Internationales
Fußball-WM ist weltweit Quotenhit des Jahres
Turnier kann weiter große Zuschauermengen für lineares Fernsehen begeistern
Paris (epd). Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland war das populärste Fernsehereignis des Jahres. "Das zeigt wieder einmal deutlich, dass sogar im Zeitalter von mobilen Geräten und nicht-linearem Fernsehkonsum nur große Sportereignisse die einzigen Programme sind, die so große Zuschauermengen vor einem Fernsehgerät vereinen", sagte Yassine Berhoun, der Sportdirektor des Medienforschungsdienstes Eurodata TV Worldwide, am 16. Juli in Paris. Mit vier europäischen Mannschaften unter den Halbfinalisten sei die Weltmeisterschaft 2018 ein großer TV-Erfolg in den europäischen Ländern gewesen.

Insgesamt wurde das Fernsehpublikum des Turniers vom Forschungsdienst Global WebIndex auf weltweit 3,4 Milliarden Menschen geschätzt, ein Zuwachs um 200 Millionen gegenüber der WM 2014 in Brasilien.

Das in elf russischen Städten ausgetragene Turnier dauerte vom 14. Juni bis zum 15. Juli, die deutsche Nationalelf schied bereits in der Vorrunde aus. Das Finale Frankreich-Kroatien schalteten im Land des neuen Weltmeisters Frankreich 19,34 Millionen Zuschauer auf dem kommerziellen Kanal TF1 ein, der damit auf einen Marktanteil von 82,2 Prozent kam. Beim Halbfinale Frankreich-Belgien fieberten 19,12 Millionen Zuschauer (70,5 Prozent) mit.

In Kroatien mit einer Gesamtbevölkerung von nur 4,2 Millionen Einwohnern sahen 1,84 Millionen Menschen das WM-Finale gegen Frankreich bei einem Marktanteil von 88,5 Prozent auf dem öffentlich-rechtlichen Kanal HTV2. Noch mehr Kroaten schauten das siegreiche Halbfinale gegen England, das mit 2,05 Millionen Zuschauern auf einen Marktanteil von 81 Prozent kam. Das Achtelfinale gegen Dänemark am 1. Juli verfolgten zwei Millionen Zuschauer (86 Prozent) und das Viertelfinale gegen Russland 1,96 Millionen Zuschauer (90 Prozent).

Für den WM-Dritten Belgien war das verlorene Halbfinalspiel gegen Frankreich mit insgesamt 4,15 Millionen Zuschauern das Match mit den meisten Zuschauern. Davon entfielen 2,49 Millionen Zuschauer auf den öffentlich-rechtlichen Kanal Een (VRT) in Flandern und 1,65 Millionen Zuschauer auf den öffentlich-rechtlichen Sender La Une (RTBF) in Wallonien.

Das meistgesehene Spiel für den WM-Vierten England war das verlorene Halbfinale gegen Kroatien auf ITV. Mit 24,2 Millionen Zuschauern war es die erfolgreichste britische Fernsehsendung seit den Olympischen Sommerspielen 2012 in London und lag damit weit vor der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle mit rund 11,5 Millionen Zuschauern am 19. Mai.

Für Gastgeber Russland, der erstmals unter die letzten Acht gelangte, war das Viertelfinale gegen Kroatien das meistgesehene Fußballspiel im Fernsehen seit der Europameisterschaft 2008. Das Match, das erst im Elfmeterschießen entschieden wurde, sah jeder fünfte Russe bei einem Marktanteil von 63,6 Prozent auf dem halbstaatlichen Ersten Kanal (Perwyj Kanal).

Die Schweiz gelangte unter die letzten 16 Teams und die öffentlich-rechtliche SRG übertrug alle 64 Spiele live auf SRF2. Durchschnittlich sahen dort 493.000 Zuschauer bei einem Marktanteil von 49,8 Prozent die Spiele. Meistgesehene TV-Sendung in Österreich, das nicht mit seiner Mannschaft in Russland vertreten war, war die zweite Halbzeit des WM-Finales am 15. Juli in Moskau auf ORF1 mit 1,86 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 65 Prozent.

Quotenhit Deutschland - Schweden

Auch in anderen europäischen Ländern war das WM-Finale sehr populär, etwa in Italien und den Niederlanden, die ebenfalls nicht an der WM teilnahmen. Häufig war das Spiel die meistgesehene Sendung des Jahres. Auch außerhalb von Europa war das Endspiel ein großer Quotenerfolg. So sahen allein 56 Millionen Zuschauer das Finale auf den staatlichen Kanälen CCTV1 und CCTV5 in China.

Die überraschenden Niederlagen der deutschen Nationalelf gegen Mexiko und Südkorea waren die populärsten TV-Sendungen in diesen Ländern. Beim südkoreanischen 2:0-Sieg schalteten 8,2 Millionen Südkoreaner ein, Mexikos 1:0-Sieg verfolgten in dem lateinamerikanischen Land 21,6 Millionen Zuschauer. Meistgesehenes Spiel in Deutschland war die für die Nationalmannschaft siegreiche Partie gegen Schweden, bei der im Ersten 27,5 Millionen Fußballfans vor dem Bildschirm mitfieberten (epd 29/18).

Aus epd medien Nr. 30/31 vom 27. Juli 2018

ebe