Vergnügliche Komödie

VOR-SICHT: "Curling für Eisenstadt", Fernsehfilm, Regie: Andreas Schmied, Buch: Marc Schlegel, Peter Hengl, Kamera: Anna Hawliczek, Produktion: Gebhardt Productions (ARD/ORF/MDR, 16.10.19, 20.15-21.15 Uhr)

Wenn sich MDR und ORF für den "Filmmittwoch im Ersten" zusammentun, sind die Ergebnisse in der Regel sehenswert. Das gilt auch für "Curling für Eisenstadt", denn der Stoff ist ebenso originell wie amüsant: PR-Frau Vicky (Katharina Strasser) soll sich für ihren Heimatort im österreichischen Burgenland eine Werbekampagne ausdenken, die den Wintertourismus ankurbelt. Mit ihrem Entwurf liegt sie jedoch derart daneben, dass ihr Chef sie vor die Tür setzt. Weil auch ihr vermögender Vater keine Lust mehr hat, für ihr Auskommen zu sorgen, macht sie sich selbstständig. Allerdings fehlt ihr eine zündende Idee, die den Bürgermeister davon überzeugen könnte, ihr den Auftrag für die Winterwerbung zu geben. Als sie erfährt, dass Österreich zum ersten Mal die Curling-WM der Damen veranstalten wird, hat sie die Lösung: Eisenstadt soll sich als Austragungsort bewerben!

Dummerweise befindet sich die einzige Curlinghalle des Landes in Kitzbühel. Der Präsident des Curlingverbands lässt sich trotzdem auf einen Deal ein: Wenn es dem Curlingteam von Eisenstadt gelingen sollte, die Frauen aus Kitzbühel zu schlagen, bekommt Eisenstadt den Zuschlag. Allerdings hat Vicky neben der fehlenden Halle ein zweites Problem: Es gibt gar kein Curlingteam in Eisenstadt.

Die Handlung erinnert an "Cool Runnings". Der Hollywoodfilm von 1993 erzählt die Geschichte des jamaikanischen Bobteams, das sich 1988 gegen jede Wahrscheinlichkeit für die Olympischen Winterspiele qualifizierte. Ganz so krass sind die Gegensätze in "Curling für Eisenstadt" zwar nicht, aber die Chancen stehen ähnlich schlecht. Vicky muss auf die Schnelle eine Mannschaft auf die Beine stellen und fragt als erstes ihre beste Freundin (Marlene Morreis). Eine Mitarbeiterin ihres Vaters möchte ebenfalls mitmachen. Emma (Veronika Polly) wirkt zwar nicht gerade sportlich, war aber immerhin mal Eiskunstläuferin. Vierte im Bunde neben Vicky selbst wird die tiefenentspannte Surflehrerin Gerri (Maddalena Hirschal).

Von Curling haben sie alle keine Ahnung, aber auch da ergibt sich eine unverhoffte Rettung: Petra Glewitz (Maria Simon-Lade), einst das größte Curlingtalent der DDR, ist nach der Wiedervereinigung Opfer einer Intrige ihrer westdeutschen Konkurrentin Silke von Starenberg (Esther Schweins) geworden, die das Team aus Kitzbühel trainiert.

Das sportliche Ziel ist zwar Motor der Handlung, dennoch ist "Curling für Eisenstadt" kein typischer Sportfilm, denn im Mittelpunkt stehen die Figuren. Das von Regisseur Andreas Schmied bearbeitete Drehbuch von Marc Schlegel und Peter Hengl sorgt für eine Vielzahl zwischenmenschlicher Konflikte. Anfangs sind die fünf Frauen nur eine Zweckgemeinschaft, in der jede ihre eigenen Ziele verfolgt, allen voran die egozentrische Vicky und die trinkfreudige Sächsin Glewitz. Erfolg hat das Quintett erst, als die Frauen erkennen, dass es nicht genügt, sich als Team ein gemeinsames Ziel zu setzen. Um es zu erreichen, müssen sie Freundinnen werden.

Das klingt nach Kitsch, aber Schmied, der zuletzt für den ORF "Harri Pinter, Drecksau" (Kritik in epd 30-31/19) gedreht hat, bewahrt den Film mit munteren Dialogen davor, ins Pathos abzugleiten. Mit viel Geschick hat er zudem einige Elemente auf die Spitze getrieben, ohne sie klamottig wirken zu lassen. Maria Simon-Lade zum Beispiel verkörpert den Coach wie das Klischee einer ostdeutschen Eiskunstlauftrainerin und versieht die verbitterte Frau zudem mit dem passenden Dialekt. Glewitz, die stets einen Flachmann zur Hand hat, wirkt auch optisch derart verhärmt, dass die aus dem Brandenburger "Polizeiruf 110" bekannte Schauspielerin kaum wiederzuerkennen ist.

Der Eisenstädter Hendl-Kaiser (Christoph Krutzler) stellt dem Curlingteam eine Kühlhalle zur Verfügung und stattet die Frauen mit passender Kleidung aus. Im Gegenzug müssen sie für ihn Reklame machen, weshalb Vicky während eines Interviews mit Todesverachtung den peinlichen Werbespruch des Unternehmens aufsagt. Dieser Kaiser hat ausgerechnet die unterkühlte Glewitz zu seiner Königin erkoren.

"Curling für Eisenstadt" ist eine kurzweilige, einfallsreiche, flott montierte und vor allem dank der spielfreudigen Hauptdarstellerinnen sehr vergnügliche Komödie.

Aus epd medien 41/19 vom 11. Oktober 2019