Der Spieler. Der große Fernsehunterhalter Frank Elstner

epd Sieben Jahrzehnte Mediengeschichte: Es dürfte kaum jemanden geben, der länger im Geschäft ist als Frank Elstner, der am 19. April 80 Jahre alt wurde. Und es gibt wenige, die die Rundfunk-Unterhaltung im deutschsprachigen Raum ebenso umfassend geprägt haben wie der Junge aus Baden-Baden, der von seinen Mitschülern wegen des verkümmerten rechten Auges gehänselt wurde. Doch vor dem Mikrofon blühte der Sohn der Schauspieler Erich und Hilde Elstner auf. Im Studio des Südwestfunks „wurde ich ein anderer Mensch“, schrieb Elstner in seiner Autobiografie „Wetten Spaß“, die vor zehn Jahren erschienen ist.

Auf die Hauptrolle als zehnjähriger Sprecher in einer Hörfunkbearbeitung von „Bambi“ folgte eine einzigartige Medienkarriere als populärer Radio-DJ und Programmchef von Radio Luxemburg, als Erfinder und Moderator zahlloser Unterhaltungsformate, als Produzent und Talk-Gastgeber. Elstner bediente eine beachtliche Spannweite: von der „Fröhlichen Welle“ bis zum Nobelpreisträger-Talk „Die stillen Stars“, von der Samstagabend-Liveshow in großen Hallen bis zu Gesprächssendungen im intimen Rahmen.

„Das ist ein dauernder Prozess, man spielt mit der Fantasie“, sagt Elstner. „Deswegen sage ich immer: Ich habe keine Arbeit, sondern ich spiele. Ich habe fünf Kinder und vier Enkelkinder. Allein wenn ich die sehe, fallen mir schon wieder zehn Sendungen ein.“ Er habe noch fünf Schubladen voll mit Ideen, die er nicht losgeworden sei. Dabei war es immer das Credo des Entertainers, dass Unterhaltung nicht verletzend sein sollte, sondern vielmehr aufbauend wirken soll.

Mit der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ gelang ihm in den 1980er Jahren der größte Erfolg, ein Publikumshit, der Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer aus allen Generationen vor dem öffentlich-rechtlichen „Lagerfeuer“ vereinte. Elstner moderierte „Wetten, dass..?“ 39 Mal, ehe Thomas Gottschalk übernahm. Nach einigen Flops in den 1990er Jahren mit „Nase vorn“ oder „Flieg mit Air-T-L“ ging es wieder aufwärts. Elstner erwies sich in der SWR-Reihe „Menschen der Woche“ als sensibler Interviewer und übernahm mit „Verstehen Sie Spaß?“ und „Die große Show der Naturwunder“, gemeinsam mit Ranga Yogeshwar, noch einmal zwei Samstagabend-Shows in der ARD.

Für sein Lebenswerk erhielt der vielseitige Entertainer und Kreative vor zehn Jahren den Deutschen Fernsehpreis. Unter anderem wurde er auch mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse und dem Verdienstorden des Großherzogtums Luxemburg ausgezeichnet.

Auch im fortgeschrittenen Alter weiß Elstner die neuen Medien-Plattformen für sich zu nutzen. Kurz nachdem er vor sechs Jahren die Diagnose Parkinson erhalten hatte, startete er die Gesprächsreihe „Wetten, das war's..?“, die erst bei Youtube und zuletzt bei Netflix zu sehen war. Elstner betont, er leide nicht unter Parkinson, denn die Krankheit nehme bei ihm einen „verhältnismäßig milden Verlauf“. Er empfehle jedem, offen mit der Krankheit umzugehen. „Denn alle diejenigen, die ein Geheimnis daraus machen und trotzdem erwischt werden, müssen sich mit komischen Kommentaren auseinandersetzen.“

Mit „Wetten, das war's..?“ wird nun Schluss sein: „Ich möchte jetzt endlich mal die vielen Bücher lesen, die in meinem Zimmer stehen, und auch etwas mehr Freizeit haben“, sagt der Moderator. Nur als Presenter der Artenschutz-Reihe „Elstners Reisen“ will er weiter für den SWR unterwegs sein. Gerade wird ein Film über Wale vor den Azoren vorbereitet: „Solche Themen werde ich immer bearbeiten, solange mir der liebe Gott die Möglichkeit dazu gibt.“

Aus epd medien 16/22 vom 22. April 2022

Thomas Gehringer