"Großes Unverständnis" über Beschluss zu Kita-Öffnungen

s:27:"Kita-Notbetreuung in Bremen";
Kita-Notbetreuung in Bremen
Frankfurt a.M. (epd)

Der Beschluss der Länder und des Bundes zur Kita-Öffnung wirft viele Fragen auf, vor allem diese: Wann kann mein Kind wieder in die Kita gehen? Darauf gibt es keine eindeutige Antwort - weil der Beschluss zu den Lockerungen viel offen ließ.

Es ist ein Satz, der zunächst Erleichterung verspricht, für Eltern, die im Homeoffice verzweifeln, für Kinder, die ihre Freunde seit Wochen nicht gesehen haben, und für Kita-Betreiber, die sich fragen, wann es endlich weitergeht: "Dabei wird sichergestellt, dass bis zu den Sommerferien jedes Kind am Übergang zur Schule vor dem Ende seiner Kita-Zeit noch einmal die Kita besuchen kann" - so steht es in dem neuen Beschlusspapier zu den Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern.

Bei näherer Betrachtung wirft dieser Satz trotz oder vielleicht gerade wegen seiner Einfachheit eine Vielzahl neuer Fragen auf. Was ist mit den Kindern, die nicht "am Übergang zur Schule stehen"? Und was bedeutet "bis zu den Sommerferien"? Einen Monat davor, eine Woche oder einen Tag?

Große regionale Unterschiede

Bei einem Großteil der Eltern, die von den aktuellen Kita-Schließungen betroffen sind, habe der Beschluss "zu großem Unverständnis und großer Enttäuschung geführt", sagt Ulrike Grosse-Röthig, Sprecherin der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege. Die Politik sei den Familien konkrete Maßnahmen schuldig geblieben.

Auch mit dem mittelfristig angestrebten Regelbetrieb von Einrichtungen werde es nur möglich sein, etwa die Hälfte aller Kinder mit frühkindlicher Bildung zu versorgen. Darüber könne auch "die Abgabe der Verantwortung an die Bundesländer" nicht hinwegtäuschen.

Und tatsächlich sind nach dem Beschluss die Länder für die Regelung der Einzelheiten zuständig - wie sie es auch außerhalb der Krise bei der Kinderbetreuung sind. Festgelegt wurde nur eine "flexible und stufenweise Erweiterung der Notbetreuung spätestens ab dem 11. Mai". Bei der Umsetzung zeigen sich nun große Unterschiede: In Nordrhein-Westfalen ist eine weitere Öffnung der Kitas ab dem 14. Mai geplant, ab dem 28. Mai sollen alle Vorschulkinder wieder betreut werden. In Bayern soll derweil bis Pfingsten die Hälfte aller Krippen- und Kindergartenkinder wieder in die Kita.

Gesundheitsrisiken der Öffnung unklar

Kritik kommt von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Einrichtungen: "Uneinheitliche, nicht miteinander abgestimmte Vorgaben für die Notbetreuungsangebote und die diffuse Diskussion, wie es weitergehen soll, verschärfen die bereits bestehende Verunsicherung im Kita-System", bemängelt ein Fachkräfte-Forum aus 45 Kita-Mitarbeitern. Gravierende Unterschiede "innerhalb eines Umkreises von wenigen Kilometern" könnten einen massiven Vertrauensverlust in die Maßnahmen und somit auch eine geringere Akzeptanz bedeuten.

Noch immer fehlten wissenschaftliche Erkenntnisse, welche Auswirkung die Rückkehr zu einem "normalen" Kita-Betrieb für das Infektionsgeschehen haben werde, mahnen die Kita-Fachkräfte. Auch die Gesundheit der Beschäftigten müsse bedacht werden. Zudem fehlten schon unter normalen Bedingungen Kapazitäten: "Eine Sicherstellung von kleinen Gruppen oder eine ausreichende räumliche Trennung lassen sich nicht für alle Kinder gleichermaßen gewährleisten."

Auch die Gewerkschaft ver.di appelliert, dem Infektionsschutz der Beschäftigten und der Kinder bei der Ausgestaltung der Beschlüsse höchste Priorität zuzugestehen.

Die Umsetzung des eingeschränkten Regelbetriebes müsse weitgehend den Trägern vor Ort überlassen werden, fordert der Deutsche Kitaverband. Dazu gehöre auch eine individuelle Lösungsfindung mit den Eltern, sagt die Bundesvorsitzende des Verbands, Waltraud Weegmann. Gleichzeitig zeigte sie sich optimistisch: Die Belegung der Einrichtung sei für die Träger jetzt planbar. Denkbar sei eine Art Schichtsystem, bei dem die Hälfte der Kinder zum Beispiel Montag und Dienstag und die andere Hälfte Mittwoch und Donnerstag in die Kita kommt.

epd sozial Nr. 20 vom 15. Mai 2020

Jana-Sophie Brüntjen