Die Verdienste des Herrn Buhrow. Marktwerte und Gehaltssprünge

epd Manchmal kann einem Tom Buhrow wirklich leidtun. Immer dann, wenn die ARD eine neue Übersichtsliste zu den Intendantengehältern ins Netz gestellt hat, schießen sich insbesondere Nutzer in den Sozialen Medien auf den WDR-Chef ein. Jetzt war es wieder soweit. 404.000 Euro Grundvergütung erhielt Buhrow im Jahr 2020 - und damit das höchste Gehalt eines Intendanten in der ARD. „Wer sich so gut für Kinderlieder entschuldigen kann, hat das verdient“, ätzte ein Twitter-User mit Blick auf den „Umweltsau“-Skandal.

Ein anderer rechnete aus, dass 1.924 Menschen ihre Rundfunkbeiträge ausschließlich zahlen, damit Buhrows Grundvergütung finanziert ist. Angemerkt wurde zudem, dass „bei einem richtigen Theater“ der Intendant wenigstens noch „oft selbst künstlerisch-inhaltlich aktiv“ sei. Die sarkastische Fixierung auf Buhrow ist jedoch nicht gerechtfertigt, denn der Chef des größten ARD-Senders lag 2020 nur knapp vor dem damaligen BR-Intendanten Ulrich Wilhelm, der mit einem Gehaltssprung von 15.000 Euro auf 403.000 Euro Grundvergütung kam. Danach folgten Kai Gniffke vom SWR mit 355.000 Euro und Joachim Knuth vom NDR mit 346.000 Euro.

Wer hier einen „kranken Skandal“ oder eine „Verprassung von Steuergeldern“ (!) wittert, sollte sich Vergleichszahlen anschauen. Dass ProSiebenSat.1-Vorstandssprecher Rainer Beaujean 2020 eine Gesamtvergütung von knapp 3,4 Millionen Euro erhielt, ist dabei gar nicht unbedingt der Maßstab - in der Privatwirtschaft fließen die Managergehälter nun mal lockerer. Der neue BBC-Generaldirektor Tim Davie (dessen Anstalt größer ist als der WDR) darf sich aber immerhin auch über ein Salär von umgerechnet 614.000 Euro freuen. ORF-Boss Alexander Wrabetz, der einen im Vergleich kleineren Sender führt, wird ein Lohn von mehr etwa 420.000 Euro zugeschrieben. Die ARD-Zahlen liegen also im Rahmen des international Üblichen.

Übersehen wird bei den Gehaltsskandalisierungen gern, dass auch die stattlichen Altersversorgungszusagen für Führungskräfte hohen Druck auf das Budget der Sender ausüben. So lag der Barwert der Pensionsverpflichtungen beim WDR für Intendant Buhrow, Justiziarin Eva-Maria Michel, Programmdirektor Jörg Schönenborn und Produktionsdirektor Wolfgang Wagner zum 31. Dezember 2019 bei insgesamt 11,1 Millionen Euro, wie aus dem Geschäftsbericht des Senders hervorgeht. Das zeigt, welche Summen auch auf Direktorenebene fließen. In der neuen ARD-Übersicht wird der durchschnittliche Jahresverdienst von Direktoren beim WDR und beim BR mit etwa 240.000 Euro angegeben - das kommt schon an die Grundvergütung des SR-Intendanten heran, der zuletzt 257.000 Euro bekam.

Nicht unterbezahlt ist auch die seit Mai amtierende ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, die 2021 ein Grundgehalt von 285.000 Euro erhält - und damit beispielswiese über der Grundvergütung von MDR-Intendantin Karola Wille (275.000 Euro im Jahr 2020) liegt. Strobl ist freilich die erste in dieser Funktion, die ihr Gehalt öffentlich gemacht hat.

Wer in dem Bereich „Wie wir funktionieren“ auf https://www.ard.de/die-ard etwas weiter nach rechts scrollt, stößt auch noch auf den interessanten Punkt „Ausgaben für Sportmoderatoren/innen und -experten/innen im Ersten“. Dort findet sich die Information, dass die 16 Moderatorinnen und Moderatoren von Sportsendungen im Ersten in der Saison 2018/2019 Vergütungen von insgesamt 2,36 Millionen Euro erhielten. Im Durchschnitt bedeutet das ein Honorar von 147.5000 Euro. Und da nicht jede und jeder gleich viel bekommt, darf man annehmen, dass so mancher populäre Sportmoderator auf dem Niveau eines Direktors entlohnt wird. „Der hohe Wert für Publikum wie Programm spiegelt sich in den Vergütungen wider und richtet sich nach dem Marktwert der beschäftigten Moderator/innen“, lässt die ARD wissen.

Aus epd medien 27/21 vom 9. Juli 2021

Michael Ridder