Inland
Madsack und DuMont gründen gemeinsame Hauptstadtredaktion
Gewerkschaften und DuMont-Betriebsrat protestieren gegen erwarteten Stellenabbau
Hannover/Köln (epd). Die Madsack Mediengruppe und DuMont gründen in Berlin eine gemeinsame Hauptstadtredaktion. Sie soll für alle journalistischen Inhalte der beiden Medienhäuser aus Politik und Wirtschaft zuständig sein, wie die Unternehmen am 23. Mai in Hannover und Köln gemeinsam mitteilten. An der neuen RND Berlin GmbH sind das zu Madsack gehörende "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND) zu 75 Prozent und DuMont zu 25 Prozent beteiligt. Angesichts des in diesem Rahmen zu erwartenden Stellenabbaus zeigten sich Gewerkschaften, Journalistenverbände und der DuMont-Betriebsrat in Berlin "entsetzt".

Sechs Titel von DuMont werden den Verlagsangaben zufolge mit der Kooperation zudem Partner im "RedaktionsNetzwerk Deutschland", das dann täglich bis zu 6,8 Millionen Leser von über 50 Tageszeitungen erreichen wird. Die tägliche Gesamtauflage aller Titel beträgt 2,3 Millionen Exemplare.

Die publizistische Relevanz des "RedaktionsNetzwerks Deutschland" nehme durch die Partnerschaft nochmals deutlich zu, sagte Thomas Düffert, Vorsitzender der Madsack-Konzerngeschäftsführung. "Mehr denn je bin ich von der Stärke regionaler Tageszeitungen im Verbund überzeugt." Christian DuMont Schütte, Aufsichtsratsvorsitzender von DuMont und Herausgeber, erklärte, mit hohem Qualitätsanspruch und bemerkenswerter Reichweite sei das journalistische Netzwerk "in Zeiten politisch wie gesellschaftlich großer Herausforderungen ein klares publizistisches Signal". So würden noch intensivere Recherche und hervorragende Berichterstattung sichergestellt.

Die RND Berlin GmbH wird ihren Sitz im bisherigen Hauptstadtbüro des "RedaktionsNetzwerks Deutschland" im Gebäude der Bundespressekonferenz haben. Geschäftsführer werden die RND-Chefs Wolfgang Büchner und Uwe Dulias. Büroleiter in Berlin bleibt der aktuelle RND-Büroleiter Gordon Repinski.

Nach Angaben der Journalistengewerkschaften und des DuMont-Betriebrats bedeutet die gemeinsame Hauptstadtredaktion das "abrupte Aus" für mindestens sieben DuMont-Beschäftigte. Während alle bisherigen acht Madsack-Stellen im neuen RND Berlin gesichert seien, fielen alle 17 Stellen in der bisherigen DuMont-Hauptstadtredaktion weg. Die DuMont-Kollegen sollten sich nach betriebsbedingten Kündigungen auf die zehn neu geschaffenen Stellen in der gemeinsamen Hauptstadtredaktion bewerben, erklärten Gewerkschaften und Betriebsrat. "Schon rein rechnerisch ist das ein brutaler Abbau."

Die Vertreter der Beschäftigten forderten DuMont auf, der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gerecht zu werden und sicherzustellen, dass die zehn zusätzlichen Stellen bei RND Berlin allesamt von DuMont-Mitarbeitern besetzt werden. Den übrigen Beschäftigten seien faire Angebote zur Weiterbeschäftigung zu unterbreiten, vorzugsweise in Berlin. Der Betriebsrat will mit DuMont über einen Sozialplan verhandeln. Dies war von der Arbeitgeberseite bereits angeboten worden.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) befürchtet nach der Ankündigung der Bündelung der überregionalen Berichterstattung Madsack und DuMont zudem den Verlust von Meinungsvielfalt und Arbeitsplätzen im Zeitungsjournalismus. "Wer auf sinkende Auflagen mit der Einschränkung journalistischer Vielfalt reagiert, ist auf dem falschen Weg", kritisierte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Frank Werneke. "Die betroffenen Redaktionen können sich unserer Unterstützung bewusst sein, und auf keinen Fall darf es zu Entlassungen von Redakteurinnen und Redakteuren kommen."

"Paukenschlag gegen die Vielfalt"

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) in Nordrhein-Westfalen sprach von einem "Paukenschlag gegen die Vielfalt". Den Lesern werde eine Medienkonzentration als Ausbau journalistischer Kompetenz verkauft, "tatsächlich wird aber der Blick zweier Medienhäuser auf Themen eindimensionaler", sagte der Landesvorsitzende Frank Stach.

Vom 1. Oktober an erhalten den Unternehmen zufolge die DuMont-Zeitungstitel "Berliner Zeitung", "Kölner Stadt-Anzeiger", "Mitteldeutsche Zeitung" sowie der "Express", "Hamburger Morgenpost" und "Berliner Kurier" überregionale Inhalte aus den Bereichen Politik und Wirtschaft des RND. Die Produktion der Seiten soll am Madsack-Standort in Hannover erfolgen. Die Zusammenarbeit stehe noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt, hieß es.

Zur Madsack Mediengruppe zählen 15 Zeitungstitel und das "RedaktionsNetzwerk Deutschland", das seit 2013 als Zentralredaktion in Hannover besteht (epd 46/13), sowie Digital-Angebote und Anzeigenblätter. Zu DuMont gehören die drei strategischen Geschäftsfelder Regionalmedien, Business Information und Marketing Technology sowie der DuMont Buchverlag (vgl. weitere Meldung in dieser Ausgabe). DuMont hatte bereits 2010 zentrale Redaktionsbereiche in eine in Berlin ansässige Gesellschaft ausgelagert (epd 32/10). Neben den sechs bereits erwähnten Zeitungstiteln und der "Kölnischen Rundschau" zählen lokale Anzeigenblätter sowie Radio- und TV-Medien zum Portfolio.

Aus epd medien Nr. 21 vom 25. Mai 2018

rks/rid