Inland
Deutschlandradio spart bei Deutschlandfunk Kultur
Hochrechnung sagte Überschreitung im Personaletat von 700.000 Euro voraus
Berlin (epd). Deutschlandradio muss sparen: Weil eine Hochrechnung auf das Jahresergebnis eine Überschreitung im Personaletat von rund 700.000 Euro prognostiziert habe, sei eine Reihe von Maßnahmen beschlossen worden, teilte der Sender am 16. Juli auf epd-Anfrage mit. Ziel sei es, die Planwerte für das aktuelle Jahr und bis zum Ende der laufenden Beitragsperiode 2020 einzuhalten. Die Auswirkungen sind vor allem bei Deutschlandfunk Kultur zu spüren, wo es auch im Programm zu Kürzungen kommt.

Die Einsparungen beinhalteten allerdings keine "radikalen Einschnitte", wie der Sender betonte. So gebe es weder einen Einstellungs- noch einen Beförderungsstopp. Bei den Nachrichtenschichten von Deutschlandfunk Kultur sollen drei Stellen vorerst nicht nachbesetzt werden. Die Aufgaben von drei Redakteuren, die in den Ruhestand gehen und nicht nur, aber auch für die Nachrichten tätig waren, würden bis auf weiteres von freien Mitarbeitern erledigt. Insgesamt plant der Sender für diesem Jahr erneut mit einem Personaletat von 61 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr sei der Etat bereits um rund 500.000 Euro überschritten worden. Der Programmetat von 56,6 Millionen Euro wurde um 600.000 Euro überschritten. Aus dem Programmaufwand werden unter anderem die Honorare der freien Mitarbeiter bezahlt. Diese Beträge müssen bis zum Ende der laufenden Beitragsperiode eingespart werden. Sie seien in beiden Bereichen aber "zum großen Teil durch Einmaleffekte" wie hohe Urlaubsrückstände und zusätzliche Einsätze von freien Mitarbeitern zu erklären, teilte der Sender mit.

Erste Folgen der Einsparungen haben sich bereits im Programm niedergeschlagen: Seit dem 1. Juli wird die Sendung "Studio 9" am Abend (17.05 Uhr) bei Deutschlandfunk Kultur nur noch von einem statt von zwei Moderatoren präsentiert. Die Doppelmoderation war als zentrales Element der Programmreform im Jahr 2014 eingeführt worden (epd 23/14). Der politische Wochenrückblick "Schlaglichter", der bisher samstags bei der Kulturwelle lief, wurde ebenfalls zum Monatsbeginn mit der samstäglichen "Studio 9"-Ausgabe zusammengelegt.

In der täglichen Kultursendung "Fazit" wird die Anzahl der Autorenbeiträge nach Senderangaben bis zum Jahresende von 25 auf 22 pro Woche reduziert, der Sendeplatz bleibt jedoch in vollem Umfang vorhanden. Bei Deutschlandfunk Kultur entfällt zudem die aktuelle Sportberichterstattung.

Im nächsten Jahr könnten weitere Einsparungen kommen: Die bisherige Sendung "Studio 9 kompakt" um 22.30 Uhr könnte nach Senderangaben gestrichen werden. Stattdessen seien derzeit zwei feste werktägliche Programmschienen am Abend mit Konzerten und Hörspielen sowie Features in der Überlegung. Diese Änderungen sollen im Sommer 2019 umgesetzt werden, ebenso wie eine Überarbeitung der Nachrichten bei Deutschlandfunk Kultur, hieß es.

Dort sei gegenwärtig angedacht, dass die O-Töne wegfallen. Die sind bislang ein Alleinstellungsmerkmal der Nachrichten bei Deutschlandfunk Kultur. Nachrichten mit einer Orientierung an der Programmfarbe blieben aber ein zentraler Bestandteil von Deutschlandfunk Kultur, betonte der Sender: "Sie werden auch weiterhin im Funkhaus Berlin produziert, um den besonderen Blick des Kulturprogramms auf das aktuelle Weltgeschehen abzubilden."

Für Kritik hatte unter anderem die geplante Einstellung der Kindersendung "Kakadu" mitsamt der Kindernachrichten unter der Woche gesorgt, die Deutschlandradio-Programmdirektor Andreas-Peter Weber am 26. Juni im hauseigenen Medienmagazin "Medias Res" bestätigt hatte. Die Sendung soll ab Januar 2019 nur noch sonntags ausgestrahlt werden, der Sender denkt jedoch nach Angaben von Weber über einen "Familienpodcast" als Ersatzangebot nach. "Kakadu" sendet am Sonntagmorgen Kinderhörspiele.

Weber begründete die Einstellung von "Kakadu" unter der Woche mit veränderten Hörgewohnheiten der jungen Generation. Eine Petition im Netz, die sich für den Erhalt der Kindersendung in der bisherigen Form einsetzt, kam bis zum 16. Juli auf mehr als 7.900 Unterschriften. Darüber hinaus seien derzeit keine größeren Änderungen im Programm geplant, teilte der Sender mit. Bei den anstehenden Reformen sollten die Mitarbeiter in Projekt-Arbeitsgruppen einbezogen werden.

Medienberichten zufolge sorgen die Einsparungen hausintern für Unmut und Kritik an Programmdirektor Weber. "Die Stimmung im Haus ist schlecht, so schlecht wie nie", zitierte die "tageszeitung" am 27. Juni aus einer gemeinsamen Erklärung von Redakteursauschuss und Personalrat.

Der heutige Sender Deutschlandfunk Kultur ging nach der Wende zunächst als Deutschlandsender Kultur aus Radioprogrammen der DDR hervor. Von 1994 bis 2005 sendete das Programm unter dem Namen Deutschlandradio Berlin und schließlich als Deutschlandradio Kultur. Deutschlandradio hat im vergangenen Jahr seine Markenstruktur überarbeitet (epd 40/16, 2/17). Seit Mai 2017 heißt das Programm Deutschlandfunk Kultur. Der Sender erreicht laut den aktuellen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse 517.000 Hörer täglich (vgl. weitere Meldung in dieser Ausgabe).

Aus epd medien Nr. 29 vom 20. Juli 2018

dsp