Die Dunja-Hayali-Show. Viel Esprit bei der Grimme-Gala

Die 55. Verleihung der Grimme-Preise wurde beinahe zur Dunja-Hayali-Show. Die 44-Jährige moderierte die Gala am 5. April im Theater Marl so witzig, frech und schlagfertig, dass sie sich selbst für einen Grimme-Preis in der Kategorie Unterhaltung empfahl. Das wäre auch mal eine Alternative zu dem mittlerweile etwas ermüdenden Preis-Abonnement von Jan Böhmermann. "Herzlich willkommen zur einzigen Preisverleihung in diesem Jahr in Deutschland, bei der die Klimaaktivistin Greta Thunberg keinen Preis bekommt", eröffnete Hayali den Abend - und legte in Anspielung auf die Goldene Kamera nach: "Aber gut, wir hauen hinterher halt auch keinen SUV raus."

Hayali verfügt auf der Bühne über ernormen Charme und Esprit, ist aber zugleich resolut bei der Regeldurchsetzung. Keiner der Preisträger durfte das Mikrofon in die Hand nehmen und ellenlange Dankesformeln für Hans und Franz einsprechen. Ein weiterer großer Vorzug: Hayali redet Klartext, auch wenn Menschen vor ihr stehen, die ein halbes Dutzend Personenschützer um sich herum haben. Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer wurde erst einmal zu ihrem Karnevalswitz über Toiletten für das dritte Geschlecht befragt. Ob man sich darauf einigen könne, dass der Witz genauso überflüssig war wie die tagelangen Diskussionen danach, wollte Hayali von "Frau AKK" wissen. Und die antwortete: Ja, so könne man das zusammenfassen. AKK, die als Präsidentin des Preisstifters Deutscher Volkshochschul-Verband gekommen war, übergab die besondere Ehrung an den deutsch-französischen Kultursender Arte.

In der Kategorie Unterhaltung ging ein Preis an die Spielshow "Catch! Der große Sat.1 Fang-Freitag" mit Luke Mockridge. Moderatorin Hayali empfahl dem Comedian, er könne doch jetzt auch den DFB retten, wo er schon Sat.1 aus dem Quotentief gerettet habe. Lachern aus dem Publikum begegnete sie mit der Frage: "Wieso, schlimmer geht's doch nicht?" Sie zielte damit auf den zurückgetretenen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel, der früher bei Hayalis Haussender ZDF arbeitete - und dort möglicherweise auch wieder aufschlagen könnte, wenn denn irgendwann einmal die Frage seines angebliches Rückkehrrechts juristisch einwandfrei geklärt sein sollte.

Tosenden und langen Applaus gab es für Isabel Schayani vom WDR, die in der Kategorie Information und Kultur für besondere journalistische Leistungen ausgezeichnet wurde. Schayani betonte, Journalismus müsse auf Augenhöhe stattfinden, ein Belehren der Zuschauer von oben herab führe nicht weiter. Einen Spezial-Preis gewann das "Docupy"-Team des WDR für eine Reihe über soziale Ungleichheit. Weil hier das zugehörige Onlinekonzept mit ausgezeichnet wurde, ätzte Hayali: "Sehr modern, und das im WDR. Hallo Tom Buhrow, das passt nicht so richtig zusammen!" Die Regie blendete daraufhin einen sauertöpfisch dreinblickenden Buhrow ein.

In der Kategorie Fiktion ging ein Spezial-Preis an Autor Erol Yesilkaya und Regisseur Sebastian Marka für den Berliner "Tatort: Meta", der selbstironisch mit dem ARD-Krimiformat spielt. Marka richtete deutliche Worte an die ARD-Verantwortlichen, die beschlossen haben, nur noch zwei experimentelle "Tatort"-Folgen im Jahr zu produzieren: "Wenn der 'Tatort' nicht experimentell wäre, dann wäre er schon seit zehn Jahren tot." Ob sich WDR-Fernsehdirektor und Grimme-Aufsichtsratschef Jörg Schönenborn diese Worte zu Herzen nimmt?

Ein einziges Mal an diesem unterhaltsamen Abend hat Dunja Hayali dann übrigens doch ihren Meister gefunden: in Werner Arndt, Oberbürgermeister von Marl. "Wann schmeißen Sie im Tourismusamt den zweiten Rechner an, um das alles hier vorzubereiten?", wollte die Moderatorin von dem SPD-Politiker wissen. Arndt konterte: "Damit setzen Sie voraus, dass wir hier überhaupt einen zweiten Rechner haben."

Aus epd medien 15/19 vom 12. April 2019

Michael Ridder