Tschechien: Fernseh-Intendant wünscht sich Haushaltsabgabe

Gebühr für öffentlich-rechtliches CT wurde seit 2008 nicht erhöht
Prag (epd)

Der Intendant des Tschechischen Fernsehens (CT), Petr Dvorak, wünscht sich eine Rundfunkabgabe pro Haushalt wie in Deutschland. Seit 2008 betrage die Fernsehgebühr in Tschechien unverändert 135 Kronen (umgerechnet rund 5,30 Euro), sagte der 54-Jährige in einem Gespräch mit dem epd. Unter Einbeziehung der Inflation sei die Gebühr sogar gesunken. Ein neues Modell müsse so gestaltet sein, das nicht nur die Nutzung über die traditionellen Fernsehgeräte berücksichtigt werde. Neben der TV-Gebühr wird derzeit auch eine geringere Radiogebühr erhoben.

Dvorak ist allerdings skeptisch, ob es schnell zu einem Modellwechsel kommen kann. "Die politische Kultur sinkt, und die Politik setzt die Bedingungen", sagte er. Der umstrittene tschechische Ministerpräsident Andrej Babis besitzt über einen Treuhandfonds unter anderem die beiden wichtigsten Zeitungen des Landes. 2016 hatte Babis als Finanzminister dafür plädiert, das öffentlich-rechtliche CT zu verstaatlichen (epd 24/16).

Nach Auskunft von Intendant Dvorak hat CT ein jährliches Budget von umgerechnet rund 260 Millionen Euro. Davon entfielen jeweils 50 bis 60 Millionen Euro auf Drama-Produktionen, Sport und Nachrichten. Das Budget auf der Grundlage des langfristigen Entwicklungsplans bis 2021 lasse kein Wachstum zu.

Seit einer Reform vor einigen Jahren habe CT ein "erfolgreiches System unabhängiger Produzenten mit unterschiedlichen Handschriften", erläuterte Dvorak. Neben historischen Dramen gebe es beispielsweise Weihnachtsmärchen und Comedy-Sendungen. Nachrichten, Sport und Drama erzielten in etwa gleich hohe Marktanteile. Besonders beliebt seien Live-Sportübertragungen etwa von den Eishockey-Weltmeisterschaften, aber auch das Finale des Duells der Präsidentschaftskandidaten im vergangenen Jahr habe einen Marktanteil von 55 Prozent verzeichnet.

In Tschechien gebe es im internationalen Vergleich professionelle Mitarbeiter und günstige Produktionsbedingungen, so Dvorak. Einen eigenen Drama-TV-Kanal könne sich CT aus Kostengründen unter den jetzigen Bedingungen nicht leisten, aber Drama sei die wichtigste Säule der Primetime im Hauptkanal CT1.

In diesem Jahr war Tschechien auf dem Internationalen Fernsehfestival in Monte Carlo stark vertreten. Mit fünf Nominierungen im Fiktionsbereich lag Tschechien erstmals direkt hinter führenden Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Norwegen mit je sechs Nominierungen und gleichauf mit den USA (epd 26/19). Nominiert waren unter anderem die CT-Produktionen "Dukla 61", ein historischer Zweiteiler von David Ondricek, und die zwölfteilige Comedyserie "Dabing Street" ("Synchron-Strecke") von Petr Zelenka.

"Dukla 61" handelt vom Schicksal einer Bergmannsfamilie vor dem Hintergrund eines vergessenen Unglücks 1961 im Steinkohlen-Bergwerk Dukla in Mährisch-Schlesien, das 108 Tote forderte. Es war das größte Bergwerksunglück in der Tschechoslowakei in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In Tschechien war "Dukla 61" auf CT1 einer der meistgesehenen Fernsehfilme 2018 und erreichte mit beiden Teilen jeweils rund eine Million Zuschauer. "Dabing Street" entstand auf der Grundlage des gleichnamigen Theaterstücks über das Schicksal eines Synchronstudios und seiner Mitarbeiter, das der prominente Autor und Regisseur Zelenka für das Dejvicke-Theater in Prag schrieb.

"Wir waren selbst von dem großen Erfolg und besonders von den zwei Nominierungen etwas überrascht", sagte Dvorak. "Wir haben Produktionen, die vor allem lokal sind, mit starken Geschichten, mit denen die Menschen mitfühlen." Ausländischer Hauptmarkt für CT sei die Slowakei. Der Sender verkaufe Drama-Programme aber auch nach Ungarn und Bulgarien sowie nach Australien und Nordamerika.

"CT muss vertrauenswürdig bleiben"

2018 sei CT mit seinen fünf Fernsehkanälen Marktführer mit 30 Prozent vor Nova mit 29 Prozent und Prima mit 23 Prozent gewesen. Mit den kommerziellen Sendern gebe es aber keinen direkten Wettbewerb, sagte Dvorak. Diese machten eine andere Art von Fernsehen. "Sie haben andere Dramaproduktionen, Soap Operas, Krimiserien. Das ist kein Qualitätsfernsehen und das ist nicht so teuer", erklärte der Intendant. "Wir müssen unser Niveau halten, das relevant für unsere Zuschauer ist. Die Zeit ist schneller geworden, CT muss vertrauenswürdig bleiben."

Petr Dvorak ist seit 2011 CT-Intendant. 2017 wurde er vom Fernsehrat einstimmig für eine weitere sechsjährige Amtszeit bis 2023 wiedergewählt (epd 19/17). Der TV-Manager studierte technische Kybernetik in Prag und schloss das Studium als Ingenieur ab. Seine Karriere begann er als Berater im PR- und Marketing-Bereich. Von 2003 bis 2010 war Dvorak Generaldirektor des kommerziellen Unternehmens TV Nova. Im Dezember 2018 wurde er zum dritten Mal als Vertreter der Rundfunkorganisationen Mittel- und Osteuropas zum Mitglied des Exekutivkomitees der Europäischen Rundfunkunion (EBU) gewählt (epd 51-52/18).

Das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen wurde am 1. Januar 1992, dem Vorabend der Gründung der zwei unabhängigen Staaten aus der vorherigen Tschechoslowakei, gegründet. CT finanziert sich heute zu 90 Prozent aus der Fernsehgebühr. Die Sendergruppe hat über 2.900 Mitarbeiter in der Zentrale in Prag und in den beiden Studios in Brno (Brünn) und Ostrava (Mährisch-Ostrau). Zu den wichtigsten Investitionsaufgaben 2019 zählen der Übergang zum digitalen Antennenfernsehen DVB-T2 und die Erneuerung der CT-Zentrale.

Aus epd medien 29/19 vom 19. Juli 2019