Schweiz: SRG SSR steigert Informationsangebot leicht

Andere Sprachregionen in den Einzelprogrammen wenig vertreten
Biel (epd)

Etwas mehr Informationsangebote, deutliche Unterschiede bei der Vertretung der Geschlechter im publizistischen Angebot und Defizite bei der Berichterstattung über andere Sprachregionen - das sind die Kernergebnisse einer am 25. August veröffentlichten Studie des Schweizer Bundesamts für Kommunikation (Bakom), die für das Jahr 2019 alle Fernsehprogramme der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR) untersucht hat.

Die Studie zeige, dass die Themenvielfalt im journalistischen Angebot der SRG-Sender weiterhin hoch sei und dass die Strukturen der Programme im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2017 weitgehend stabil geblieben seien, hieß es in der Mitteilung der Bakom. Eine größere Veränderung zeige sich beim französischsprachigen Programm RTS Deux, wo die Informationsleistung mit der Einführung eines neuen Formats fast um die Hälfte erhöht (von 40 Prozent auf 59 Prozent) und gleichzeitig der Unterhaltungsbereich stark reduziert wurde (von 17 Prozent auf 5 Prozent).

Da die SRG seit Anfang 2019 verpflichtet ist, sich um eine angemessene Vertretung der Geschlechter in ihrem publizistischen Angebot zu bemühen, wurde zum ersten Mal auch der Anteil der journalistischen Themenbeiträge gemessen, in denen weibliche Akteure zu Wort kommen. Die Werte sind demnach in den verschiedenen Programmen unterschiedlich ausgeprägt und liegen zwischen 64 und 29 Prozent. Das hänge jedoch stark von der Themen- und Nachrichtenlage ab und könne deshalb erst nach weiteren Erhebungen beurteilt werden, wie die Autorinnen und Autoren der Studie betonen.

Bei der Thematisierung anderer Sprachregionen in den Fernsehprogrammen seien die Befunde eher bescheiden. Zwar seien in allen Programmen Sendungen vorhanden, die die anderen Schweizer Sprachregionen zum Thema machten. Auch hätten Wiederholungen und Programmübernahmen zwischen den Programmen unterschiedlicher Sprachregionen zugenommen. "Der Blick über den sprachregionalen Tellerrand ist vorhanden", konstatieren die Autoren der Studie. Aber er werde nicht ausgeweitet. Insbesondere die Bezüge zwischen französischsprachiger Westschweiz und den italienischsprachigen Gebieten im Süden des Landes seien sehr gering ausgeprägt.

Zudem muss die SRG in ihren Angeboten Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigen. Journalistische Beiträge, die sich mit Migrations- und Integrationsthemen beschäftigten, sind gemäß der Studie "in einem quantitativ klar erkennbaren Umfang identifizierbar". Die Anteile schwankten je nach Programm in einer Spanne zwischen zwei und neun Prozent.

Untersucht wurden je zwei natürliche Wochen der Programme SRF 1, SFR zwei, SRF info, RTS Un, RTS Deux, RSI La 1 und RSI LA 2 und damit insgesamt 2.352 Programmstunden. Die Studie ist Teil eines Forschungsprogramms, mit dem die Sendungen der Schweizer Radio- und Fernsehsender mit wissenschaftlichen Methoden kontinuierlich beobachtet werden.

Aus epd medien 35/20 vom 28. August 2020

koe