USA: Fusion von Gannett und New Media beschlossen

Aktionäre segnen Milliardendeal ab - Gewerkschaft befürchtet Stellenabbau
Washington (epd)

In den USA entsteht ein neuer Medienriese, der an Auflagen gemessen der größte Zeitungskonzern des Landes ist. Die Aktionäre der Unternehmen Gannett und New Media Investment Group haben am 14. November dem Zusammenschluss ihrer beiden Konzerne zugestimmt. Der Fusionsunternehmen heißt Gannett und verfügt über mehr als 260 Tageszeitungen und Hunderte Wochenzeitungen, wie "USA Today" berichtete. Chef beim neuen Gannett-Konzern wurde der Geschäftsführer der New Media Investment Group, Mike Reed.

Zum alten Gannett-Unternehmen gehörten neben "USA Today" auch "Detroit Free Press" in Michigan, "Des Moines Register" in Iowa und "Austin American-Statesman" in Texas sowie Dutzende lokale und regionale Blätter. Mit ihrer Tochterfirma GateHouse hat sich die New Media Investment Group auf die Herausgabe von Dutzenden regionalen und lokalen Tageszeitungen und zahlreichen Wochenzeitungen spezialisiert. New Media zahlt 1,13 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro) für die Übernahme von Gannett. Ein Darlehen zur Finanzierung des Deals kam vom Hedgefond Apollo Global Management (epd 33/19).

Geschäftsführer Reed erklärte, er erwarte vom Zusammenschluss einen Synergieeffekt. Die Rede ist von erhofften Einsparungen in Höhe von 275 Millionen bis 300 Millionen Dollar im Jahr. Die neue Firma werde die landesweit "führende Print- und Digital-Nachrichtenorganisation werden". mit "tiefen Wurzeln vor Ort und auf nationaler Ebene", versprach Reed.

Die Medienarbeitergewerkschaft News Guild befürchtet einen Stellenabbau und die Schließung von Zeitungen. "Lokalzeitungen werden vermutlich verschwinden, Jobs werden dezimiert, und Berichterstattung wird leiden", sagte Gewerkschaftspräsident Bernie Lunzer. In einem elfseitigen Papier zum Zusammenschluss warnte die Guild, die neue Firma werde das zu hohen Raten getätigte Darlehen zurückzahlen müssen. Das gehe zulasten der Zeitungsarbeit.

Das neue Unternehmen werde wohl bereits Anfang 2020 entscheiden, welche Zeitungen und Besitztümer veräußert werden, schrieb Medienexperte Ken Doctor im Informationsdienst "niemanlab.org". Beim alten Gannett und bei GateHouse sei so sparsam gewirtschaftet worden, dass die Kernfrage sei, was nach geplanten Einsparmaßnahmen im neuen Gannett noch für den Journalismus übrigbleibe.

"Niemanlab.org" berichtete über die Aktionärsabstimmung unter der Überschrift: "Nach genehmigtem Zusammenschluss wetzt das neue Gannett das Messer zum Stellenabbau". Es dürfte nicht der letzte große Medienzusammenschluss in den USA sein: Ken Doctor schrieb, nach Angaben seiner Quellen liefen gegenwärtig Verhandlungen über einen Zusammenschluss der Medienfirmen McClatchy und Tribune.

Aus epd medien 47/19 vom 22. November 2019

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