Kritik
Grobschlächtig
VOR-SICHT: "Dennstein & Schwarz", Fernsehfilm, Regie: Michael Rowitz, Buch: Konstanze Breitebner, Kamera: Andrés Marder, Produktion: Film 27 Multimedia (ARD/ORF/Degeto, 25.5.18, 20.15-21.45 Uhr)
Frankfurt a.M. (epd). Eine Anwaltskomödie - Verzeihung: eine Anwältinnenkomödie. Das Duo Dennstein & Schwarz in dieser deutsch-österreichischen Produktion aus der Steiermark ist nämlich weiblich: Dennstein heißt mit Vornamen Paula und wird gespielt von der großartigen Maria Happel. Ihre Kontrahentin Theresa Schwarz wird von Martina Ebm gespielt, die als Caroline Melzer aus der leiwanden Serie "Die Vorstadtweiber" noch in guter Erinnerung ist. Aber auch diese beiden Schauspielerinnen stehen auf verlorenem Posten in der Komödie um einen Erbschaftsstreit. Denn was die Drehbuchautorin Konstanze Breitebner im Presseheft über ihre Figuren sagt: "Frauen als Anwältinnen gehen einfach ein bisserl raffinierter, sensibler und einfühlsamer an die Sache heran", bleibt reine Behauptung. Raffinesse, Sensibilität oder gar Komik sind weder im Agieren der Anwältinnen noch in dieser stillosen, grobschlächtigen Komödie zu entdecken - auch nicht ein "bisserl".

Es geht um einen Erbschaftsstreit: Der alte Graf Dennstein ist gestorben. Er hinterlässt nicht nur Ländereien und ein Vermögen von 35 Millionen, sondern auch einen unehelichen Sohn, den Biobauern Fritz Lanner (Robert Finster), von dessen Existenz niemand in der Familie wusste, der nun aber, als plötzlich aufgetauchter Halbbruder des Grafensohns Felix (Johannes Krisch), ein Drittel des Gesamtvermögens erben soll. Das muss unbedingt verhindert werden. Deshalb wird Paula, Ehefrau von Felix und Anwältin der Familie, von der Witwe Alexandra Dennstein (Krista Stadler) beauftragt, den "Bastard" mit einer Million abzufinden, damit er auf das ihm zustehende Drittel der Erbschaft verzichtet. Fritz könnte das Geld für seinen Biobauernhof zwar gut gebrauchen, zumal seine Frau Laura (Maddalena Hirschal) ein Kind erwartet, will sich aber zuvor mit seiner Anwältin Theresa Schwarz beraten. Die wiederum arbeitet in der Kanzlei des Anwalts Xaver Biron (Wolfram Berger) und hat sich den Erbschaftsfall bereits unter den Nagel gerissen. Denn sie und der Biobauer sind, um die Komplikationen zu steigern, früher mal ein Liebespaar gewesen, was im Fortgang der Geschichte noch zu Intrigen der alten Gräfin führt.

Bald gibt es ein unübersichtliches Durcheinander aus Streitereien um das Testament, Verweigerung der Unterschrift, Anfechtung des Testaments vor Gericht und kindischen Aktionen wie das nächtliche Absägen einer Fichte, was der Biobauer untersagt mit der Begründung: "Davon gehört mir ein Drittel" - weshalb ihm dann Teile des abgesägten Stamms auf den Hof geworfen werden. Rein zufällig findet Fritz auch die Liebesbriefe vom alten Dennstein, die nicht nur beweisen, dass es sich um eine Liebesbeziehung gehandelt hat, sondern auch, dass die Mutter von Fritz kein "Flitscherl" war. Und nach etwa 40 Minuten erfahren die Zuschauer das Ergebnis des Gentests, den Theresa heimlich in die Wege leitete, indem sie Fritz hinterrücks ein Büschel Haare ausgerissen hat und beim zufälligen Treffen mit Felix Dennstein in einer Bar dessen Whisky-Glas entwendete. Aber wie großäugig ratlos muss sie auf das Ergebnis blicken: "Zu 98 Prozent keine Übereinstimmung."

Das muss natürlich erst einmal verschwiegen werden. Obwohl man als Zuschauer, gestählt durch zahllose Filme über Familiengeheimnisse, sofort weiß, dass mit der biologischen Herkunft von Felix Dennstein etwas nicht stimmen kann. Schließlich wird der bäuerliche "Bastard" so sympathisch dargestellt, sogar die Liebesbriefe hat er schon gefunden. Und Felix ist ohnehin ein besonders übler Typ. Nicht nur, dass er stockbetrunken Auto fährt, mit dem Büstenhalter einer gewissen Valerie auf dem Rücksitz - er behandelt auch seine Frau Paula derart ekelhaft, dass die arme Maria Happel vom Drehbuch genötigt wird, ihn mit den ordinären Worten zu beschimpfen: "Du blöder, strunzdummer, schwanzgesteuerter Kerl!" Und weil sie das offensichtlich schon seit Jahren weiß, ist ihrer Figur jegliche Glaubwürdigkeit genommen. Denn als "Powerfrau", die sie nach den Aussagen im Presseheft sein soll, hätte sie sich von einem so "strunzdummen Kerl" längst getrennt.

Stattdessen lässt sie von ihrem halbwüchsigen Sohn Ferdinand (Enzo Gaier) eine "Waldkamera" am Baum gegenüber einem Hochsitz anbringen, den ihr Mann auch prompt benutzt für Sexspiele mit seiner Ärztin. Hatte die "Powerfrau" Paula diesen Beweis seiner Untreue überhaupt noch nötig? Nein. Die Waldkamera wird als dramaturgische Krücke gebraucht, um den gut sichtbaren Beweis zu liefern, dass sich der Anwalt Biron bei der Jagd aus Versehen mit seinem eigenen Gewehr angeschossen hat, dass es nicht etwa Fritz war, der nur besorgt zu Hilfe eilte. So kann der alten Gräfin das intrigante Spiel verdorben, Fritz aus der Untersuchungshaft entlassen werden - und den zwei "Powerfrauen" steht der Weg frei, in einem leeren, "hübschen" Bäckerladen eine Kanzlei zu eröffnen, in der sie sich künftig gemeinsam an Fällen abarbeiten und "aufeinander verlassen" können.

Dieses Ende klingt bedrohlich nach einer Fortsetzung als Reihe. Der Titel passt ja schon. Falls es aber es so weit kommen sollte, sollten zumindest solche albernen, tausend Mal gesehenen Szenen vermieden werden wie die, in der Theresa Schwarz Kartons voller Akten trägt, sie fallen lässt, die Akten aufsammelt und die Kartons gleich noch mal fallen lässt. Auch von der Bauerntheater-Dramaturgie sollte dringend Abschied genommen werden. Vor allem aber müsste jemand den beiden Hauptdarstellerinnen gute Rollen schreiben und sie ihren Fähigkeiten entsprechend inszenieren. Sie haben es mehr als verdient, nicht als Karikaturen misshandelt zu werden.

Aus epd medien Nr. 21 vom 25. Mai 2018

Sybille Simon-Zülch