Internationales
Medienkonzern Altice will Schulden verringern
Partner für Sendemasten-Betrieb in Frankreich und Portugal gefunden
Amsterdam/Paris (epd). Das an der Amsterdamer Börse registrierte Medien- und Telekommunikationsunternehmen Altice Europe holt in Frankreich und Portugal Partner ins Boot, um seine Schulden zu verringern. Wie am 20. Juni in Amsterdam mitgeteilt wurde, schloss die Tochtergesellschaft Altice France eine Vereinbarung mit der Investitionsgesellschaft KKR. Diese sieht vor, dass KKR einen Anteil von 49,99 Prozent der Aktien an der neu zu schaffenden Gesellschaft SFR Towercom übernimmt, die mehr als 10.000 Sendemasten von SFR in Frankreich managen soll. Die Transaktion bewertete SFR Towercom insgesamt mit 3,6 Milliarden Euro.

Gleichzeitig wurde mitgeteilt, dass die Altice-Tochtergesellschaft PT Portugal eine Vereinbarung mit einem Konsortium der Investitionsgesellschaften Morgan Stanley Infrastructure Partners und Horizon Equity Partners traf. Diese sieht vor, dass das Konsortium 75 Prozent der Aktien an der neu zu schaffenden Gesellschaft Towers of Portugal übernimmt, die die knapp 3.000 Sendemasten von Altice Portugal managen soll. Die Transaktion bewertete Towers of Portugal insgesamt mit 860 Millionen Euro.

Durch die beiden Deals will Altice seine Schulden, die zum Jahresende 2017 bei knapp 50 Milliarden Euro lagen, um insgesamt 2,5 Milliarden Euro verringern. Die Verträge mit den Investoren haben eine Laufzeit von 20 Jahren. Der Altice-Gründer und Hauptaktionär Patrick Drahi erklärte: "Ich bin enthusiastisch über die Schaffung neuer Partnerschaften bei Sendemasten in Frankreich und Portugal. Mit KKR, Morgan Stanley Infrastructure Partners und Horizon Equity Partners haben wir langfristige Partner höchster Qualität gefunden, die unsere Vision teilen, in führende Infrastrukturen und Wachstumsmöglichkeiten zu investieren".

Der heute 54-jährige Drahi erwarb Ende der 90er Jahre für den US-Kabelbetreiber UPC Kabelnetze in Frankreich. Für seinen UPC-Aktienanteil gründete er 2001 mit Freunden seine eigene Investitionsgesellschaft Altice. Mit ihr und zwei weiteren Finanzinvestoren kaufte er innerhalb von vier Jahren führende französische Kabelnetzbetreiber wie Numericable, Noos, France Télécom Cable, TDF Cable und UPC France. Unter dem Namen Numericable integrierte er dann die unterschiedlichen Firmen und kontrollierte bereits 2007 fast 100 Prozent des Marktes der französischen Kabelnetzbetreiber. 2014 erwarb Altice den zweitgrößten Telekommunikationsbetreiber SFR für 13,5 Milliarden Euro von Vivendi und fusionierte ihn mit Numericable zu SFR Telecom (epd 17/14).

2015 beteiligte sich Altice zudem mit 49 Prozent am französischen Medienunternehmen NextRadioTV von Alain Weill, das Fernseh- und Radiosender betreibt. 2016 wurde NextRadioTV als SFR Radio TV mit weiteren Medien wie der "L'Express"-Zeitschriftengruppe und der Tageszeitung "Libération" (epd 4/15) zur SFR-Mediengruppe zusammengefasst.

Neben Frankreich ist Portugal der wichtigste Markt in Europa für Altice. PT Portugal, die frühere Portugal Telecom, wurde 2015 für 7,4 Milliarden Euro von der brasilianischen Oi-Gruppe übernommen. Die im Juli 2017 angekündigte Übernahme der kommerziellen portugiesischen Rundfunkgruppe Media Capital von der spanischen Prisa-Gruppe (epd 32/17) scheiterte jedoch kürzlich. Nachdem die portugiesische Wettbewerbsbehörde Ende Mai 2018 ein Paket von Marktmitteln von Altice zur Absicherung der Übernahme abgelehnt hatte, sagte Altice Mitte Juni den Deal ab.

Im Jahr 2017 erzielte Altice einen Umsatz von 23,4 Milliarden Euro (2016: 23,5 Milliarden Euro) und ein Vorsteuerergebnis von 9,4 Milliarden Euro (2016: 8,9 Milliarden Euro). Vom Umsatz entfielen im vergangenen Jahr 10,9 Milliarden Euro auf Frankreich, 8,3 Milliarden auf die USA, 2,2 Milliarden auf Portugal und 1,0 Milliarden Euro auf Israel. Altice gehört damit zu den zehn größten Medienunternehmen der Welt (epd 45/17, 3/18).

Im Dezember 2017 betrugen die Nettoschulden von Altice insgesamt 49,1 Milliarden Euro. Davon entfielen 29,9 Milliarden Euro auf Altice Europe und 17,3 Milliarden Euro auf Altice USA. Im Januar 2018 wurde eine Trennung von Altice in Altice Europe und Altice USA angekündigt, die im Juni umgesetzt wurde. Vorstandsvorsitzender von Altice Europe wurde der Franzose Alain Weill, der gleichzeitig auch Altice France führt. Vorstandsvorsitzender von Altice USA ist der US-Amerikaner Dexter Goei. Altice-Gründer Patrick Drahi ist Präsident beider Unternehmen.
Aus epd medien Nr. 26 vom 29. Juni 2018

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