Suchspiel für Fortgeschrittene. Transparenz bei ARD und ZDF

Mal versucht, den Sportrechte-Etat des ZDF auf die Schnelle herauszufinden? Dürfte doch eigentlich kein Problem sei angesichts der neuen Transparenzbemühungen der öffentlich-rechtlichen Sender. Einfach auf zdf.de den Begriff "Sportrechte" in die Suchmaske eingeben - und schon müsste die Info da sein. Doch weit gefehlt: Der erste Treffer in der Suchergebnis-Liste ist eine Jubelmeldung vom August 2017 mit der Überschrift "Olympia live bei ARD und ZDF". Der zweite Treffer ist ein Link zu einem Clip der Kindernachrichtensendung "Logo!", in dem erklärt wird, warum es Geld kostet, Sportveranstaltungen im Fernsehen zu zeigen. Der Clip datiert vom November 2016.

 

Leider falsch gesucht. Man muss nämlich zuerst das "Transparenzportal" des ZDF ansteuern, dann auf "Programmprofile- und kosten" gehen, schließlich durch horizontales Scrollen den Unterpunkt "Sportsendungen" suchen. Da findet sich dann die gewünschte Information: Der durchschnittliche jährliche Aufwand für die ZDF-Sportberichterstattung lag von 2015 bis 2018 bei rund 242 Millionen Euro, für die Nutzungsrechte wurden im Durchschnitt pro Jahr rund 188 Millionen Euro aufgewendet.

 

Die Qualität der Erfüllung von Transparenzanforderungen bemisst sich nicht nur danach, ob bestimmte Informationen verfügbar gemacht werden, sondern auch danach, wie leicht diese aufzufinden sind. Der Medienwissenschaftler Dominik Speck hat die Transparenzbemühungen von ARD und ZDF in einer Expertise für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) untersucht und festgestellt, dass die Menüführung auf den Webseiten oft umständlich ist, relevante Informationen gerne auf viele verschiedene Unterseiten verteilt werden und manches nur nach einem Download von PDF-Dateien eingesehen werden kann.

 

Speck hat die Internetauftritte der Anstalten sowie die Webseiten der Aufsichtsgremien betrachtet. Deutlich wurde, dass die Rundfunkräte sich zumindest um ein Mindestmaß an Transparenz bemühen, die Verwaltungsräte aber in den meisten Fällen völlig intransparent arbeiten (löbliche Ausnahme: der ZDF-Verwaltungsrat). Die unterschiedlichen Transparenzstandards sieht Speck einerseits durch abweichende gesetzliche Vorschriften in den jeweiligen Landesgesetzen oder Staatsverträgen, andererseits durch unterschiedliche Unternehmenskulturen begründet. Denn durch internes Satzungsrecht können auch strengere Vorschriften erlassen werden als gesetzlich vorgesehen - aber nicht in jedem Sender wird von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.

 

In seinen Handlungsempfehlungen fordert Speck die Gremienmitglieder auf, sich bei den Bundesländern für eine "weitgehende gesetzliche Angleichung" der Standards einzusetzen. Als Vorbild führt er das Radio-Bremen-Gesetz und das WDR-Gesetz an. Besonders dringend ist aus Sicht des Medienwissenschaftlers die Verbesserung der Transparenz über Programmbeschwerden, weil hier häufig Themen von starkem öffentlichen Interesse behandelt werden. Die Sender sollten die Debatte über ihre Transparenz nicht als Bürde, sondern als Chance betrachten, resümiert Speck. ARD und ZDF, die im Vergleich zu ihren internationalen Pendants als eher intransparent gelten, wären gut beraten, den Hinweis zu beherzigen - sie könnten damit auch in der Debatte um den Rundfunkbeitrag Punkte machen.

 

Dominik Speck (Jahrgang 1991) hat Journalistik und Politikwissenschaften studiert. Er arbeitet derzeit als Gastwissenschaftler bei der Europäischen Rundfunkunion (EBU) in Genf und promoviert an der TU Dortmund über die Transparenz öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten in Europa. Bis Anfang 2020 war er als freier Journalist vor allem für den Fachdienst epd medien tätig. Wir dokumentieren die Expertise vom Oktober 2019 - gekürzt um Fußnoten und Tabellen - mit freundlicher Genehmigung des Autors und des DGB.

Aus epd medien 24/20 vom 12. Juni 2020

Michael Ridder