Studie: Mehr Investitionen in europäische High-End-Serien

Einige Projekte mit höherem Budget - Koproduktionen stellen Minderheit dar
Straßburg (epd)

Laut einer Studie der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle weist die europäische Produktion von High-End-Serien einen Aufwärtstrend auf, teilte die Informationsstelle am 10. September in Straßburg mit. Die Entwicklung sei einerseits auf die Investitionen der reinen Abonnenten-Video-on-Demand-Akteure (SVoD) in der Fernsehfiktion zurückzuführen. Andererseits verlagerten Rundfunkveranstalter ihre Investitionen von Fernsehfilmen hin zu Serien, um das Publikum stärker an sich zu binden. Als High-End definiert die Studie Serien mit zwei bis 13 Folgen pro Staffel, die für die Hauptsendezeit gedacht sind.

High-End-Serien (rund 530 Titel im Jahr 2018) machen derzeit ungefähr die Hälfte aller jährlich produzierten europäischen Fiktionstitel aus, allerdings nur ein Viertel der produzierten Stunden, was auf den Anteil von Daily Soaps oder Telenovelas im Gesamtumfang der produzierten Fiktionsprogramme zurückzuführen sei. Die Zahlen deuteten aber darauf hin, dass nur eine begrenzte Anzahl an Projekten mit deutlich höheren Budgets, die mit dem durchschnittlichen Budget eines europäischen Films vergleichbar sind oder darüber liegen, ausgestattet sei, hieß es. Der Bericht stellt für eine Auswahl erfolgreicher europäischer Serien ein um durchschnittlich etwa 30 Prozent höheres Budget fest.

Laut Studie spielt das Vereinigte Königreich sowohl bei der Produktion als auch bei der Verwertung hochwertiger Fernsehserien in vielerlei Hinsicht eine Schlüsselrolle: Für den Zeitraum 2015-2018 sei es der führende Produzent (nach Anzahl der Staffeln, Folgen und Stunden) innerhalb der EU gewesen. Im gleichen Zeitraum war Großbritannien mit einem Anteil von 67 Prozent aller Fernsehserien, die bei außereuropäischen SVoD-Diensten verfügbar waren, auch der wichtigste europäische Exporteur in Gebiete außerhalb Europas.

Indessen stehen den Angaben zufolge europäische Rundfunkveranstalter einerseits in Konkurrenz mit globalen Akteuren und ihrer Investitionskraft und andererseits unter Druck, ihre Einnahmen in Fernsehproduktionen zu investieren, hieß es weiter in der Studie. Der Leitgedanke der Produktion von High-End-Serien ergebe sich aus der Notwendigkeit der Anbieter, ihre Projekte entweder durch internationale Vorverkäufe ohne Auswirkungen auf den kreativen Inhalt (zum Beispiel Großbritannien) oder durch Koproduktionen (zum Beispiel Frankreich, Italien, Deutschland) für Drittfinanzierung zu öffnen.

Gleichzeitig setzten die SVoD-Plattformen auf das Modell "100 Prozent Finanzierung für 100 Prozent der Rechte". Hohe Investitionen von SVoD-Plattformen kämen insbesondere Ländern zugute, die praktisch nicht im High-End-Produktionssegment vertreten sind, beispielsweise Spanien.

Einige Privatsender - zum Beispiel RTL, ITV, TF1, Mediaset - haben laut Studie eine Strategie zur Integration von High-End-Produktionstätigkeiten entwickelt, die zwei Ziele verfolgt: sich einerseits mehr Verwertungsrechte für die künftige Nutzung auf ihren Video-on-Demand-Plattformen zu sichern und andererseits ihr zentrales Geschäft teilweise auf die Produktion und Verwertung von Inhalten auszurichten, die als künftiger Kern der audiovisuellen Wertschöpfungskette angesehen werden.

Koproduktionen stellten nach wie vor eine kleine Minderheit bei High-End-Fiktionsprojekten dar (16 Prozent im Jahr 2018, 2015 lag der Anteil bei zehn Prozent), hieß es weiter. In Anlehnung an ein von skandinavischen öffentlich-rechtlichen Sendern geschaffenes Muster wechselten einige Sendergruppen (France Televisions, RAI, ZDF) vom projektbezogenen Koproduktionsmodell zu Koproduktionslisten, also zu einem systematischen Prozess der gemeinsamen Prüfung und Koinvestition in Projekte.

Nach Angaben der Informationsstelle wäre es dennoch verfrüht, daraus den Schluss zu ziehen, es gebe in Europa eine neue Struktur für die Produktion von High-End-Serien. "Unter den Projekten gibt es zahlreiche Variationen: Die Akteure experimentieren, Rundfunkveranstalter und SVoD-Dienste können sowohl miteinander konkurrieren als auch kooperieren." Die kommenden zusätzlichen SVoD-Dienste, die auf den Markt drängten, könnten die Landschaft erneut verändern, hieß es abschließend.
Aus epd medien 38/20 vom 18. September 2020

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