Umfrage: Hohes Potenzial für Rückkehr ausgestiegener Pflegekräfte

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Krankenpflegerin beim Infusionswechsel

Mit besseren Arbeitsbedingungen würden in Deutschland viele ausgestiegene Pflegekräfte wieder in ihren Beruf zurückkehren oder Teilzeitkräfte ihre Arbeitszeit aufstocken. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Befragung, die am 3. Mai in Berlin vorgestellt wurde. So könnten rechnerisch mindestens 300.000 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte gewonnen werden, bei optimistischer Hochrechnung sogar bis zu 660.000. Voraussetzungen dafür seien unter anderem mehr Personal, verlässliche Arbeitszeiten und eine bessere Bezahlung.

An der Online-Befragung unter dem Titel „Ich pflege wieder, wenn...“ hatten den Angaben zufolge im vergangenen Jahr rund 12.700 ausgestiegene sowie in Teilzeit beschäftigte Pflegekräfte teilgenommen, vorwiegend Frauen. Zwei Drittel arbeiteten aktuell oder zuletzt in der Krankenpflege, ein Drittel in der Langzeitpflege.

Bremen bei Pilotstudie Vorreiter

Die Untersuchung baut auf einer regionalen Pilotstudie in Bremen auf. Sie ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen der Arbeitnehmerkammer Bremen, der Arbeitskammer im Saarland und des Instituts Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen.

Demnach können sich die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten und sogar 60 Prozent der Ausgestiegenen eine Rückkehr in den Beruf beziehungsweise ein Aufstocken der Stunden vorstellen. Die Teilzeitkräfte würden um durchschnittlich zehn Stunden aufstocken, die Ausgestiegenen mit 30 Stunden zurückkehren. „Das ist eine sehr gute Nachricht für die Pflege - doch diese Fachkräfte kommen nicht von allein zurück“, betonte Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer Bremen.

Bessere Personalausstattung unbedingt erforderlich

Als stärkste Motivation nennen die Befragten der Studie zufolge eine Personaldecke, die sich tatsächlich am Bedarf der pflegebedürftigen Menschen ausrichtet. Außerdem wünschen sie sich eine bessere Bezahlung und verlässliche Arbeitszeiten. Mehr Zeit für menschliche Zuwendung zu haben, nicht unterbesetzt arbeiten zu müssen und verbindliche Dienstpläne sind weitere zentrale Bedingungen.

Überdies wünschen sich die Pflegekräfte respektvolle Vorgesetzte, einen kollegialen Umgang mit allen Berufsgruppen, mehr Augenhöhe gegenüber den Ärztinnen und Ärzten, eine vereinfachte Dokumentation und eine bessere Vergütung von Fort- und Weiterbildungen. Heyduck und die Geschäftsführerin der Arbeitskammer im Saarland, Beatrice Zeiger, unterstrichen außerdem die zentrale Forderung vieler Befragter nach einer ausreichenden Bezahlung: „Pflegekräfte müssen endlich entsprechend den hohen Anforderungen, die der Beruf mit sich bringt, entlohnt werden - insbesondere in der Altenpflege.“

Viele Befragte sind sehr skeptisch

„Die Studie möchte Mut machen“, bekräftigte IAT-Direktorin Michaela Evans. Schlüsselfaktoren für eine Verbesserung der durch Fachkräftemangel bestimmten Situation seien eine bedarfsgerechte Personalberechnung, Brückenprogramme für die Rückkehr in den Beruf und betriebliche Maßnahmen wie ein gutes Ausfallmanagement. Die Studie habe allerdings auch gezeigt, dass viele Befragte skeptisch seien und nicht daran glaubten, dass sich strukturell etwas in Richtung besserer Arbeitsbedingungen verändern werde.

Die Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), Christel Bienstein, sagte, gebraucht würden „spürbare Verbesserungen in der Personalausstattung, eine bedarfsgerechte Personalbemessung, faire Gehälter und attraktive Karrierewege“. Sonst lasse sich die Pflegekrise nicht lösen. „Es wird nun endlich Zeit, dass die neue Bundesregierung Pflegepolitik angeht. Die Einführung der PPR 2.0 ist dafür der erste notwendige Schritt, damit die Kolleginnen und Kollegen die Pflege leisten können, die die Menschen benötigen“, so die Verbandschefin.

Dieter Sell