Aus einer anderen Welt. Vor 40 Jahren kam "Dallas" ins deutsche TV

epd Lügen, Affären, Gier, Macht, Geld und Öl: Vor 40 Jahren, am 30. Juni 1981, hatte die US-amerikanische Seifenoper „Dallas“ im westdeutschen Fernsehen Premiere. Gebannt verfolgten die Zuschauer und Zuschauerinnen die Intrigen auf der Southfork Ranch unweit der texanischen Metropole Dallas. Die Hochglanz-Seifenoper rund um den grinsenden Schurken J.R. Ewing war damals auf völlig neue Art erzählt. In den USA lief die Serie bereits seit 1978, der Erfolg war riesig. „Dallas“ wurde weltweit ein Straßenfeger.

Man könnte den Negativhelden J.R. Ewing durchaus als eine Art Vorläufer des Reality-TV-Stars und späteren Präsidenten Donald Trump bezeichnen: Aus heutiger Sicht sei ein Vergleich angebracht, sagt der Medienwissenschaftler Robert Thompson, Professor an der Syracuse Universität in New York. J.R. und Trump seien die absolut bestimmenden Figuren in ihren Welten gewesen, übel, aber von vielen Menschen bewundert. J.R. sei interessant gewesen, weil man sehen wollte: „Was tut er als Nächstes? Wie weit geht er?“

1981, als „Dallas“ in der Bundesrepublik startete, machten sich Friedensaktivisten Sorgen um einen möglichen atomaren Erstschlag Sie mobilisierten gegen die Rüstungspläne des neuen US-Präsidenten Ronald Reagan. Helmut Schmidt von der SPD war Bundeskanzler. Die Grünen standen zwei Jahre vor dem Einzug in den Bundestag. Fernsehen war öffentlich-rechtlich, Privatsender gab es noch nicht. Das Erste zeigte „Dallas“ am Dienstag um 21.45 Uhr auf dem damals traditionellen Krimi-Sendeplatz. Die Serie weiche inhaltlich vom Üblichen ab, schrieb die ARD damals, denn einer der Helden, der „Ölindustrielle und Tunichtgut J.R. Ewing“ rege eher zur „Distanzierung als zur Identifikation“ an.

„Dallas“ setzte neue Maßstäbe für das Unterhaltungsfernsehen. Die Serie durchbrach die im Prime-Time-Fernsehen gängige Erzählweise, wonach jede Episode in sich geschlossen war. „Dallas“ ließ das Ende offen, vertraute darauf, dass die Zuschauer nach dem Cliffhanger wieder einschalten würden. Und man musste pünktlich sein: Eine verpasste Folge im Internet anschauen, das ging damals noch nicht.

Doch nicht nur die Story, auch der „Dallas“-Look faszinierte: Diese Cowboyhüte, diese Schulterpolster, diese Föhnfrisuren zum maskenhaften Make-up, die strahlenden Zähne der Akteure. Alle Schauspieler waren weiß.

Es war gar nicht so leicht, den Handlungssträngen zu folgen: Wer will J.R. Ewing (Larry Hagman) und seinem Unternehmen „Ewing Öl“ die Geschäfte vermiesen? Welche gemeinen Pläne schmiedet J.R.? Wer geht mit wem fremd? Kommt J.R. mit seinem Bruder Bobby (Patrick Duffy) und mit seiner häufig alkoholisierten Ehefrau Sue Ellen (Linda Gray) zurecht?

Das der zerstrittene Ewing-Clan ausgerechnet im Erdölgeschäft tätig war, verlieh der Serie ihr spezifisches Zeitkolorit. Ende der 70er Jahre war Öl ein großes Thema. Das Embargo der Ölstaaten und die islamische Revolution im einst „verlässlichen“ Lieferland Iran 1979 zeigten den USA und Westeuropa ihre Abhängigkeit. Die US-Regierung schuf 1979 eine schnelle Eingreiftruppe, um den Zugang zu Erdöl zu sichern. Im Klischee-Image von Texas verdrängte der Ölunternehmer den Cowboy. Immerhin lebten die Ewings auf einer Ranch.

Heute vermarktet sich die Southfork Ranch touristisch und als Location für Konferenzen und Hochzeiten. Besucher dürfen den Revolver sehen, mit dem J.R. angeschossen wurde. Für knapp 2.000 Dollar kann man „in der berühmtesten Villa der Welt“ übernachten und „wie ein Ewing leben und träumen“, heißt es in der Werbung. Zum Abendessen gibt es „JR's Steak Dinner“. Das Frühstück wird am Pool serviert. J.R. starb 1991 in den USA den Fernsehtod, nach 357 Folgen, als die Quoten schlechter wurden. Eine Neuauflage von „Dallas“ startete 2012 im Kabelsender TNT, lief aber nur drei Jahre.

Aus epd medien 25/21 vom 25. Juni 2021

Konrad Ege