Der Wert des Medienjournalismus. 70 Jahre epd medien

Es hilft, sich von Zeit zu Zeit die eigene Berichterstattung noch einmal anzuschauen, sagte der Journalist Georg Mascolo im April bei der Feier zu 70 Jahre epd medien. Für unser Jubiläumsheft und die Vorbereitung der Feier haben wir einiges aus unserer früheren Berichterstattung nachgelesen. Eine schöne Gelegenheit, sich bewusstzumachen, wie lange sich bestimmte Diskussionen schon durch die Berichterstattung ziehen oder wie sich Argumentationslinien - beispielsweise beim Aufkommen neuer Medientechnologien - wiederholen oder zumindest ähneln.

Die technologische Neuerung, die die Berichterstattung in "epd Kirche und Rundfunk" in den Anfängen vor 70 Jahren prägte, war die Einführung der Ultrakurzwelle. Bereits 1950 wurden die ersten UKW-Programme ausgestrahlt, und schon 1951 schrieb dieser Fachdienst von einem "Zauberschlüssel", den das Nachkriegsdeutschland mit UKW erhalten habe: "Die Ultrakurzwelle ist in Wahrheit nicht nur der Weg zu einem zufriedenen Rundfunkhörer, sondern auch zu einem legitimen Länder- und Landschaftsrundfunk."

Sehr weitsichtig war auch der Kommentar von "epd Kirche und Fernsehen" zum Start des Zweiten Deutschen Fernsehens im März 1963: "Demnächst wird es eine recht unerquickliche neue Gattung von Nachrichten geben: den Vergleich der Zuschauerzahlen. (…) Die einen werden triumphieren, untermischt mit einer Prise Boshaftigkeit, die anderen werden beschwichtigen oder gar dementieren. (…) Und es ist zu befürchten: das Idol der Quantität wird ein Terror-Regime in den Anstalten errichten."

In der Tat leben heute ganze Mediendienste davon, dass sie diese damals neue Art von Nachrichten verbreiten. Doch Medienjournalismus im eigentlichen Sinne ist viel mehr. Medienjournalismus betrachtet das Mediensystem als Ganzes, beschäftigt sich mit Strukturen und Inhalten und weist auf Unwuchten im System hin. Doch ist Medienjournalismus auch ein Reparaturbetrieb des Journalismus? Diese Frage war unter anderem Gegenstand der Diskussion bei unserer Jubiläumsfeier am 9. April in Frankfurt am Main. Einig waren sich die Diskutierenden darin, dass Medienjournalismus eine wichtige Funktion erfüllt, gar nicht zu unterschätzen in einer Gesellschaft, in der jeder Einzelne - wenn man der Medienforschung trauen darf - neun Stunden pro Tag Medien nutzt.

Medienjournalismus, könnte man also sagen, war noch nie so wertvoll wie heute. Der Blick zurück hat uns daran erinnert: Wir sind Zwerge, die auf den Schultern von Riesen stehen. epd medien ist das Werk vieler, und alle, die in den vergangenen sieben Jahrzehnten hier gearbeitet haben und arbeiten, haben sehr viel Herzblut in diese Publikation gesteckt. Viele Namen wurden bei der Jubiläumsfeier genannt, viele mehr wären noch zu nennen gewesen. Einer soll hier noch einmal herausgehoben werden, weil er nicht nur den Hörspielpreis der Kriegsblinden erfunden hat, einen der renommiertesten und ältesten deutschen Kulturpreise, sondern auch "Kirche und Rundfunk" ebenso wie "Kirche und Fernsehen" drei Jahrzehnte lang geprägt hat: der 1995 verstorbene Friedrich Wilhelm Hymmen. 1979 erhielt er die Besondere Ehrung des Adolf-Grimme-Preises für 20 Jahre Fernsehkritik und für sein entschiedenes Eintreten für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Ganz besonders danken wir den Autoren, die seit Jahrzehnten den kritischen Blick und den Stil von epd medien prägen. Ohne sie gäbe es diese Publikation nicht, und ohne sie hätte sie nicht den Ruf, den sie hat. epd medien kann nur im Miteinander entstehen. Daher danke ich namentlich Michael Ridder und Ellen Nebel sowie Dominik Speck für ihren Einsatz und ihre Ideen. Und vor allem dafür, dass ihr Interesse an medienpolitischem Schwarzbrot nie nachlässt. Mögen die Keksvorräte, die den Appetit auf das Schwarzbrot wachhalten, niemals ausgehen!

Aus epd medien Nr. 25 vom 21. Juni 2019

Diemut Roether