Schweiz will schon 2023 aus UKW aussteigen

Nur noch 13 Prozent der Bevölkerung hören Radio ausschließlich analog
Zürich (epd)

Die Schweiz möchte früher aus der UKW-Verbreitung aussteigen als ursprünglich geplant. Wie das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) am 27. August miteilte, nutzen nur noch 13 Prozent der Bevölkerung Radio ausschließlich analog über UKW.

Die Radiobranche habe am 27. August einen Plan präsentiert, nach dem der UKW-Ausstieg in zwei Schritten bis Januar 2023 erfolgen soll. Ursprünglich wollte die Schweiz die analoge Verbreitung von Radio über UKW erst 2024 einstellen (epd 37/19).

Wie das Bakom mitteilte, finden 71 Prozent der Radionutzung in der Schweiz bereits digital statt. Davon entfielen 39 Prozent auf die Nutzung über DABplus und 32 Prozent auf die Nutzung von Radio im Internet. Die jüngste Erhebung im Auftrag der Arbeitsgruppe "Digitale Migration" (Digimig) habe ergeben, dass die digitale Nutzung seit Herbst 2015 um 22 Prozentpunkte zugenommen hat. Der Ausstieg ist nach Angaben der Bakom in zwei Schritten geplant: Im August 2022 wird die öffentliche SRG ihre UKW-Sender außer Betrieb nehmen. Im Januar 2023 folgen die privaten Radiostationen. Eine entsprechende Branchenvereinbarung sei bereits unterschrieben.

In der Deutschschweiz ist DABplus nach den im Auftrag der Arbeitsgruppe Digimig ermittelten Nutzungszahlen mit einem Anteil von 41 Prozent an der Gesamtnutzung mit Abstand der beliebteste Empfangsweg für Radioprogramme. In der Romandie hat DABplus die Radionutzung im Internet (IP-Radio) knapp überholt und mache nun 36 Prozent der Nutzung aus. In der italienischen Schweiz ist die IP-Radionutzung mit 39 Prozent der beliebteste Empfangsweg. Die Nutzung von UKW-Radio macht in jeder Sprachregion mittlerweile weniger als 30 Prozent aus.

Bis Ende November wollen nach Angaben des Bakom der Verband Schweizer Privatradios (VSP), die Union Romande des Radios Régionales (RRR) und die Union nicht gewinnorientierter Lokalradios (Unikom) die Zustimmung ihrer Mitglieder einholen. Wenn eine von der Arbeitsgruppe "Digitale Migration" definierte Mehrheit der Radioveranstalter dem Vorschlag zustimmt, wird der UKW-Abschaltplan für alle verbindlich. Die SRG habe dem Vorschlag bereits zugestimmt.

Das Bakom teilte mit, die Schweizer Regierung gewähre den Radioveranstaltern während der Übergangsphase bis zur UKW-Abschaltung eine substanzielle finanzielle Unterstützung für die Verbreitung des Digitalradios. Der Radiobranche sei es überlassen, den Umstieg auf die digitale Technologie DABplus selbstständig zu organisieren. In den vergangenen 20 Jahren wurden in der Schweiz fünf Millionen digitale Radiogeräte verkauft. Auch fast alle Neuwagen sind nach Angaben des Bakom jetzt standardmäßig mit einem DABplus-Empfang ausgerüstet.

Aus epd medien 36/20 vom 4. September

dir/koe