Inland
Ippen-Gruppe plant zentrale Online-Redaktion für Hessen
Gießener Verleger Rempel will "deutlich stärkere Spezialisierung"
Frankfurt a.M. (epd). Die Ippen-Mediengruppe will in Frankfurt eine neue zentrale Online-Redaktion für ihre hessischen Verlage schaffen. Für das "gegenwärtig wichtigste Zukunftsprojekt" der Gruppe solle ein Team mit mehr als 30 Mitarbeitern aufgebaut werden, das zu den größten Online-Redaktionen in Hessen zählen werde, sagte der Gießener Verleger und Chefredakteur des "Frankfurter Neuen Presse" (FNP), Max Rempel, dem epd. Die neue Zentralredaktion, der Online-Redakteure, Portalmanager sowie IT-Spezialisten angehören sollen, wird am 1. März 2019 starten.

Das Modell von Ippen Digital in München solle auf Hessen übertragen werden, schrieb der FNP-Chefredakteur und Miteigentümer Rempel in einer internen Mail an die Beschäftigten, die dem epd vorliegt. Das dortige Chefredakteursduo Markus Knall und Thomas Kaspar werde den Aufbau der "zentralen Digitalkompetenzen" in Frankfurt unterstützen.

Die hessische Zentralredaktion ermögliche "eine deutlich stärkere Spezialisierung und hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Onlineredakteure", sagte Rempel dem epd. Schon heute gehöre man mit 133 Millionen Visits im Monat zu den führenden Vermarktern unter den digitalen Zeitungen in Deutschland. Doch seien Schicht- und Wochenenddienste sowie besondere Fähigkeiten und Kompetenzen, wie sie etwa Suchmaschinenoptimierung und Markenführung erforderten, von kleinen Teams nicht leistbar.

Wie Rempel betonte, sollen die verschiedenen Portale der Ippen-Mediengruppe in Hessen - darunter "hna.de", "fr.de", "fnp.de" und "extratipp.com" - als eigenständige Marken weiterbetrieben und entwickelt werden. "Die ,Frankfurter Rundschau' möchten wir zu einer noch stärkeren linksliberalen Stimme in Deutschland ausbauen", sagte er. Hierfür werde gegenwärtig die bestehende "FR+"-App der "Frankfurter Rundschau" (FR) überarbeitet, die in Kürze für iPad und Android zur Verfügung stehen werde.

Die aktuellen Mitarbeiter der Zeitungen sollen sich für einen Job in der neuen Digitalredaktion bewerben können. Zu der Frage, ob die Mitarbeiter der bestehenden Onlineredaktionen eine Kündigung erhalten, äußerte sich Rempel nicht.

Zum Verbund des Münchner Verlegers Dirk Ippen gehören in Hessen neben FNP und FR auch weitere Publikationen der Mediengruppe Frankfurt. Die Gruppe wurde am 1. April durch die Zeitungsholding Hessen (ZHH) von der Fazit-Stiftung übernommen (epd 7, 10, 11/18). Das Bundeskartellamt hatte zuvor den Kauf der beiden Blätter durch die Zeitungsholding gebilligt, deren Gesellschafter Ippen und die Verlegerfamilie Rempel sind. Weitere Publikationen, die unter dem Dach der Holding erscheinen, sind unter anderem die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" in Kassel und die "Gießener Allgemeine Zeitung".

Synergien zwischen FR und FNP

Der Geschäftsführer der ZHH, Daniel Schöningh, hatte im April angekündigt, FR und FNP als eigenständige Titel weiterzuführen. Der Verlag habe nicht vor, eine gemeinsame Mantelredaktion für alle Regionalzeitungen einzurichten. Ohne Zusammenarbeit auch im redaktionellen Bereich gehe es allerdings nicht (epd 16/18).

Seit der Übernahme durch die ZHH werden in größerem Umfang Synergien zwischen FR, FNP und anderen Ippen-Blättern genutzt. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Ausgabe vom 29. November) bedient sich die FNP bei den Leitartikeln aus einem Pool der Ippen-Gruppe. Regional sei im ersten Schritt die Sportberichterstattung von FR, FNP und "Offenbach-Post" so zusammengelegt worden, dass jeweils ein Titel für bestimmte Sportarten zuständig ist und mit den entsprechenden Berichten auch die anderen Blätter beliefert.

Die redaktionelle Zusammenarbeit sei auch auf Frankfurter Lokalthemen übertragen worden, berichtete die FAZ. So biete die FR der FNP täglich fünf bis sieben größere Stücke zur optionalen Verwendung an. Ausgenommen seien politische Themen, damit die unterschiedlichen Profile der Zeitungen gewahrt werden könnten. Beim Einsatz von freien Mitarbeitern und Austrägern werde stark gespart, hieß es in dem Bericht.

Sparen will die ZHH auch bei der Frankfurter Societäts-Druckerei, die im April gemeinsam mit FR und FNP übernommen wurde. Der Geschäftsführer der Druckerei, Volker Hotop, bestätigte dem epd auf Anfrage einen Personalabbau in der Größenordnung von 100 Stellen. "Auslöser ist die massive Veränderung der Tageszeitungsbranche durch die Digitalisierung und die damit einhergehenden Veränderung der Mediennutzung und der Lesegewohnheiten", sagte Hotop am 4. Dezember. Hieraus ergebe sich ein "gravierender Anpassungsbedarf", da die aktuelle Personalzahl einen Auflagenstand von vor zwei Jahren abbilde. Ein weiterer Grund liege im Tarifwerk der Druckindustrie, das im Vergleich zu anderen Branchen nach wie vor mit hohen Löhnen und Zuschlägen ausgestattet sei.

Weiterer gravierender Grund sei der Verlust der Aufträge des Axel-Springer-Verlags, die für die Druckerei ein großes Volumen hatten, so Hotop. Der Verlag habe sich trotz Preiszugeständnissen nicht für eine Verlängerung entscheiden können, weshalb die Aufträge wohl wesentlich an die Druckerei der türkischen Dogan-Gruppe in Mörfelden verlagert würden. Im Frühjahr hatte Dogan seine Mediengeschäfte an die regierungsnahe Demirören-Gruppe verkauft (epd 14, 20/18).

Die Gewerkschaft ver.di bezeichnete das Ausmaß des geplanten Personalabbaus als völlig überzogen. "Wir gehen davon aus, dass der Verlust der Springer-Aufträge dafür genutzt werden soll, bisher tariflich bezahlte Arbeitsplätze durch schlecht bezahlte oder durch billigere Werkvertragskonstruktionen zu ersetzen", sagte Manfred Moos von ver.di Hessen. Seit der Druckauftrag 2013 von der insolventen FR-Druckerei übernommen worden sei, habe es nur wenige Neueinstellungen gegeben. Für den 6. Dezember war in Gießen ein gewerkschaftlicher Aktionstag gegen die Entlassungen bei der Societäts-Druckerei geplant.
Aus epd medien Nr. 49 vom 7. Dezember 2018

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