Schweiz: UKW-Abschaltung im Jahr 2024 bestätigt

Studie: Digitale Radionutzung inzwischen auf 65 Prozent gestiegen
Zürich (epd)

Radioprogramme werden in der Schweiz nur noch bis Ende 2024 über UKW empfangbar sein. Das erklärte Bernard Maissen, Vizedirektor des Schweizer Bundesamts für Kommunikation (Bakom), anlässlich des SwissRadioDay am 29. August in Zürich. Laut einer Bakom-Mitteilung stützte sich Maissen dabei auf die bestehende Vereinbarung der Radiobranche und auf rechtliche Bestimmungen. Die Behörde verwies auf Studien, wonach Ende Juni nur noch 17 Prozent der Schweizer ausschließlich diesen Empfangsweg nutzten.

Die Radioveranstalter und das Bakom hatten 2014 in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe entschieden, dass spätestens 2024 der Ausstieg aus der UKW-Verbreitung erfolgen soll. Der Schweizer Bundesrat schuf im Oktober 2017 den rechtlichen Rahmen dafür. Bakom-Vizechef Maissen erklärte, dass die im Dezember 2019 auslaufenden UKW-Funkkonzessionen bis 2024 verlängert werden, mit der Möglichkeit, die Dauer zu verkürzen, wenn die Radiobranche dies wünscht. Gleichzeitig wolle das Bakom prüfen, ob in Randgebieten mit ungenügender DABplus-Versorgung einzelne UKW-Sender auch nach 2024 befristet weiterbetrieben werden könnten.

Nach Zahlen des Forschungsinstituts GfK nutzten die Schweizer von 100 Radiominuten pro Tag inzwischen durchschnittlich 65 Minuten auf digitalem Weg, teilte das Bakom mit. Die digitale Radionutzung sei somit in dreieinhalb Jahren um 16 Prozentpunkte auf 65 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sei die UKW-Nutzung von 51 Prozent auf 35 Prozent gesunken. Im ersten Halbjahr 2019 wurden den Angaben zufolge 136.400 DABplus-Radios verkauft, Autos nicht eingerechnet. Seit dem Jahr 2000 seien in der Schweiz insgesamt 4,3 Millionen DABplus-Geräte verkauft worden.

Das Bakom veröffentlichte am 29. August auch die Ergebnisse zweier Untersuchungen, die das Forschungsinstitut Publicom im Auftrag der Behörde erstellt hatte. Darin ging es um die Programmleistungen der SRG-Radios in der französischen Sprachregion (Radio Télévision Suisse, RTS) und aller konzessionierten Lokalradios im Jahr 2018.

Der Programmauftrag der konzessionierten Lokalradios beschränke sich auf sechs Stunden Hauptsendezeit, hieß es in der Mitteilung. Er verlange von ihnen in erster Linie vielfältige und relevante lokal-regionale Informationsleistungen. Publicom komme zu dem Ergebnis, dass die Schweizer Lokalradios tatsächlich vielfältig berichten. Informationen über Politik, Gesellschaft, Kultur und Sport spielten dort eine große Rolle. Dabei seien die thematischen Schwerpunkte je nach Sprachregion unterschiedlich. So habe die Kultur in den Lokalradios der französischen Sprachregion einen größeren Stellenwert als bei den Radios der anderen Sprachregionen.

Lokalradios bieten wenig Einordnung

In der Regel berichteten die Lokalradios vor allem faktenorientiert, teilte das Bakom mit. Sie ordneten das Geschehen im Gegensatz zu den SRG-Radios wenig ein und beleuchteten "in geringem Maße unterschiedliche Perspektiven zu einem Thema". Damit zusammenhängend verwendeten sie selten aufwendige journalistische Produktionsformen und vermittelten die Informationen vor allem via Meldungen, Stellungnahmen und Berichten. Es gebe aber auch Ausnahmen. Einzelne Radios wie etwa Radio Lac, Radio Chablais oder Radio 1 nutzten viele journalistische Darstellungsformen. Sie böten ihrem Publikum auch mehr Orientierungsleistungen an als andere Lokalradios.

Die SRG-Radios müssten sich gemäß den gesetzlichen Vorgaben auf ihre Sprachregion konzentrieren und in erster Linie sprachregionale, nationale und internationale Informationen ausstrahlen, hielt das Bakom fest. Publicom stelle den vier Service-Public-Sendern von RTS (La 1ère, Espace 2, Couleur 3, Option Musique) grundsätzlich ein positives Zeugnis aus. Die Information sei bei diesen Radios, insbesondere bei La 1ère, sehr vielfältig. Neben den politischen Themen genössen Kulturthemen eine sehr hohe Priorität. Dagegen seien sportliche und wirtschaftliche Themen weniger präsent. Die verschiedenen Akteure und Meinungen seien ausgewogen repräsentiert. Sobald es aber darum gehe, kontroverse Positionen in einem thematischen Zusammenhang aufzuzeigen, seien die einzelnen RTS-Programme sehr unterschiedlich.

Der Integrationsauftrag der SRG verlange von RTS, dass es auch über das Geschehen in den anderen Sprachregionen berichte. Diesbezüglich stagnierten die RTS-Radios jedoch, kritisierte das Bakom: Nur durchschnittlich sechs Prozent der gesamten Informationszeit widmeten sie den anderen Sprachregionen. Wenn überhaupt aus anderen Regionen berichtet werde, gehe es in den RTS-Radioprogrammen fast immer um die Deutschschweiz. Der Bundesrat habe als Konsequenz aus früheren Analysen in der Zwischenzeit die konzessionsrechtlichen Vorgaben für die Berichterstattung über andere Sprachregionen "wesentlich verschärft". Die neue Konzession gelte seit dem 1. Januar 2019. Ob sie Wirkung entfalte, werde die nächste Untersuchung zeigen.

Aus epd medien 37/19 vom 13. September 2019

rid