Stiftungsvorstand: Erbbaurecht ist extrem unterschätztes Produkt

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Ingo Strugalla
Frankfurt a.M. (epd)

Die Evangelische Stiftung Pflege Schönau mit Sitz in Heidelberg, einer der größten Akteure im Markt, hält das deutsche Erbbaurecht "für ein extrem unterschätztes Produkt". Das Erbbaurecht führe auch nach 100 Jahren noch ein Nischendasein.

Das Erbbaurecht sei "vielen Investoren und privaten Bauherren nicht bekannt", bedauert Ingo Strugalla, der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Für Privatpersonen ist es ein hervorragendes Instrument, um Eigentum zu schaffen." Denn, so der Experte: Kapital müsse nur für den Bau der Immobilie zur Verfügung stehen und nicht auch für den Kauf eines oft teuren Grundstücks. Für die meist 99-jährige Nutzung des Grundstücks ist ein Erbbauzins zu bezahlen, der regelmäßig an die Entwicklung des Verbraucherpreisindexes angepasst wird.

Das seit 100 Jahren existierende Erbbaurecht führt noch immer ein Nischendasein. Die Gründe dafür sieht Strugalla in Vorbehalten sowohl bei den potenziellen Bauherren als auch bei den Kommunen. "Viele private Häuslebauer bevorzugen Volleigentum, bei dem sie sowohl das Grundstück als auch die Immobilie erwerben. Die wirtschaftliche Perspektive, dass es unter Umständen günstiger sein kann, das eigene Haus vom Grundstück getrennt zu betrachten, tritt da oft in den Hintergrund."

Kommunen setzen noch oft auf das schnelle Geld

Erkennbare Zurückhaltung gebe es aber auch aufseiten der Kommunen. "Sie bevorzugen oft noch das schnelle Geld über den Verkauf von Flächen, anstatt den langfristigen Cash Flow eines Erbbaurechts zu realisieren", erläutert der Fachmann, dessen Stiftung über 13.000 Erbbaurechtsverträge verwaltet und bundesweit zu den größten Akteuren im Markt gehört.

Ob das Erbbaurecht geeignet ist, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, hängt laut Strugalla von den individuellen Zielen und Rahmenbedingungen ab. "Dennoch birgt es viel Potenzial für den Wohnungsmarkt" und könne helfen, die Wohnungsnot zu lindern. Hauptziel müsse es sein, die Bekanntheit des Erbbaurechtes zu erhöhen.

Strugalla zeigt sich optimistisch: "Kommunen erkennen langsam, dass sie das Erbbaurecht als bodenpolitisches Steuerungsinstrument einsetzen können und langfristige Einnahmen von Erbbauzinsen Vorteile bieten."

"Auch andere Leasing-Dienste boomen"

Strugalla weiter: "Wichtig ist doch, dass es primär um das Gut Wohnen geht. Die Verpackung sollte dabei eine untergeordnete Rolle spielen. Auch in anderen Lebensbereichen hat das Leasing Einzug gehalten, Autos werden geleast, statt der CD nutzen wir Streaming-Dienste."

Der Vorstand betont, dass die Stiftung kein Vermarktungsproblem beim Erbbaurecht habe. "Wir haben eher zu wenig Grundstücke." Das verhalte sich auch bei anderen kirchlichen Ausgebern von Erbbaurechten so.

Aus epd sozial 22/19 vom 31. Mai 2019