Studie: Europas TV-Markt durch Vielzahl kleiner Sender geprägt

Einfluss US-amerikanischer Gruppen hat weiter zugenommen
Straßburg (epd)

Der europäische Fernsehmarkt ist einer Studie zufolge durch eine Vielzahl von Sendern mit kleinen Marktanteilen geprägt. Vier von fünf TV-Sendern verfügten im Untersuchungsjahr 2017 über einen Marktanteil von höchstens zwei Prozent, wie die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle des Europarats in Straßburg am 24. Juni bekanntgab.

Demnach nahm der Konzentrationsgrad auf den nationalen Märkten, was die erreichten Zuschauer anging, zwischen 2012 und 2017 zum Teil deutlich ab. Untersucht wurden rund 40 Fernsehmärkte, wobei auch einzelne Sprachgruppen wie die deutschsprachigen Schweizer als eigene Märkte angesehen wurden. Auf den meisten TV-Märkten besaßen Akteure aus dem Ausland laut Studie eine beträchtliche Marktmacht und stellten teilweise sogar die nationalen Konkurrenten "deutlich in den Schatten". So seien 2017 auf 26 Märkten mehr als 20 Prozent der Zuschaueranteile auf ausländische Akteure entfallen, in zehn Fällen davon sogar über 50 Prozent der Anteile. Zu den Ländern und Territorien, in denen ausländische Gruppen wesentliche Marktanteile hielten, gehörten vor allem kleinere Märkte, angeführt von Bulgarien mit einem Anteil von 71,6 Prozent, gefolgt von Luxemburg (67,2 Prozent) und der Französischen Gemeinschaft Belgiens (63,6 Prozent) auf dem dritten Platz.

Besonders große Anteile auf den europäischen Fernsehmärkten verzeichneten dabei US-amerikanische Gruppen. Dies gilt insbesondere für kleinere Länder: Den größten Anteil hatten US-amerikanische Akteure am nationalen Markt mit 44,1 Prozent in Slowenien. Unter den größeren audiovisuellen Märkten sticht das Vereinigte Königreich mit einem hohen ausländischen Marktanteil US-amerikanischer Gruppen (23,1 Prozent) heraus.

Diese waren in Europa zudem auf einer Vielzahl von Märkten aktiv, so etwa die Discovery-Gruppe auf 26 und Walt Disney auf 23 Märkten. Die europäische Mediengruppe mit der stärksten internationalen Ausrichtung war der Informationsstelle des Europarats zufolge Bertelsmann mit Aktivitäten in 14 verschiedenen Gebieten.

Im Zuge der Übernahme der britischen Mediengruppe Sky durch Comcast im November 2018 (epd 46/18) sowie der Übernahme von 21st Century Fox durch Disney im März 2019 (epd 13/19) hat der Einfluss US-amerikanischer Gruppen in Europa noch weiter zugenommen. Dank dieser beiden Übernahmen stiegen deren US-Muttergesellschaften in die Top-20 der Gruppen mit den größten europäischen Zuschauermarktanteilen auf, so dass sich der Gesamtanteil US-amerikanischer Gruppen in Auslandsmärkten von 6,9 Prozent auf bislang unterreichte 9,1 Prozent steigerte.

Ein nicht unwesentlicher Anteil an den TV-Märkten entfiel der Studie zufolge auf öffentlich-rechtliche Mediengruppen. Sie seien vor allem im Inland erfolgreich. Betrachtet man die europaweiten Marktanteile, so zählten 2017 sieben der 20 erfolgreichsten Mediengruppen zu den Öffentlich-Rechtlichen, darunter ARD (3,1 Prozent) und ZDF (1,8 Prozent). Angeführt wurde die Reihe der erfolgreichsten Gruppen von der russischen Gazprom mit einem europäischen Zuschaueranteil von 5,5 Prozent, vor Bertelsmann (4,8 Prozent) und Mediaset aus Italien (4,3 Prozent).

Aus epd medien 26/19 vom 28. Juni 2019

ps/tz