Keine Umwelthelden. Das "Klima Update" von RTL

epd Am 8. Juli strahlte RTL zum ersten Mal sein „Klima Update“ aus. In 90 Sekunden erklärten dort die „RTL-Meteorologen“ Christian Häckl und Bernd Fuchs, welche Auswirkungen der schwächer werdende Jetstream haben kann. Zum Beispiel lang anhaltende Dürre oder, wie in diesem Sommer, „Starkregen am Fließband“. Eine Woche später sorgte ein solcher Starkregen für eine Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands. Ein makaberer Zufall.

Seitdem strahlt der Kölner Privatsender aus dem Bertelsmann-Konzern jeweils donnerstags und samstags kurz nach 19 Uhr das „Klima Update“ aus. Wobei die kurzen Info-Clips im linearen Programm wie ein Anhängsel vom „RTL Wetter“ wirken und sich, wohlwollend ausgedrückt, um eine möglichst unkomplizierte Ansprache bemühen. In den ersten Sendungen wurden Begriffe wie Treibhauseffekt und Kipppunkte grob erläutert und Themen wie die Eisschmelze in Grönland knapp abgehandelt. Als wollte man das Publikum, das auf die anschließende Serie wartet, nicht vergraulen. Frei nach dem Motto: Klar, Klimaschutz ist wichtig, aber komm' mir nicht mit zu vielen Details! Bleibt die Frage, ob RTL sein Publikum da nicht gewaltig unterschätzt.

Eine aufklärerische Heldentat ist dieser Klima-Grundkurs jedenfalls nicht. Ohnehin wäre es bizarr, den Sender im Jahr 2021 dafür zu feiern, weil er dem Menschheitsthema Klima wöchentlich drei Minuten Extra-Sendezeit einräumt. Aber weil sich die ARD gerne selbst ein Bein stellt und auf die „Klima vor acht“-Initiative in überheblich sturer Art und Weise reagierte, sieht RTL nun beinahe wie ein Umweltheld aus - allerdings nur, wenn man die überaus bescheidenen „Klima Update“-Ausgaben nicht gesehen hat.

Während die Initiative vor allem mehr Sichtbarkeit für das Thema in der Fernseh-Primetime forderte, ist die RTL-Sendung offenkundig vor allem als Appetithappen gedacht, der die Fernsehzuschauer auf die Partnerseiten im Netz locken soll. Die Moderatoren verweisen regelmäßig auf die Onlineseiten von „Geo“ und '„Wetter.de“ sowie auf „Klima vor acht“. Die Initiative ist auch selbst journalistisch aktiv geworden. Und die sechs Videos, die die nach eigener Darstellung mehr als 30 ehrenamtlich arbeitenden Journalistinnen und Wissenschaftler nach einer Crowdfundig-Aktion im Frühjahr gedreht hatten, bieten tatsächlich eine weitaus gründlichere Beschäftigung mit dem Themen-Komplex als das „Klima Update“ bei RTL.

Das gilt auch für die Erklärstücke, in denen sich vor allem Karsten Schwanke in den vergangenen Jahren im Rahmen des „Wetter vor acht“-Formats im Ersten mit Ursachen und Folgen der Klimakatastrophe beschäftigt hat. Einige davon sind im Netz abrufbar. Zum Beispiel die vom 8. Dezember 2016 zum Thema: „Nehmen Extremwetter zu?“ Auch im Juni 2016 war es zu Überschwemmungen durch Starkregen gekommen. „Das ist ein Ausdruck des Klimawandels. Wie lange wollen wir das noch wegdiskutieren?“, kommentierte Schwanke in der Sendung. Und obwohl die Zahl der Tage mit Starkregen in Deutschland im historischen Verlauf bis dahin nicht signifikant erhöht war, prognostizierte der Meteorologe aufgrund der erwartbaren Zunahme von Wasserdampf in der sich aufheizenden Atmosphäre: „Ich gehe trotzdem davon aus, dass wir das in Zukunft erleben werden.“

Die ARD hat ein eigenes „Klima vor acht“-Format kurz vor der „Tagesschau“ abgelehnt, aber ganz ohne Wirkung scheint die Initiative nicht gewesen zu sein. Seit dem 23. Juli gibt der MDR jeden Freitag ein wöchentliches „Klima-Update“ heraus, einen multimedialen Newsletter, in den Videos und Podcasts integriert sind. Es ist das bekannte Problem: Das öffentlich-rechtliche System hat zu dem Thema im Grunde viel zu bieten, allerdings schön verstreut und nicht immer leicht auffindbar in den Angeboten der einzelnen Sender.

Aus epd medien 32/21 vom 13.August 2021

Thomas Gehringer