Internationales
Großbritannien: "Trinity Mirror" kauft "Express"-Gruppe
Unternehmer Richard Desmond zieht sich aus dem Medienmarkt zurück
London (epd). In Großbritannien erwirbt die Trinity-Mirror-Gruppe für 126,7 Millionen Pfund (144,4 Millionen Euro) die Express-Pressegruppe. Diese gehörte bisher dem Unternehmen Northern & Shell des umstrittenen Verlegers Richard Desmond. Zu dieser Summe kommen noch weitere 70,4 Millionen Pfund für Rentenleistungen an die Mitarbeiter und einen "Erholungsplan" bis 2027. Einen Teil des Kaufpreises erhält Desmond in Trinity-Mirror-Aktien, er wird damit zu einem wichtigen Minderheitsaktionär. Der Deal wurde am 9. Februar in London bekanntgegeben und gilt als größter auf dem britischen Pressemarkt seit der Übernahme des "Daily Telegraph" durch die Gebrüder Barclay im Jahre 2004.

"Es ist gut für unsere Leser, gut für unsere Kunden und gut für unsere Aktionäre" kommentierte Simon Fox, der Vorstandsvorsitzende von Trinity Mirror, den Deal. Richard Desmond erklärte: "Die heutige Transformation ist ein logischer und natürlicher nächster Schritt in der Entwicklung und Konsolidierung des Mediensektors und wird eine größere und stärkere Plattform für alle Aktionäre schaffen." Die beiden Pressegruppen liegen auf dem britischen Markt hinter den Spitzenreitern News International ("The Sun") von Rupert Murdoch und Daily Mail and General Trust ("Daily Mail") von Lord Rothermere.

Zur Express-Gruppe gehören die vier nationalen Boulevardzeitungen "Daily Express", "Sunday Express", "Daily Star" und "Daily Star Sunday" sowie die drei Publikumszeitschriften "OK!", "New!" und "Star". Hinzu kommt ein Anteil von 50 Prozent am irischen "Irish Daily Star". Der "Daily Express" wurde 1900 vom Verleger Arthur Pearson gegründet und 1916 vom kanadisch-britischen Verleger und Politiker Lord Beaverbrook of Fleet Street erworben. Unter ihm wurde der Titel vor und nach dem Zweiten Weltkrieg zur meistverkauften Tageszeitung der Welt mit einer Auflage von über vier Millionen Exemplaren.

Mit dem Verkauf der Express-Gruppe zieht sich der 66-jährige Unternehmer und Selfmade-Milliardär Desmond aus dem britischen Medienmarkt zurück. Er will sich künftig auf die Lotterie-Branche konzentrieren, dort besitzt er bereits seit 2011 die regional organisierte "Health Lottery". 2010 kaufte Desmond den defizitären kommerziellen Fernsehkanal Channel 5 für 103,5 Millionen Pfund von der RTL Group (epd 58/10). Vier Jahre später verkaufte er die sanierte Channel-Five-Group für 463 Millionen Pfund an das US-Unternehmen Viacom. Seit 2014 unterstützt Desmond die rechtspopulistische Partei Ukip von Nigel Farage, die als erste den Austritt Großbritanniens aus der EU forderte.

Im Dezember 2017 hatte der "Daily Express" eine Auflage von 365.000 Exemplaren und der "Daily Star" von 392.000 Exemplaren. Noch größer ist der neue Partner "Daily Mirror" mit 582.000 Exemplaren. Zur Trinity-Mirror-Gruppe gehören neben dem "Daily Mirror" auch der "Sunday Mirror" und "Sunday People". Trinity Mirror ist auch der größte Verleger von regionalen Tageszeitungen mit über 200 Titeln wie "Birmingham Post" und "Manchester Evening News". 2015 erwarb Trinity zudem die Lokalzeitungsgruppe "Local World" mit rund 100 Titeln. 2016 scheiterte der Start der neuen Tageszeitung "New Day" (epd 10, 20/16).

Trinity Mirror erwartet von der Fusion Einsparungen von jährlich 20 Millionen Pfund. Die politische Ausrichtung der Blätter soll nicht verändert werden. Während der 1903 gegründete "Daily Mirror" meist die sozialdemokratische Labour Party unterstützt, steht die Express-Gruppe meist dem rechten Flügel der Konservativen nahe. "Der Daily Express wird nicht links ausgerichtet werden und der Mirror wird nicht rechts werden", sagte Trinity-Chef Fox. Alle Zeitungen blieben redaktionell unabhängig.

Aus epd medien Nr. 09 vom 02. März 2018

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