Die purpurnen Geldflüsse. Sportrechtehändler Telekom schlägt zu

Die Deutsche Telekom ist zurück auf dem Feld: Sie hat sich sämtliche deutschen Medienrechte für die Fußball-EM 2024 gesichert. Wirklich weg war der Magenta-Riese ja nie vom Sportrechtemarkt, obwohl er 2013 die Internetfernseh-Rechte an der Fußball-Bundesliga abgeben und den eigenen IPTV-Sender "Liga total!" abwickeln musste. Bereits 2014 startete das Angebot Telekom Basketball, nachdem die Telekom die Rechte an der Basketball-Bundesliga gekauft hatte. Später wurde das Angebot um Eishockey und die Dritte Fußball-Liga erweitert, seit Januar 2019 heißt es Magenta Sport.

Viel wird darüber spekuliert, wo 2024 die Spiele der "Heim-EM" in Deutschland zu sehen sein werden. In der offiziellen Telekom-Mitteilung finden sich dazu drei Sätze: "Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft sowie weitere Spiele werden frei empfangbar sein. Das gilt auch für die Halbfinalspiele und das Finale. Die Telekom prüft zudem eine mögliche Sublizenzierung an einen Free-TV-Partner." Das ist interpretierbar, obwohl die ersten beiden Sätze nichts anderes sind als die Schlussfolgerung aus einer Vorschrift des Rundfunkstaatsvertrags. Dieser definiert in Paragraf 4 gesellschaftliche Großereignisse, die nicht allein im Pay-TV übertragen werden dürfen.

Vergibt die Telekom jetzt also Sublizenzen, für die ARD, ZDF oder RTL dann tief in die Tasche greifen müssen? Das ist nicht zwingend. Man kann die Aussage der Telekom auch so lesen, dass grundsätzlich alle Spiele live auf Magenta Sport gezeigt werden (einige davon gemäß Rundfunkstaatsvertrag frei empfangbar) und eine zusätzliche nicht-exklusive Sublizenzierung nur optional ist. Eine frei empfangbare Ausstrahlung nur auf Magenta Sport würde aber die rechtlichen Fragen noch dringlicher werden lassen. Es geht dabei um Staatsferne, Unabhängigkeit, Reichweite und Diskriminierungsfreiheit.

Interessant ist vor diesem Hintergrund ein Blick darauf, wie die Telekom bisher Sport überträgt. Die herrschende Lehrmeinung geht davon aus, dass die Telekom keinen Rundfunk veranstalten darf, weil der Staat 31,9 Prozent der Anteile an dem Unternehmen hält - 14,5 Prozent besitzt die Bundesrepublik direkt, 17,4 Prozent hält die zu 100 Prozent dem Staat gehörende Förderbank KfW. Zu Zeiten von "Liga total!" hatte die Telekom deshalb die IPTV-Rechte an Constantin Medien sublizenziert und dem Münchner Konzern einen Produktionsauftrag erteilt. Darin war festgehalten, dass alle redaktionellen Entscheidungen allein von Constantin getroffen werden. Trotzdem stieß diese Konstruktion auf Kritik, etwa bei dem Medienrechtler Bernd Holznagel.

Für die Übertragungen von Basketball, Eishockey und Dritter Liga nutzt die Telekom derzeit eine ähnliche Lösung. Die Programme werden von der Firma Thinxpool TV des Sportjournalisten Albrecht Schmitt-Fleckenstein produziert. Diese arbeitet mit Rundfunklizenzen der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) für die Spartenkanäle "My Team TV - Basketball", "My Team TV - Eishockey", "My Team TV - Fußball" sowie "Best of Sport" und speist diese dann auf der Telekom-Plattform ein. Groß öffentlich problematisiert wurde dies bisher nicht, schließlich handelt es sich um nicht so massenattraktive Sportarten. Doch das könnte sich jetzt ändern.

Wenn die deutschen EM-Spiele auf Magenta Sport frei empfangbar sein sollen, könnte Telekom-Partner Schmitt-Fleckenstein versuchen, die Sendeerlaubnis für "My Team TV - Fußball" auf Free-TV auszudehnen. Der Ball läge dann bei der BLM, die sich - vor allem bei einer exklusiven Ausstrahlung - ganz genau anschauen müsste, wie im Vertragsverhältnis zwischen Telekom und Thinxpool TV die redaktionelle Unabhängigkeit geregelt ist. Schon 2012 hatte BLM-Präsident Siegfried Schneider vertiefte Prüfungen für den Fall angekündigt, dass die Telekom weitere Rechte an der Bundesliga erwirbt. Für eine EM müsste das erst recht gelten.

Aus epd medien 44/19 vom 1. November 2019

Michael Ridder