben der europäischen Mediendienste-Richtlinie, gekennzeichnet werden müsse also überall in Europa. "Da sich 'Pastewka' aber in erster Linie an die Zuschauer aus Deutschland richtet, die ihn schon aus sieben Staffeln auf Sat.1 kennen, ist es nur nachvollziehbar, wenn die luxemburgische Aufsicht so ein Format nicht laufend beobachtet", sagte Holsten.

Der Start der achten "Pastewka"-Staffel auf Amazon Prime Video war so erfolgreich, dass der Streaming-Anbieter bereits kurz danach eine weitere Staffel ankündigte, die ab Anfang kommenden Jahres verfügbar sein soll.

Aus epd medien Nr. 7 vom 16. Februar 2018

tz