Inland
ProSiebenSat.1 und Discovery gemeinsam gegen Netflix
RTL und ARD signalisieren Interesse an Mitwirkung bei Plattform
München, Köln (epd). Die Fernsehkonzerne ProSiebenSat.1 und Discovery planen den gemeinsamen Aufbau einer Streaming-Plattform für Deutschland in Konkurrenz zu Diensten wie Amazon Prime Video und Netflix. Das neue Angebot soll die senderübergreifende Mediathek 7TV, das Video-on-Demand-Portal Maxdome und den Eurosport Player integrieren, wie beide Unternehmen am 25. Juni gemeinsam in München mitteilten. Neben einem werbefinanzierten Angebot werde es auch ein werbefreies, kostenpflichtiges Paket sowie Premiumpakete mit Zugang zu exklusiven Sportübertragungen und Filmen geben. Die neue Plattform soll in der ersten Jahreshälfte 2019 starten und in den ersten zwei Jahren zehn Millionen Nutzer gewinnen. Die zuständigen Kartellbehörden müssen dem Vorhaben noch zustimmen.

Der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Group, Max Conze, erklärte, RTL, ARD und ZDF seien eingeladen, sich den gemeinsamen Plänen mit Discovery anzuschließen, um gemeinsam "einen deutschen Champion zu schaffen". Discovery-Chef David Zaslav sprach von einem "spannenden Schritt auf unserem strategischen Weg als weltweit führender Anbieter von Real-Life-Entertainment und internationalen Sportübertragungen hin zu mehr Zuschauern an mehr Bildschirmen".

Ein Sprecher der Mediengruppe RTL Deutschland signalisierte auf epd-Anfrage Interesse: "Grundsätzlich sind wir offen für Kooperationen und Allianzen, wenn sie zu unserem Geschäftsmodell passen und wenn sie rechtlich darstellbar sind." RTL-Group-Chef Bert Habets bekräftigte unterdessen im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ, Ausgabe vom 25. Juni) die Pläne der Unternehmensgruppe für den Ausbau des eigenen Video-on-Demand-Angebots. Der Ausbau erfolge "über alle inhaltlichen Felder hinweg - von Nachrichten bis zu Serien" und werde sich auf Deutschland, Frankreich, die Benelux-Länder, Ungarn und Kroatien konzentrieren. Als Marktführer im europäischen Free-TV wolle die RTL Group in diesen Ländern im On-Demand-Bereich zu den "Top 3" gehören.

In Deutschland hat RTL für seinen hauseigenen On-Demand-Dienst TV Now bereits ein erweitertes Angebot angekündigt. Dieses werde im kommenden Winter starten, sagte Habets. Dazu will das Unternehmen vor allem in lokale Angebote investieren, die laut Habets in allen Programm-Genres produziert werden. Für das Bezahlangebot TV Now Plus zahlen Nutzer derzeit 2,99 Euro im Monat. Es bleibe auch künftig bei einem "deutlich einstelligen Eurobetrag pro Monat", sagte der RTL-Group-Chef.

Auch der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm zeigte sich offen für eine senderübergreifende Streaming-Plattform, wie sie ProSiebenSat.1 und Discovery planen. Derzeit gebe interessante Entwicklungen, die man sich anschauen werde, sagte er nach dem Treffen der ARD-Intendanten am 26. Juni in Berlin. Ein ZDF-Sprecher teilte am 28. Juni auf epd-Anfrage mit, der Sender habe "den Vorschlag zur Kenntnis genommen". Um ihn beurteilen zu können, bedürfe es aber noch konkreterer Details.

Der ARD-Vorsitzende Wilhelm wies darauf hin, dass das Bundeskartellamt vor einigen Jahren die Internetplattform, auf der ARD und ZDF TV-Inhalte zum Abruf anbieten wollten ("Germany's Gold"), nicht genehmigt hatte (epd 38/13). Die Sender wollten damals einheitliche Preise vereinbaren und gemeinsam über Umfang und Dauer der Abrufbarkeit entscheiden. In den Plänen sah das Bundeskartellamt unzulässige Einschränkungen des Wettbewerbs. Auch RTL und ProSiebenSat.1 waren mit der geplanten Plattform "Amazonas" an der Behörde gescheitert (epd 32/12). Die Sender wollten unter anderem die Stream-Werbung gemeinsam koordinieren.

Wilhelm sagte, dies werde berücksichtigt bei den Überlegungen zu pragmatischen Wegen, um zusammen mit Partnern größere Reichweiten zu erzielen. Zugleich stellte er für die ARD klar: "Wir werden auf unterschiedlichen Plattformen, in unterschiedlicher Ausgestaltung mit ganz verschiedenen Partnern arbeiten."

Weitere Inhalte bei 7TV

ProSiebenSat.1 und Discovery Communications bieten ihre gemeinsamen Inhalte seit September 2017 über 7TV an, sowohl über Live-Streams als auch in umfangreichen Mediatheken mit Inhalten von ProSieben, Sat.1, Kabel Eins, Sixx, ProSieben Maxx, Sat.1 Gold, Kabel Eins Doku sowie DMAX, TLC und ausgewählten Inhalten von Eurosport (epd 19/17). Welt, N24 Doku und Sport1 sagten bereits im vergangenen März zu, ihre Inhalte über die Plattform anzubieten. Die Zuschaltung werde "in Kürze" erfolgen, teilten ProSiebenSat.1 und Discovery nun mit.

Der US-Konzern Discovery Communications hat in den vergangenen Jahren wichtige Sportrechte für den deutschen Markt erworben. Dazu zählen die Olympia-Rechte für die Zeit von 2018 bis 2024. Die Discovery-Tochter Eurosport hält zudem seit Sommer 2017 die Live-Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga am Freitagabend sowie für die Relegation und den Super-Cup im Pay-TV.
Aus epd medien Nr. 26 vom 29. Juni 2018

tz/mey