Internationales
Mipcom beleuchtet Wandel in der TV-Branche
13.800 Teilnehmer aus 110 Ländern - China plant mehr Kooperationen
Cannes (epd). Die internationale Fernsehprogramm-Messe Mipcom stand dieses Jahr im Zeichen des "Big Shifts", des "Großen Wandels" in der TV-Branche. "Wir haben traditionelle Fernsehunternehmen, die sich im Bereich des Subscription-Video-on-Demand bewegen, und Online-Plattformen gehen in die Produktion", analysierte Laurine Garaude, die Fernsehdirektorin des Messebetreibers Reed Midem, in Cannes. "Jeder versucht, große Geschichten zu schaffen und Topstars anzuziehen."

Vom 15. bis 18. Oktober nahmen rund 13.800 Teilnehmer aus über 110 Ländern an der 34. Mipcom an der Côte d'Azur teil, erneut ein leichter Rückgang um 100 Personen gegenüber dem Vorjahr. Davon waren insgesamt 4.800 Einkäufer (unverändert gegenüber dem Vorjahr). An der Spitze bei den Delegierten der Top-10-Fernsehländer lagen in diesem Jahr erneut die USA vor Großbritannien. Auf den nächsten drei Plätzen folgten dann wie im vergangenen Jahr Frankreich, Deutschland und Kanada. Dahinter gab es weitere Veränderungen: So belegte China, das in diesem Herbst "Country of Honour" war, den Rang acht.

China entsandte in diesem Jahr die bisher größte Delegation mit 156 Unternehmen und über 400 Delegierten nach Cannes. Sie stand unter der Leitung des für Fernsehen zuständigen Vizeministers für Nationalen Rundfunk (NRTA), Fan Weiping. Er erklärte zur Mipcom-Eröffnung: "Während der vergangenen 15 Jahre ist Chinas Film- und Fernseh-Kulturindustrie mit der schnellen Entwicklung der Wirtschaft und Gesellschaft Chinas zunehmend erfolgreich geworden. Die internationalen Kommunikationen und die Zusammenarbeit sind bemerkenswert aktiv." China wolle eine neue Dynamik in der internationalen Entwicklung der audiovisuellen Industrie anregen.

China sei mit mehr als 2.000 Fernsehkanälen und 1,3 Milliarden Fernsehzuschauern der zweitgrößte Fernsehmarkt auf der Welt nach den USA, sagte Fernsehdirektorin Garaude. Nach einem Marktbericht gab China im vergangenen Jahr 10,9 Milliarden US-Dollar für Fernsehprogramme aus. Davon entfielen 6,4 Milliarden auf die traditionellen Fernsehsender und 4,5 Milliarden auf die Online-Unternehmen Baidu, Alibaba und Tencent für ihre Unterhaltungsplattformen. In Cannes unterzeichneten die BBC und Tencent eine Koproduktionsvereinbarung über die Naturgeschichte-Serie "Dynasties".

Zu den in Cannes gezeigten exklusiven dramatischen Produktionen mit Topstars gehörten der BBC-Thriller "MotherFatherSon" mit Richard Gere, die CBS-Produktion "Escape at Dannemora" mit Ben Stiller und "Les Miserables" (BBC) mit Dominic West und David Oyelowo. Die deutsche Beta Film präsentierte in Cannes die internationalen Spitzen-Serienproduktionen "Trigger" von Sreda für den russischen Perwyj Kanal, "The Pier" von Movistar Plus/Atresmedia Spanien und "Medici: The Magnificent" von Lux Vide/Rai/Altice Italien mit Sean Bean und Daniel Sharman.

Bekanntgegeben wurde, dass ZDF Enterprises und Fuji Television Network Japan die dramatische Koproduktion "The Window" vereinbart haben. "Die Schlümpfe" werden als Koproduktion von Kika, TF1 Frankreich, RTBF und Ketnet/VRT Belgien neu verfilmt. Das ZDF teilte mit, dass es sich an der dänischen Krimiserie "The Sommerdahl Murders" von TV 2 beteiligt.

Auszeichnung für Produzentin Issa Rae

Als "Personality of the Year" wurde am 17. Oktober von Reed Midem die 33-jährige afroamerikanische US-Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin Issa Rae ausgezeichnet. Sie wurde durch die Youtube-Serie "Awkward Black Girl" und die HBO-Serie "Insecure" bekannt.

Die Kinderprogramm-Vormesse MIP Junior am 13. und 14. Oktober stellte ihren Vorjahresrekord ein. An ihr beteiligten sich 1.600 Teilnehmer, darunter 660 Einkäufer. Besonders stark nachgefragt wurden bei den Screenings erneut Animationen. Sie machten 29 der 30 am meisten nachgefragten Programme aus. Darunter befanden sich elf aus Frankreich, sieben aus Großbritannien, je drei aus Kanada und den USA und zwei aus Italien. Einziges deutsches Programm unter den Top 30 war die Kika-Serie "Animanimals" von Julia Ocker des Stuttgarter Studio Film Bilder auf Platz 23. Am meisten nachgefragt von allen Programmen war die Serie "Gigantosaurus" (Cybergroup Studios) aus Frankreich vor "44 Cats" (Rainbow) aus Italien, "Bluey" (BBC Studios) aus Großbritannien und "Alice und Lewis" (Blue Spirit Productions) aus Frankreich.

In Cannes wurden auch die Nominierungen für die Kids Emmy Awards von der International Academy of Television in sieben Kategorien bekanntgegeben, die im April 2019 auf der MIP TV in Cannes vergeben werden. Insgesamt nominiert wurden 28 Produktionen aus 13 Ländern. Sieben Nominierungen gab es für Produktionen aus Großbritannien und je drei für Deutschland, Norwegen und Brasilien. Aus Deutschland wurden nominiert in der Kategorie Kids Preschool "Die Sendung mit dem Elefanten: Planet Willi" (Trickstudio Lutterbeck/WDR), in der Kategorie Kids Series "Die Pfefferkörner" (Letterbox Filmproduktion/NDR/ARD) und in der Kategorie Kids TV Movie/Mini-Series "Dschermeni" (Tellux Film/Sad Origami Production/ZDF).

Aus epd medien Nr. 43 vom 26. Oktober 2018

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