Übernahme von Time Warner durch AT&T endgültig genehmigt

US-Bundesberufungsgericht weist Beschwerde des Justizministeriums ab
Washington (epd)

Die Übernahme des Medienkonzerns Time Warner durch den Kommunikationsriesen AT&T ist unter Dach und Fach. Das US-Bundesberufungsgericht in der Hauptstadt Washington hat am 26. Februar eine Beschwerde des US-Justizministeriums zurückgewiesen, die sich gegen das Urteil eines untergeordneten Gerichtes vom Juni 2018 zur Genehmigung des Zusammenschlusses richtete (epd 25/18).

Der nun gescheiterte Berufungsantrag des Ministeriums beklagte eine drohende Wettbewerbsbeeinträchtigung infolge des Zusammenschlusses, den sich AT&T 85,4 Milliarden Dollar kosten lässt (epd 44/16). Die Vertreter des Ministeriums seien jedoch "nicht überzeugend" gewesen bei ihrer Beweisführung, hieß es in dem 34-seitigen Berufungsurteil.

Zu Time Warner (heute WarnerMedia) gehören die Kabelsender HBO, CNN, TNT und TBS sowie die Film- und Fernsehstudios von Warner Bros. Entertainment. Die endgültige Genehmigung der Übernahme gilt als Rückschlag für US-Präsident Donald Trump. Dieser greift den Nachrichtensender CNN häufig wegen einer angeblich voreingenommenen Berichterstattung an. Bereits im Wahlkampf 2016 hatte Trump trotz seines generellen Deregulierungskurses angekündigt, er werde den Zusammenschluss nicht genehmigen.

Den Beschäftigten bei WarnerMedia drohen anscheinend Entlassungen und Kürzungen. Das Fachblatt "Variety" spekulierte über "größere strukturelle Veränderungen", die Kabelsender könnten vornehmlich bei der Verwaltung "gestrafft" werden. Medienexperten kritisierten das Berufungsurteil. Auch die demokratische Senatorin und Präsidentschaftsanwärterin Amy Klobuchar erklärte, die Übernahme sei für Verbraucher Grund zu der Besorgnis, dass weitere Medienfirmen Zusammenschlüsse planen könnten.

Nach dem Gerichtsurteil könne AT&T nun fortschreiten bei seinem Vorhaben, WarnerMedia auf "Streaming Video" auszurichten, schrieb die "New York Times". Das Unternehmen wolle im kommenden Jahr mehrere Online-Videoprodukte vorstelle. Allerdings müsse das Unternehmen Investoren überzeugen, dass es seine "gigantische Schuldenlast" abbauen könne, warnte die Zeitung. AT&T habe für den Time-Warner-Deal einen Kredit von 40 Milliarden Dollar aufnehmen müssen und habe nun 171 Milliarden Dollar Schulden.

Die Fusion von AT&T und Time Warner war im Juni 2018 vollzogen worden. AT&T ist nach der Übernahme der mit Abstand größte Medienkonzern der Welt (epd 36/18).

Aus epd medien 9/19 vom 1. März 2019

ege