Ende einer Romanze

VOR-SICHT: "Merz gegen Merz", achtteilige Comedyserie, Regie: Jan Markus Linhof, Felix Stienz, Buch: Ralf Husmann, Sonja Schönemann, Christian Martin, Kamera: Eddie Schneidermeier, Brendan Uffelmann, Produktion: Network Movie (ZDF, ab 18.4.19, 22.15-23.00 Uhr)

Als sie einander acht Jahre kannten / (und man darf sagen: sie kannten sich gut) / kam ihre Liebe plötzlich abhanden. / Wie andern Leuten ein Stock oder Hut. - Das traurige Ende vieler auf Langfristigkeit angelegter Liebesbeziehungen, das Erich Kästner in seiner "Sachlichen Romanze" in seiner erschütternden Banalität beschrieb, ist Stoff der neuen ZDF-Comedy-Reihe "Merz gegen Merz". Und die ist - Überraschung! - wirklich komisch. Auf der einen Seite herrscht bei beiden Partner traurige Ratlosigkeit, wie es so weit kommen konnte. Auf der anderen Seite hasst sich nichts herzlicher, als was sich zuvor geneckt hat - viel Raum für scharfe, ins Komische überzeichnete Alltagsbeobachtungen.

Annette Frier und Christoph Maria Herbst verkörpern das Ehepaar Anne und Erik überzeugend. Philip Noah Schwarz spielt ihren unter den beiden Rosenkriegern leidenden jugendlichen Sohn Leon, der trotz Bayern-München-Bettwäsche erwachsener wirkt als seine streitenden Eltern. Und dann sind da noch ihre und seine Eltern (Claudia Rieschel und Michael Wittenborn sowie Carmen-Maja Antoni und Bernd Stegemann). Ihre bürgerliche Unternehmerfamilie trifft auf seine prollige Herkunftsfamilie.

Headautor und "Creative Producer" der achtteiligen Serie ist Ralf Husmann ("Stromberg"). Husmann ist selbst geschieden und alt genug, Zeuge vieler Trennungen geworden zu sein, wie er im ZDF-Presseheft verrät. Hier stimmen Konstellation, die Besetzung und das Timing, die Pointen sitzen. Steilvorlagen für absurd-komische Gemeinheiten gibt es in den gemeinsamen Sitzungen bei der Paartherapeutin (Lena Dörrie). Dennoch verkommt das Ganze - Ausnahmen wie Schlägereien bestätigen diese Regel - nicht zur reinen Sketch-Parade.

Wenn sich das Paar zwischendrin wieder annähert, weil Annes Vater dement wird und man gemeinsam Pflegeheime besichtigen geht, dann ist das wie im wahren Leben. Es ist schmerzlich, mitanzusehen, dass man sich trotz der "eigentlich" und "irgendwie" ganz offensichtlich noch vorhandenen Verbundenheit nicht mehr zusammenraufen kann.

Fürs Erste jedenfalls ist der zwischenzeitlich eingekehrte Friede nicht von Dauer. Dafür schmeckt Anne Merz die Rache für erlittene und eingebildete Kränkungen viel zu süß. Obwohl sie ihren Mann eigentlich nur noch loswerden will - derart fällt er ihr auf die Nerven -, ist man wirtschaftlich eng verbunden und aufeinander angewiesen. Er zieht zwar zu Hause aus, führt die Geschäfte in der Firma ihres Vaters aber weiter. Schließlich war er zum Nachfolger auserkoren, denn ihr Vater traut Frauen nichts zu.

Anne mobbt Erik erfolgreich aus der Firma, braucht ihn dann aber doch. Schließlich muss ja jemand mit den schwäbischen Kunden, die von Geschäftsfrauen auch nicht viel halten, in Nackedei-Bars gehen, weil sie sonst abspringen. Und so weiter. Bei dieser Serie ist immer wieder gut Lachen, wenn man es aushalten oder gar genießen kann, sich auch mal ertappt zu fühlen.

Allerdings zeigt sie das ZDF so spät am Abend und zu derart unkalkulierbaren Zeiten (am Donnerstag um 22.15 Uhr, Samstag um 21.45 Uhr, Ostersonntag 22.05 Uhr und Ostermontag 22.05 Uhr), dass man besser gleich streamt. Wer das mit seinem Gespons auf dem gemeinsamen Sofa tut, wird vermutlich wie von selbst nebenbei überlegen, was man tun - oder auch lassen - kann, damit es nicht so kommt wie bei Erich Kästner. Oder im ZDF.

Aus epd medien 15/19 vom 12. April 2019

Andrea Kaiser