RTL Group will 350 Millionen Euro in Video-Streaming investieren

Medienkonzern steigerte seinen Gesamtumsatz 2018 um 2,1 Prozent
Luxemburg (epd)

Die RTL Group hat im vergangenen Jahr ihren Umsatz gesteigert, allerdings bei sinkendem Vorsteuergewinn. Der Jahresumsatz 2018 wuchs um 2,1 Prozent auf 6,51 Milliarden Euro, wie der Medienkonzern am 13. März in Luxemburg mitteilte. Zeitgleich sank der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Vergleich zum Vorjahr um 5,7 Prozent 1,38 Milliarden Euro. Das Minus ist vor allem auf den hohen Vorjahreswert zurückzuführen. Damals verkaufte die RTL Group Gebäude in Paris für 94 Millionen Euro. Wird dieser positive Einmaleffekt herausgerechnet, ergibt sich 2018 ein Plus von 0,7 Prozent beim Ebitda. Der Nettogewinn für die Aktionäre sank um 9,6 Prozent auf 668 Millionen Euro.

In den kommenden drei Jahren will die RTL Group mindestens 350 Millionen Euro in Video-Streaming-Angebote investieren, davon 300 Millionen Euro in Inhalte aller Genres. Ende 2018 erreichten TV Now Premium in Deutschland und Videoland in den Niederlanden zusammen erstmals eine Million zahlende Abonnenten. Binnen drei Jahren soll ihre Zahl auf wenigsten drei Millionen wachsen, auch durch den Start weiterer Streaming-Angebote in anderen Ländern. "Mit unserer Strategie verfolgen wir zwei klare Ziele: die Schaffung lokaler Streaming-Champions und die Stärkung unserer Inhalteproduktion", sagte CEO Bert Habets.

Aufgrund der Investitionen rechnet die RTL Group für 2019 mit einem Minus zwischen 2,5 und 5,0 Prozent beim Ebitda. Der Gesamtjahresumsatz werde dagegen in der gleichen Größenordnung zulegen, angetrieben vor allem durch die Digitalgeschäfte und die internationale Produktionsfirma Fremantle.

Habets erklärte, mit Fremantle setze die RTL Group ihre Expansion bei der Produktion von fiktionalen Serien fort. "Da diese Serien auch für den Ausbau unserer Streaming-Dienste von zentraler Bedeutung sind, haben wir einen ambitionierten Expansionsplan für fiktionale Serien entwickelt." Auf der Grundlage dieses Wachstumsplans sollen die internationalen Serienproduktionen im Jahr 2021 über 500 Millionen Euro Umsatz generieren, kündigte der CEO an.

Die Mediengruppe RTL Deutschland erwirtschaftete 2018 ein Ebitda in Höhe von 728 Millionen Euro, im Vorjahr hatte dieses 738 Millionen Euro betragen. Den Rückgang führt der Medienkonzern vor allem auf das schwächelnde Werbegeschäft zurück - "in einem Jahr, in dem die größten Sport-Events, wie die Fifa-Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Winterspiele, von den öffentlich-rechtlichen Kanälen übertragen wurden". Die Mediengruppe RTL Deutschland hatte im vergangenen November auf epd-Nachfrage erklärt, dass sie voraussichtlich nicht bei der Streamingplattform 7TV des Konkurrenten ProSiebenSat.1 einsteigen wird (epd 48/18). Stattdessen will sich RTL auf den Ausbau des hauseigenen Video-on-Demand-Dienstes TV Now konzentrieren. Dieser startete Mitte Dezember als überarbeiteter Streamingdienst (epd 50/18).

Die französische Tochtergesellschaft Groupe M6 erzielte 2018 einen im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent höheren Vorsteuergewinn von 400 Millionen Euro. Fremantle legte um 5,0 Prozent auf 147 Millionen Euro zu. Zurückzuführen ist das Plus im Wesentlichen auf gut laufende Geschäfte in Nordamerika, Deutschland (Ufa) und mit dem kanadischen Videospielunternehmen Ludia. RTL Nederland steigerte sein Ebitda leicht auf 89 Millionen Euro (2017: 87 Millionen Euro), hauptsächlich dank höherer Werbeeinnahmen, der Plattform Videoland und weiterer Digitalaktivitäten.

Die zu Bertelsmann zählende RTL Group mit Sitz in Luxemburg betreibt insgesamt 60 Fernsehsender, 30 Radiostationen sowie acht Video-on-Demand-Plattformen. Zur Mediengruppe RTL Deutschland gehören neben dem Stammsender RTL unter anderem Vox und der Nachrichtensender n-tv.

Aus epd medien 12/19 vom 22. März 2019

tz