Vivendi erhöht die Beteiligung an Lagardère erneut

Behördliche Prüfverfahren zu Kauf von M6 durch Bouygues laufen weiter
Paris (epd).

Mit dem Erwerb zusätzlicher Aktien an der Lagardère-Gruppe, der zu einer vollständigen Übernahme führen kann, steigt der Vivendi-Konzern zu einem der größten Medienunternehmen Europas auf.

Vivendi teilte im September in Paris mit, der britische Finanzinverstor Amber Capital, der 18 Prozent der Lagadère-Aktien hält, werde diesen Anteil für 610 Millionen Euro verkaufen. Damit verfügt Vivendi über künftig einen Anteil von 45 Prozent an der Lagardère-Gruppe, bei den Stimmrechten verfügt Vivendi dann über 36 Prozent.

Erst Ende Juni hatte die Beteilung von Vivendi an dem Konkurrenten durch die Umwandlung der Lagardère-Gruppe in eine reine Aktiengesellschaft auf 27 Prozent zugenommen (epd 28/21). Der Erwerb der zusätzlichen 18 Prozent steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Wettbewerbsbehörde, der Finanzmarktaufsicht und der Medienaufsicht CSA, weil Vivendi zusätzlich zu seinen Fernsehprogrammen von Canal Plus und dem Nachrichtensender CNews künftig auch das landesweite Radio Europe 1 mit Ablegern kontrollieren wird.

Die Zustimmung der Wettbewerbsbehörde wird nach Ansicht von Branchenexperten nicht ohne Abgabe von Beteiligungen in den Bereichen zu erzielen sein, in denen eine marktbeherrschende Stellung droht. Das betrifft vor allem den Buchmarkt, da der zu Lagardère gehörende Verlag Hachette - der größte Frankreichs und der drittgrößte weltweit - und der zu Vivendi gehörende zweitgrößte französische Buchverlag Editis unter ein Dach kämen. Kommt es zu den behördlichen Zustimmungen, hat Vivendi mit einem Anteil von über 30 Prozent nach französischem Aktienrecht die Pflicht, den restlichen Aktionären ein Übernahmeangebot zu machen.

Unterdessen laufen die behördlichen Überprüfungen des geplanten Verkaufs des Fernsehsenders M6 an die Bouygues-Gruppe weiter. Der aktuelle M6-Besitzer RTL und Bouygues hatten den Deal Ende Mai angekündigt (epd 21/21). Zu Bouygues gehört der reichweitenstarke TV-Sender TF1, weswegen insbesondere bei der Fernsehwerbung eine marktbeherrschende Stellung entstehen könnte. Die Fusion bedarf der Zustimmung der Medienaufsicht CSA und der Wettbewerbsbehörde. Der CSA hat sich noch nicht geäußert, auch die Wettbewerbsbehörde nicht. Deren Vorsitzende Isabelle de Silva kündigte jedoch eine genaue Marktuntersuchung zur Vorbereitung einer Entscheidung an. Sie deutete an, dass es sich um ein rechtlich schwer zu beurteilendes Projekt handle.

Die für Medien zuständige Ministerin Roselyne Bachelot ist dagegen der Auffassung, Frankreich brauche im audiovisuellen Sektor starke Gruppen. Deshalb beunruhige sie diese Fusion in keiner Weise. Im Hinblick auf die Werbemacht kam aus der Politik bereits der Vorschlag, die Wettbewerbsbehörde könne doch die bisher allein auf das Fernsehen bezogene Marktabgrenzung auf die Werbung im Netz ausweiten. So wäre die Werbedominanz beseitigt. Dagegen brachte die Vorsitzende der Wettbewerbsbehörde vor, dass sich dann auch die dominierende Stellung der Werbegiganten Google und Facebook minimieren würde. De Silvas Ende Oktober auslaufendes Mandat wurde von Staatspräsident Emmanuel Macron nicht erneuert. Beobachter sehen darin die Absicht, mit einer verzögernden Neuernennung eine Entscheidung der Wettbewerbsbehörde bis zur Präsidentenwahl im April 2022 zu verhindern.

Aus epd medien 42/21 vom 22. Oktober 2021

vhe