Inland
Mediengruppe Frankfurt: Mitarbeiter fordern Transparenz
Verleger Ippen: "Verantwortliche kennen das Unternehmen noch gar nicht"
Frankfurt a.M. (epd). Die Beschäftigten der bisher zum FAZ-Konzern gehörenden Mediengruppe Frankfurt verlangen von der Ippen-Gruppe nähere Informationen zur Übernahme. Sie fordern "die neuen Eigentümer auf, die Konditionen zum Kauf der Unternehmen transparent darzustellen" und "ihre Pläne für die erworbenen Firmen darzulegen", heißt es in einer Erklärung der Beschäftigtenversammlung vom 10. März zum Verkauf an die Zeitungsholding Hessen (ZHH), wie die Gewerkschaft ver.di in Frankfurt am Main mitteilte.

"Insbesondere benötigen wir und die von uns gewählten Betriebsräte Informationen über die Laufzeit der Druck-Verträge mit der FAZ und anderen Verlagen", erklärten die Beschäftigten. Die Belegschaft setze sich für die Sicherung aller Arbeitsplätze im Unternehmen ein. "Kündigungen müssen ausgeschlossen sein. Für die älteren Kolleginnen und Kollegen fordern wir eine tarifliche Regelung zur Altersteilzeit." Bestehende Tarifbindungen und Betriebsvereinbarungen seien einzuhalten, tariflose Gesellschaften sollen nach Forderung der Beschäftigtenversammlung "so bald wie möglich in eine Tarifbindung überführt werden". In der Erklärung wird außerdem darauf hingewiesen, dass bestehende Verträge ihre Gültigkeit behalten. "Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten also auf keinen Fall neue Arbeitsverträge unterschreiben", heißt es.

An der von ver.di organisierten Versammlung nahmen unter anderem Beschäftigte der Frankfurter Societäts-Druckerei, der "Frankfurter Neuen Presse" (FNP), der "Frankfurter Rundschau" (FR) und der RheinMainMedia GmbH teil.

Der Münchener Verleger Dirk Ippen hatte sich mit der Fazit-Stiftung, die auch die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) herausgibt, Anfang Februar auf den Kauf der FR und der FNP geeinigt (epd 7/18). Das Bundeskartellamt stimmte dem Deal Anfang März zu (epd 10/18). FR und FNP können damit von der Zeitungsholding Hessen (ZHH) übernommen werden, deren Eigentümerin mehrheitlich die Ippen-Mediengruppe ist. Die Fazit-Stiftung hatte mitgeteilt, sie strebe den Vollzug zum 1. April an.

Ippen sagte dem epd, die in Frankfurt Verantwortlichen würden das Unternehmen noch gar nicht kennen und könnten deswegen noch keine Aussage treffen. Wenn es so weit sei, "würden sie sicher in erster Linie zunächst mit den Mitarbeitern sprechen und nicht mit Außenstehenden". Der Verleger betonte, er selber sei "überhaupt nur höchst mittelbar involviert" und weder informiert noch überhaupt berechtigt, etwas zu verlautbaren. "Im 78. Lebensjahr bin ich Rentner und in keiner Weise in die Geschäftsführung dieser Firmen eingebunden. Ich lebe auch nicht vor Ort, kenne die Verhältnisse gar nicht", sagte Ippen.

Die FAZ und ihr Schwesterverlag Frankfurter Societät hatten die FR Anfang 2013 vom Kölner DuMont-Konzern übernommen. Das Blatt hatte zuvor Insolvenz angemeldet. Die Societät, die später in Mediengruppe Frankfurt umbenannt wurde, hielt seitdem 55 Prozent an der FR, 35 Prozent lagen bei der FAZ. Von den zuletzt etwa 100 festangestellten FR-Redakteuren war die Hälfte untertariflich bei einer Tochtergesellschaft beschäftigt. Zehn Prozent an der FR behält die Karl-Gerold-Stiftung, die bis 2004 Alleineigentümerin des Blattes war. Im Kaufpaket für Ippen enthalten sind neben der FR, der FNP und RheinMain.Media auch das Anzeigenblatt "Mix am Mittwoch", die Digitalagentur Rhein-Main.Net und die Frankfurter Societäts-Druckerei.

Aus epd medien Nr. 11 vom 16. März 2018

tz