Unermüdlich. Der HR-Podcast "Das F-Wort"

Der Gedanke an das Piep-Wort kommt sofort, aber das ist es nicht, worauf der HR-Podcast "Das F-Wort" anspielt. Auch in der mittlerweile zweiten Staffel des einstündigen Gesprächsformats spielen die Moderatorinnen Pola Nathusius und Ann-Kathrin Rose mit Konnotationen und Erwartungen. Feministin sein: Was bedeutet das eigentlich, und welche Ambivalenzen bringt die Zuordnung mit sich? Was tun eigentlich Fußballverbände wie der DFB für mehr Diversität in den eigenen Reihen? Mit wem sollte frau sich solidarisieren, und wo sollten Grenzen gesetzt werden? Über solche Fragen diskutieren die beiden Journalistinnen der jungen HR-Welle YouFM alle zwei Wochen mit wechselnden Gesprächspartnerinnen. In der Kategorie "Heldin der Folge" werden außerdem in jeder Folge inspirierende Frauen zum jeweiligen Themenbereich vorgestellt.

Beim Hören wird schnell klar, hier sind versierte Radiofrauen am Werk: Es gibt Opener, Jingles, und die routinierten On-Air-Stimmen von Nathusius und Rose führen durch ein straffes Programm, das alles Mögliche ist, nur nicht dahinplätschernd oder langweilig wie viele dieser Laber-Podcasts.

Die Verzahnung mit anderen Plattformen, vor allem Spotify und Instagram, gelingt dabei sehr gut. Bei Spotify gibt es eine vom Podcast-Team erstellte "Empowerment-Playlist". Per Jingle wird auf den Insta-Kanal zum Podcast aufmerksam gemacht. Dort gibt es dann nicht nur nette Bildchen zu den jeweiligen Folgen, sondern auch ergänzenden Content wie Tipps für feministische Literatur und zusätzliche Interviews. Die bieten echten Mehrwert zu dem teilweise sehr individualistischen Fokus der bisherigen Folgen der zweiten Staffel. Denn Fluch und Segen zugleich ist die Personalisierung und Individualisierung des Podcast. Zu den verschiedenen Themen - von Fußball über Frauensolidarität bis zum Alleinreisen - bringen die beiden Moderatorinnen viele eigene Erfahrungen ein, was Feminismus vor allem für Einsteigerinnen sehr zugänglich macht.

Frauensolidarität etwa mag für viele junge Hörerinnen und Hörer vielleicht ein eher abstrakter, theoretischer Begriff sein. Die Moderatorinnen finden gemeinsam mit ihrem Gast, der Unternehmensberaterin und Social-Media-Strategin Ann-Katrin Schmitz, allerdings einen anschaulichen Zugang. Es geht um gegenseitiges Fördern unter Kolleginnen im Berufsalltag, um eigene Erfahrungen mit Ablehnung und dem anerzogenen Anspruch vieler Frauen, es immer allen recht machen zu wollen. Man müsse da auch "an seinem eigenen Mindset" arbeiten, sagt Schmitz etwa, als Nathusius ihr von der Beobachtung erzählt, erfolgreiche Frauen in ihrem Umfeld reagierten häufig etwas allergisch darauf, wenn andere Frauen annähernd auf ihr Level kämen. Strukturelle Probleme wie die "gläserne Decke", männlich geprägte Netzwerke in Führungsetagen, stereotype Geschlechterbilder und familiäre Verpflichtungen geraten dabei aus dem Blick.

Auch etwas mehr Diversität unter den im Podcast vertretenen Perspektiven stünde der zweiten Staffel gut. In der ersten Staffel gab es zwar eine Folge zu Feminismus und Intersektionalität, in der verschiedene andere Diskriminierungskategorien thematisiert wurden, die über die des Geschlechts hinausgehen. Vor allem in der Folge "Allein um die Welt - Feminismus & Reisen" fehlt es an solchen Verknüpfungen. Darin kommen ausschließlich Frauen zu Wort, die mal ein paar Wochen durch den Iran, Südafrika oder Indien gereist sind oder als Korrespondentin in diesen Ländern arbeiten. Die Perspektiven von Inderinnen oder Iranerinnen auf die Frauenrechtslage in den Ländern fehlt. Und das wird in der Online-Community auch angekreidet. Der Umgang damit zeichnet das "F-Wort" aber besonders aus: Die Macherinnen schrecken nicht vor kontroversen Themen zurück, stellen sich unermüdlich der Kritik und greifen sie auch im Podcast auf. Am Ende jedenfalls bleibt ein C-Wort, von dem sich viele Redaktionen was abschauen könnten: Community-Management.

Aus epd medien 39/19 vom 27. September 2019

Nora Frerichmann