Lebenslanges Lernen. Aus- und Weiterbildung im Journalismus

Die gute Nachricht ist: Junge Journalisten werden wieder gesucht. Das berichtete Henriette Löwisch, die Leiterin der Deutschen Journalistenschule in München, beim Journalistentag der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion in Berlin. Sie werde oft angerufen und gefragt, ob sie jemanden empfehlen könne.

Und was lernen junge Journalistinnen, die in den Beruf wollen? Praxis war ein Aspekt, den alle Ausbilder bei der Tagung betonten, ebenso wie Crossmedialität. Wer beim "Mindener Tageblatt" volontiere, sei hinterher auch in der Lage "eine Videokamera richtig zu halten", sagte Ausbildungsredakteur Jan Henning Rogge. Und an der Electronic Media School (EMS) in Potsdam wurden "Smartproduktionen schon gemacht, bevor es den Bericht gab", sagte Leiter Michael Neugebauer. Aus Sicht der jungen Journalisten ist es jedoch immer noch mühsam, in den Beruf zu kommen. Die freie Journalistin Carina Fron berichtete, wie schwer es sein kann, Ideen an die Redaktionen zu verkaufen, und Vanessa Vu, Redakteurin bei "Zeit Online", sagte, die jungen Journalisten müssten sich "absurd hoch qualifizieren", um überhaupt eine Chance zu haben.

Und was ist mit denen, die schon seit Jahren im Beruf sind? Qualifizieren sie sich weiter? Bekommen sie überhaupt die Chance dazu? Adrian Schimpf, Leiter Personal und Recht bei der Madsack Mediengruppe berichtete von regelmäßigen Schulungen für alle Redaktionen. Sein Verlag gehe davon aus, dass die Schulungen immer weiter geführt werden müssten, da die Technologien sich auch stetig weiter entwickeln. Auch in der Funke Mediengruppe gibt es ein großes Weiterbildungsangebot.

Die Medienakademie von ARD und ZDF ist nach Angaben von Martina Lenk, Geschäftsbereichsleiterin Programm und Gestaltung, der größte Ausbilder im Medienbereich im deutschsprachigen Raum. Allerdings stellt auch Lenk fest, dass die Zeit für Weiterbildung immer knapper wird. Gefragt werde, ob der Inhalt, der früher in fünf Tagen vermittelt wurde, nicht auch in drei Tagen geschafft werden kann. Und Ulrike Dobelstein-Lüthe, Leiterin Weiterbildung der Hamburg Media School, berichtete, dass die traditionellen Medienunternehmen sich schwerer mit dem Thema Innovation tun als Mittelstandsunternehmen aus dem Marketing.

Aus- und Weiterbildung bleiben also wichtige Themen, wenn es um die Frage geht, wie Qualität im Journalismus gesichert werden kann. Im Zwiegespräch der jungen Generation mit der alten klang an, dass beide manchmal das Teamgefühl vermissen und sich mehr Austausch wünschen würden, mehr Verständnis füreinander. Dass Journalisten auch voneinander lernen können, scheint nicht in allen Redaktionskulturen verankert zu sein. Und Redaktionen werden zwar allmählich diverser, doch weiterhin gibt es da viel Nachholbedarf.

Die freie Journalistin Andrea Röpke berichtete schließlich von ihren Recherchen im rechten Milieu und von den Anfeindungen, denen sie sich immer wieder ausgesetzt sieht. Anfeindungen, die auch von einer demokratisch gewählten Partei wie der AfD ausgehen.

Wie es Journalisten ergehen kann, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit der eigenen Kollegen anmelden, war unlängst im Fall Relotius beim "Spiegel" zu beobachten. Der Kollege Juan Moreno, der Verdacht schöpfte, recherchierte auf eigene Faust, um die Fälschungen aufzudecken, in der Redaktion des "Spiegel" fand er zunächst kaum Rückhalt. Für solche Fälle forderte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke eine Beschwerdestelle, an die sich alle wenden können, die einen Verdacht haben.

Wir dokumentieren die Tagung "Zurück in die Zukunft. Push the Button", die am 26. Januar in Berlin stattfand, mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung der dju. Einige Texte wurden aus technischen Gründen leicht gekürzt.

Aus epd medien 16/19 vom 19. April 2019

Diemut Roether