Inland
Media Broadcast trennt sich von UKW-Netz
Ehemaliger Monopolist verkauft Infrastruktur - Netzagentur untersagt neue Entgelte
Köln/Bonn (epd). Der Sendernetzbetreiber Media Broadcast trennt sich von seiner UKW-Sparte. Das Unternehmen werde bis Ende Juni 2018 seine analogen UKW-Antennen und -Sender verkaufen, wie es am 15. Februar in Köln mitteilte. Media Broadcast streitet sich schon länger mit der Bundesnetzagentur über die Höhe der Preise, die das Unternehmen für den UKW-Betrieb verlangen darf. Die Regulierungsbehörde hatte dem Unternehmen am 14. Februar vorläufig untersagt, bei einigen Radioveranstaltern neue Entgelte für die UKW-Übertragung einzuführen.

Den bisherigen Ermittlungen zufolge verstießen 14 von insgesamt 102 verschiedenen Entgelten gegen das Verbot eines Preishöhenmissbrauchs, teilte die Bundesnetzagentur mit. Damit steht der Vorwurf überteuerter Preise zulasten der betroffenen Programmveranstalter im Raum. Weitere 40 Entgelte beeinträchtigen laut Bundesnetzagentur die Wettbewerbsmöglichkeiten anderer Anbieter von UKW-Übertragungsleistungen, weil sie gegen das Verbot von Preis-Kosten-Scheren verstießen. In diesen Fällen wirft die Bundesnetzagentur dem Unternehmen also Dumpingpreise zum Nachteil der Wettbewerber vor. Media Broadcast sei an einer Preisstabilität im Markt gelegen, sagte ein Unternehmenssprecher dem epd. Das drücke sich in den gegenüber der Bundesnetzagentur angezeigten gleichbleibenden Entgelten für Radioveranstalter aus.

Bei dem vorläufigen Verbot geht es um die Entgelte, die Media Broadcast ab dem 1. April von Hörfunkveranstaltern für die Ausstrahlung von UKW-Programmen verlangen wollte. Media Broadcast hatte die neuen Preise aufgrund einer Regulierungsvorgabe bei der Bundesnetzagentur angezeigt. Die vorläufige Untersagung der Entgelte bleibe bis zu einer Entscheidung im nachträglichen Kontrollverfahren in Kraft, wie die Bundesnetzagentur mitteilte.

Seit Ende 2014 werden die UKW-Märkte von der Bundesnetzagentur eng reguliert. Die Preise, die Media Broadcast und andere Sendernetzbetreiber für die Übertragung analoger UKW-Hörfunksignale und für die UKW-Antennenmitbenutzung erheben, müssen von der Behörde genehmigt werden. Im vergangenen Jahr hatte die Bundesnetzagentur Entgelte festgelegt, die um rund 15 Prozent niedriger waren als in der davorliegenden Periode. Media Broadcast war dagegen gerichtlich vorgegangen, im vergangenen August mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Köln jedoch gescheitert (epd 36/16). Das Unternehmen leitete daraufhin ein Hauptsacheverfahren ein, zu dessen aktuellem Stand der Unternehmenssprecher keine Angaben machen wollte.

Nach der 2012 in Kraft getretenen Novelle des Telekommunikationsgesetzes können sich Radiosender, nachdem sie von einer Landesmedienanstalt lizenziert wurden, selbst für einen Sendernetzbetreiber zur Übertragung ihrer Programme entscheiden (epd 44/11). Zuvor mussten die Sender einen von der Bundesnetzagentur vorgegebenen Betreiber beauftragen. Seit Anfang 2016 können Radios zudem ihre bestehende Zuteilung widerrufen und ihr Programm über einen anderen Sendernetzbetreiber verbreiten lassen. Das langjährige Monopol der früheren Telekom-Tochter Media Broadcast wurde damit aufgebrochen. Bei der UKW-Infrastruktur konkurriert Media Broadcast seitdem unter anderem mit den Unternehmen Divicon Media, Uplink Network und Sendernetzbetrieb Baden-Württemberg (SBW), einem Gemeinschaftsunternehmen mehrerer regionaler Privatradios (epd 19/15).

Von dem nun angekündigten Verkauf des UKW-Netzes sind nach Unternehmensangaben rund 1.000 Antennen, 1.500 Sender und etwa 150 Programmveranstalter betroffen. In den kommenden Wochen werde Media Broadcast mit allen Nutzern der Antennen und Sender sprechen, die an einer Übernahme interessiert seien, hieß es. In einem zweiten Schritt soll der restliche Teil des Netzes versteigert werden. Ein reibungsloser Übergang ohne Störungen im Sendernetzbetrieb habe höchste Priorität.

Mit der Trennung von seinem UKW-Netz wolle sich Media Broadcast auf digitale Wachstumsfelder und Serviceleistungen konzentrieren, teilte das Unternehmen weiter mit. "Hierzu gehören insbesondere die Wachstumsfelder DVB-T2 HD und DABplus als digitale Technologien zur TV- und Radio-Verbreitung", sagte CEO Wolfgang Breuer. Mit Freenet TV betreibt Media Broadcast unter anderem die neue kostenpflichtige Plattform zur Verbreitung der privaten Fernsehsender in DVB-T2 (epd 35/16).

Media Broadcast will sich jedoch nicht komplett aus dem UKW-Bereich zurückziehen, sondern auch nach dem Verkauf Dienstleistungen in Bereichen wie Sendertechnik und Antennenwartung anbieten. Das in Köln ansässige Unternehmen wurde im März 2016 von dem Telekommunikationskonzern Freenet übernommen. Zuvor gehörte die frühere Telekom-Tochter acht Jahre lang zur französischen TDF-Gruppe.
Aus epd medien Nr. 7 vom 17. Februar 2017

dsp