Wachsam bleiben. Eine Tagung in Saarbrücken über Medienfreiheit

Das Jahr 2019 war ein Jahr der Jahrestage: 70 Jahre Grundgesetz, 30 Jahre Montagsdemonstrationen und 30 Jahre Mauerfall wurden begangen. Die Landesmedienanstalt Saarland (LMS), die Siebenpfeiffer-Stiftung und der Saarländische Journalistenverband (SJV) nahmen die Jahrestage zum Anlass, in ihrer Reihe #Pressefreiheit die heutige Funktion von Journalismus und freien Medien für die Demokratie und die Bedeutung von Qualitätsjournalismus und Pressefreiheit als Grundlage für die Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt in den Blick zu nehmen.

Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Roland Jahn, erinnerte bei der Veranstaltung "Freie Medien Freiheit - Die Rolle freier Medien in der Demokratie", die am 28. Oktober im Landtag des Saarlandes stattfand, an die Rolle der Medien in der DDR und der BRD vor und nach der Wende 1989. Der in Jena geborene Jahn wurde, nachdem er an öffentlichen Protesten teilgenommen hatte, 1983 aus der DDR ausgebürgert. In den Jahren vor 1989 arbeitete er unter anderem für das Magazin "Kontraste" des SFB und berichtete über die Opposition in der DDR. Diese Erfahrung habe ihn gelehrt, dass es wichtig sei, dass Medien hinschauen und über die Verhältnisse berichten, sagte er. Die Menschen im Osten hätten sehr genau verfolgt, was die Medien im Westen über sie berichtet haben.

Im 21. Jahrhundert haben große Internetkonzerne wie Facebook und Youtube die Regeln der Kommunikation grundlegend verändert. Jeder kann heutzutage Anbieter und Produzent von medialen Inhalten werden. Was bedeutet das für Medienunternehmen und was für den Journalismus? Der Journalist Simon Hurtz, der unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung" über soziale Medien schreibt, sagte, Journalisten müssten sich mit diesen neuen Formen der Kommunikation auseinandersetzen und - bei allen Vorbehalten - mit ihren Inhalten in den sozialen Medien präsent sein.

Der Medienrechtler Stephan Ory sagte, Aufgabe des Journalismus sei auch, falsche Behauptungen, die in den sozialen Medien kursieren, zu überprüfen, und die Richtigstellung in diese öffentliche Diskussion einzuspeisen.

Klaus Meier, Professor für Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, forderte von Journalisten eine klare Haltung zur Demokratie. Alles, was demokratiefeindlich sei, sei letztlich auch ein Feind des Journalismus, sagte er. Aufgabe des Journalismus sei es, zu recherchieren, Fakten zu überprüfen und Geschehnisse einzuordnen. Journalismus müsse angesichts der Polarisierung der Gesellschaft versuchen, diese Polarisierung zu durchbrechen und gesellschaftliche Diskussionen zu moderieren.

Wie das geschehen kann, zeigten der Leiter der Hauptabteilung Kommunikation des ZDF, Alexander Stock, und die Leiterin Soziale Medien des Senders, Sonja von Struve, am Beispiel des Projekts "#Unserefreiheit". In diesem Projekt hat das ZDF Beiträge zu 70 Jahre Grundgesetz und 30 Jahre Mauerfall gesammelt und auch eine Plattform für die öffentliche Diskussion geboten.

Auch der Medienrechtler Dieter Dörr forderte Journalisten auf, sich weiterhin entschlossen für die freiheitliche Demokratie zu engagieren. So lange Journalisten und Journalistinnen sachgerecht von ihren Möglichkeiten Gebrauch machten, sei ihm "bei aller Digitalisierung überhaupt nicht bange", sagte Dörr. Allerdings müssten die Journalisten wachsam belieben, denn wenn die Demokratie einmal verloren sei, "dann ist es zu spät".

Auf der Tagung "Freie Medien Freiheit" im Landtag des Saarlandes sprachen auch Schüler des Christian von Mannlich Gymnasiums in Homburg über ihre Vorstellungen von Freiheit. Wir dokumentieren die Diskussionsbeiträge mit freundlicher Genehmigung der Veranstalter.

Aus epd medien 5/20 vom 31. Januar 2020

Diemut Roether