Schwäbisch-badische Komik

VOR-SICHT: "Big Manni", Fernsehfilm, Regie: Niki Stein, Buch: Johannes Betz, Jürgen Rennecke, Kamera: Michael Schreitel, Produktion: Polyphon Pictures (ARD/Degeto/SWR, 1.5.19, 20.15-21.45 Uhr)

"Unternehmer wird man nicht. Unternehmer ist man." Auf Hochdeutsch klingt dieses Credo arrogant. Auf Schwäbisch, aus dem Mund von "Big Manni", hört es sich anders an: nach Bauernschläue, Hochstapelei und Größenwahn. Diese satirische Komödie ist angelehnt an den Fall des badischen Finanzbetrügers Manfred Schmider, der in den 90er Jahren mit seinem Unternehmen "FlowTex" in gigantischem Ausmaß Kreditbetrug beging und Scheingeschäfte betrieb, indem er mit über 3.000 nicht existenten Horizontalbohrmaschinen handelte. Einer der schwersten Fälle von Wirtschaftskriminalität in Deutschland, mit einem Schaden von fast fünf Milliarden Mark.

"Big Manni", der im Film Manfred Brenner heißt, wird gespielt - nein: mit provinzfürstlicher Lust am Charmieren, Manipulieren und Betrügen hinreißend verkörpert von Hans-Jochen Wagner. Überhaupt ist die Besetzung die beste Entscheidung, mit der die Komödie triumphieren kann: Alle tragenden Rollen werden von gebürtigen Schwaben und Badenern gespielt. Und es scheint diesen Schauspielern großen Spaß zu machen, sich im Dialekt ihrer Herkunft, den feinen Nuancen - oder den Grobheiten - des Idioms und der urkomischen Mentalität provinzieller Großspurigkeit buchstäblich zu Hause zu fühlen.

Dieser Spaß überträgt sich auf die Zuschauer. Und weil - außer in Bayern - in deutschen Fernsehfilmen kaum regionaler Dialekt gesprochen wird, ist diese schwäbisch-badische Komödie schon wegen ihres unverfälschten Dialekts und der daraus resultierenden Milieugenauigkeit ein seltenes Vergnügen.

Manni steht aber nicht nur im Mittelpunkt des Films. Er blickt auch, als Erzähler aus dem Off, auf die Stationen seiner Karriere als Hochstapler zurück. Die hat er mit dem Gebrauchtwagenhandel mit italienischen Autos begonnen, ehe er, gemeinsam mit seinem Bruder Markus (Ben Braun), die Firma "FlowColors" gründete, in der Spezialfarben für Häuserfassaden hergestellt wurden, was die Brüder mit ihrer Firma bereits zwei Jahre später zum "Marktführer in Württemberg" machte.

Manni hat inzwischen mit der schönen Irene (Nina Gnädig) sein privates Glück gefunden und sich ein protziges Anwesen - man muss auch da wohl schon sagen: ergaunert. Denn plötzlich steht die Steuerprüfung ins Haus, Manni braucht dringend einen "Überbrückungskredit" von 600.000 Mark und beauftragt einen kriminellen "Mitarbeiter", in sein Haus einzubrechen und Wertsachen zu stehlen, vor allem aber die Aktenordner mit den anscheinend frisierten Steuerunterlagen aus dem Tresor verschwinden zu lassen.

Hier tritt zum ersten Mal der Polizeibeamte Thomas Bärlach (Felix Eitner) in Erscheinung: Mannis Freund aus Kindertagen, der schon damals ahnte, dass für den aus wohlhabender Familie stammenden Manni andere Gesetze gelten als für ihn selbst. Bärlach ist auch der Einzige, den der Diebstahl von Steuerunterlagen misstrauisch macht. Und er bleibt Manni mit dessen immer schwindelerregender werdenden Betrugsmanövern auf den Fersen, während zugleich die Bewunderer von Manni in immer höher werdenden Sphären angesiedelt sind: Herr Stoschek (Robert Schupp) von der Landesbank, der für die Vergabe von Krediten in astronomischer Höhe sorgt ("Die Banken gaben sich die Klinke in die Hand", sagt Manni aus dem Off, "jeder wollte teilhaben an der FlowTex-Erfolgsstory"). Auch der Landespolitiker Rettinger (Patrick von Blume) feiert den "Inveschdor" Manni, weil der in der Region Arbeitsplätze schafft.

Nur dem Herrn Stüberle vom Finanzamt (Ferdinand Grözinger) wird es langsam mulmig: Er kommt zu Besuch in die Firma und will die "Wundermaschinen" in Augenschein nehmen. Es stehen da aber nur zwei Horizontalbohrmaschinen. "Die anderen sind im Einsatz", erläutert Manni, "nationwide sozusagen". Es sei nämlich so: "Je leerer die Halle, desto besser geht's uns." Schließlich macht Manni sogar Geschäfte mit einem arabischen Scheich und sieht sich schon als Weltmarktführer. Doch dann wird die Luft für ihn allmählich immer dünner.

Trotz der komödiantischen Unterhaltsamkeit, trotz aller Spielfreude der Schauspieler hat die Komödie eine grundsätzliche Schwäche in der Dramaturgie, die auch durch den Erzähler Manni nur notdürftig zu überspielen ist: Mannis Karriere als rastloser Hochstapler war nämlich dermaßen atemberaubend und in den betrügerischen Transaktionen so kompliziert, dass schon die erste Station des Steuerbetrugs bei "FlowColors" nur behauptet, nicht aber durchleuchtet werden kann. 90 Minuten sind viel zu kurz, um das ganze Ausmaß dieses monumentalen Skandals transparent zu machen. Vielleicht wäre ein Zwei- oder Dreiteiler für dieses Thema geeigneter gewesen.

Aus epd medien 17/19 vom 26. April 2019