Er ist wieder da. Das Comeback des Hape Kerkeling

epd Sieben Jahre lang war Hape Kerkeling weg vom Schirm. Sieben Jahre, in denen er sich nicht selbst im Fernsehen zeigte, sondern seine Stellvertreter, Devid Striesow in der Verfilmung von „Ich bin dann mal weg“, und Julius Weckauf als jungen Hans-Peter in „Der Junge muss an die frische Luft“, entsandte. Das Original, so vermittelte es die von Charlotte Link verfilmte Geschichte seiner Kindheit, hatte ausreichend Geschichte geschrieben, als das humoristisch hochbegabte Ruhrpott-Kind, das sich mit genauer Beobachtung ins Leben hinein parodiert, und dann lange Fernsehjahre hindurch nicht nur Spaß macht, sondern mehr und mehr den tieferen Sinn der Komik vermittelt - und sein Publikum schließlich sogar mit auf eine spirituelle Reise nimmt.

Sieben Jahre Pause. Wie in biblischer Zeitrechnung. Sieben Jahre Besinnung und vorläufiger Nachruhm, in denen aus dem Komiker ein Mythos der inklusiven Warmherzigkeit wurde. Eine Zeit, in der das Fernsehen sich veränderte. Nun, da es mit Neuausgaben von „Wetten, dass..?“ und „TV Total“ den Retro-Trend feiert, ist es logisch, dass auch Kerkeling zurück ist: „Jetzt bin ich ein alter Sack und habe die Rente durch.“ Er ist schlagfertig wie früher, aber ernsthafter, gesetzter auf jeden Fall, lebensweise.

Vox hat ihm den Teppich ausgerollt, samt Wandbespannung. Im mit rotem Damast tapezierten Hansa-Theater in Hamburg gab Hape Kerkeling am Nikolausabend ein dreistündiges TV-Solo-Programm zum Besten. Kronleuchter und Kleinkunstatmosphäre, Lieder mit Piano-Begleitung, freundlich lobhudelnd befragt von Dunja Hayali, vor Publikum, das mehr als einmal von Tränen der Rührung ergriffen schien. In mehreren minimalinszenierten Zwanzig-Minuten-Blöcken las Kerkeling aus seinem aktuellen Katzenbuch-Bestseller - eigentlich zum Gähnen. Ehrfurcht umgab die gesamte Veranstaltung, die an ein Fernsehunterhaltungs-Hochamt erinnerte.

Fragen durften gestellt werden, fast wie im Konfirmationsunterricht. Man erfuhr, dass es eine Katzenart gibt, die „Schottisches Faltohr“ heißt. Erheiterung im Publikum. Inklusion war auch hier Programm. Hayali, bekennende Hundefreundin, sorgte dafür, dass alle, wirklich alle Buchkäufer, Katzenfreaks und Hundemenschen, sich wohl fühlten. Das Katzenbuch „Pfoten vom Tisch!“ ist ein Renner. Kerkelings neues Album „Mal unter uns...“ wird es auch bald sein.

Dass Hape Kerkelings Humor bei aller Genauigkeit der Beobachtung immer versucht alle mitzunehmen, zeigt auch sein neues Reiseformat „Hape und die 7 Zwergstaaten“. Geschichte wird in der Playmobilburg vermittelt oder durch Hape im Fummel - als Fürstin Gracia Patricia, zum Beispiel.

Im kommenden Jahr gibt es bei RTL+ eine Neuauflage des „Club Las Piranjas“ und Kerkeling wird wieder als legendärer Animateur Edwin Öttel zu sehen sein. Es scheint, als wollten RTL oder die höhere Macht Bertelsmann Hape Kerkeling auf allen Kanälen zurück ins allgemeine Bewusstsein katapultieren. Dabei, und das unterscheidet den Entertainer von der Neuauflage von „Wetten, dass..?“, von „Geh aufs Ganze!“ mit dem „Zonk“ oder von „TV Total“, war Kerkeling gefühlt eben nie weg, er wurde mit Abstand immer glaubwürdiger, schwebte über den Unterhaltungs-Dingen und lachte mitfühlend über die Anstrengungen der Branche, lustig zu sein.

In den Einspielern von „Ein Abend mit Hape Kerkeling“, in denen man Hannilein, den Günter und die Gisela, natürlich Horst Schlämmer und Königin Beatrix wieder traf, wurde klar, was ihn - und vielleicht noch Günther Jauch - von den anderen unterscheidet: Die Fähigkeit, sich selbst leicht und ernst zugleich zu nehmen, das Leichte ernst und das Ernste leicht wirken zu lassen. Und sieben Jahre erscheinen zu lassen wie ein kurzes „Päusken“.

Aus epd medien 50-21/21 vom 17. Dezember 2021

Heike Hupertz