"Washington Post"-Chefredakteur geht in den Ruhestand

Marty Baron verlässt die Hauptstadtzeitung nach acht Jahren
Washington (epd)

Der Chefredakteur der "Washington Post", Martin "Marty" Baron, geht nach acht Jahren bei der US-amerikanischen Hauptstadtzeitung Ende Februar in den Ruhestand. Vor fast zwei Jahren habe er der Leitung des Unternehmens zugesagt, der Zeitung während der Präsidentschaftswahl erhalten zu bleiben, hieß es in einer Mitteilung des 66-Jährigen an die Mitarbeiter der Redaktion, die die Zeitung am 26. Januar veröffentlichte. Nun fühle er sich "bereit weiterzuziehen".

Baron kam nach Stationen beim "Miami Herald" und der "Boston Globe" zum Jahreswechsel 2012/2013 zur "Washington Post". Der CEO der Zeitung, Fred Ryan, würdigte die Arbeit des scheidenden Chefredakteurs. Unter Baron sei die Zahl der redaktionellen Mitarbeiter bei der "Post" von 580 auf mehr als 1.000 angestiegen. Seine Führung sei vielfach anerkannt worden, unter anderem mit zehn Pulitzer-Journalismuspreisen. Der "Post" wurde unterem 2014 ein Pulitzer für die Auswertung und Analyse der von Edward Snowden in Umlauf gebrachten Dokumente der National Security Agency und im Jahr 2016 ein weiterer für die Berichterstattung über das Ausmaß tödlicher Polizeischüsse in den USA verliehen (epd 17/14, 17/16).

Kurz nachdem Baron zur "Washington Post" gekommen war, erwarb der Amazon-Gründer Jeff Bezos die Zeitung im Sommer 2013 für 250 Millionen US-Dollar (epd 32/13, 32/18). Bezos schrieb auf Instagram, Baron sei "zugleich verwegen und vorsichtig" sowie "diszipliniert und einfühlsam" gewesen.

Das Medienmagazin "Columbia Journalism Review" sprach von verdientem Lob für Baron. Zugleich seien viele in der Redaktion der "Post" überzeugt, dass sein Abschied zur rechten Zeit komme. Baron sei "in einer anderen Ära verwurzelt gewesen", so die Kritik. Er habe es nicht verstanden, eine Redaktion und Führungsstruktur aufzubauen, die "die Diversität der Nation reflektiert", zitierte die "Review" einen kritischen Ex-Mitarbeiter.

Die Zeitung hat noch keinen Nachfolger ernannt. CEO Ryan versprach eine "weitreichende und inklusive" Suche. Es würden sowohl interne Kandidatinnen als auch Journalisten anderer Publikationen in Erwägung gezogen.

Aus epd medien 5/21 vom 5. Februar 2021

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